Die strikte Bettruhe im Zuge einer problematischen Schwangerschaft klingt auf den ersten Blick nicht wie eine optimale Ausgangsposition für einen Geisterhausfilm. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte Drehbuchautorin und Regiedebütantin Lori Evans Taylor dennoch recht viel aus der Prämisse herausholen können, doch es bleibt beim Konjunktiv.
Nach einem schwer traumatisierenden Erlebnis während einer Schwangerschaft ist Julie (Melissa Barrera) erneut schwanger und soeben mit ihrem Mann Daniel (Guy Burnet) in ein altes, renovierungsbedürftiges Haus umgezogen. Nach einem Treppensturz verordnet ihr der Arzt acht Wochen strikte Bettruhe und die Vermeidung von Stress, was gar nicht so leicht ist, wenn nach einiger Zeit mahnende Kinder wie aus dem Nichts auftauchen…
Der Umzug und der Neuanfang, - für viele Protagonisten im Haunted House Metier eher der Anfang vom Ende. Die ziemlich schwangere Julie macht zunächst einen optimistischen Eindruck bei der Besichtigung des Hauses, begeht aber direkt den Fehler, ein von einem Handwerker gefundenes Armband der Vorbesitzer in Beschlag zu nehmen, was Geister grundlegend krumm nehmen. Erst nach einer Cocktailparty wird erwähnt, dass der gemeinsame Sohn Andrew kurz nach der Geburt verstarb, woraufhin Julie unter einer postpartalen Depression litt, die bereits psychotische Züge annahm.
Aus diesem Umstand heraus hätte man die Geschichte deutlicher auf die Psyche der Hauptfigur zuschneiden können, ob denn nachfolgende paranormale Aktivitäten nur Einbildung sind oder ein Geist auf einen Umstand aus der Vergangenheit hinzuweisen versucht. Ein paar Flashbacks und das klischeehafte Blockieren des Ehemannes reichen da beileibe nicht aus, am Verstand der Schwangeren zu zweifeln.
Und dennoch ereignet sich auf übernatürlicher Ebene deutlich zu wenig. Flüstern, Poltern aus dem Kleiderschrank und das beinahe willkürliche Erscheinen eines Jungen sind Motive, die bereits um 1988 ein alter Hut waren. Hauskatzen haben sich in derartigen Situationen schon immer mit lautem Fauchen in die Ecke zurückgezogen und auch das Mitmischen einer vermeintlich dubiosen Hebamme (Edie Inksetter) fügt dem Geschehen kaum weitere düstere Aspekte hinzu.
Aus der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Hauptfigur wird kaum etwas gemacht und entsprechend simpel gestrickt läuft das Finale weitgehend spannungs - und gruselfrei ab. Im Gegenteil: Auf etwas ungelenke Weise wird es gar noch ein wenig kitschig. Dazu gesellen sich die eher unterdurchschnittlichen Performances, bei denen nur Inksetter als Krankenschwester mit einiger Lebenserfahrung positiv hervorsticht, während zwischen Barrera und Burnet kaum eine Chemie spürbar wird.
Mit dem Schwerpunkt der Verdrängung eines Traumas hätte durchaus ein Psychothriller entstehen können, der anbei mit einigen Versatzstücken des Gruselhausfilms jongliert. Doch dem Stoff mangelt es auf ganzer Ebene an frischen Ideen und effektvoll inszenierten Spukeinlagen, an spannenden Momenten überdies. Die Atmosphäre des leicht kammerspielartig anmutenden Settings ist noch okay, darüber hinaus ist das von allem zu wenig.
Knapp
4 von 10