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Auf seine alten Tage kommt Spielberg nun öfters mit diesen „wollte ich schon immer machen“ - Projekten um die Ecke. Nun also etwas autobiographisch angehaucht, bringt er mit „The Fabelmans“ ein Familiendrama ins Kino, welches das Mitglied Sam in den Mittelpunkt stellt. Seit dessen erstem Kinobesuch 1952 ist Sam vom Medium Film fasziniert und so spinnt sich die Geschichte weiter, über einige Jahre hinweg. Dabei zeigt Spielberg nicht nur das wachsende Engagement Sams, der anfängt, eigene kleine Filme zu drehen, er beleuchtet auch die Entwicklung der Familie, das dort stattfindende Mit- und Auseinander.

Die Liebe zum Kino, zum Film, die man Spielberg nicht unterstellen braucht, ist in den entsprechenden Passagen spürbar. Und wenn er eine Hommage an das Filmemachen sein will, sich mit dieser Thematik auseinandersetzt, dabei auch mit der suggestiven Macht der bewegten Bilder, dann verströmt er tatsächlich ein bisschen Magie.
Optisch ist Spielbergs quasi-Erinnerung hübsch ausgestattet, aber auch unglaublich sauber. Alles wirkt so ordentlich, adrett und gerade geschnitten, eine idealisierte Version einer Wirklichkeit. Und das ist einer der Knackpunkte, zumindest ließ das mich nie so recht eintauchen in diese Nostalgie, hatte die Anmutung von einem verfilmten Film. Erinnerungen sind immer eingefärbt, dem sollte sich auch Spielberg bewusst sein. Weiterhin geht „The Fabelmans“ nie so richtig ins Drama, ist unentschlossen zwischen der Bebilderung von Sams Lebensweg und seiner sich weiter entwickelnden Leidenschaft hier und den familieninternen Entwicklungen da. Natürlich geht das Hand in Hand, bedingt und beeinflusst sich gegenseitig und doch blieb das Gefühl, dass er (vielleicht auch aus Rücksicht auf die eigene Vergangenheit) seiner Erinnerung bloß keine Schrammen verpassen will.

Gabriel LaBelle, der den Teenager Sam spielt und an Spielberg selbst angelehnt ist, spielt die zentrale Rolle sympathisch und ihm zu folgen ist der interessantere Part des Films. Auch weitere Figuren orientieren sich an Spielbergs realer Familie. Paul Dano als Sams Vater Burt wirkt in seiner Art immer etwas entkoppelt, bleibt aber ein Fixpunkt. Sams Mutter Mitzi dagegen ist nicht so recht greifbar; Michelle Williams spielt das gut, nur die Figur selbst ist eben anstrengend. Seth Rogen und Judd Hirsch in Nebenrollen, das Casting ist durchaus ansprechend.

Und doch, vieles plätschert so vor sich hin, bei knapp zweieinhalb Stunden macht sich zwar keine Langeweile breit, aber man trifft auch auf nichts, was einen mal aus dem Sitz hebt. Vielleicht noch David Lynch mit seinem kurzen Auftritt als Regielegende John Ford. Und da liest man von einem John Williams, der die Filmmusik beitrug und einem Janusz Kaminski hinter der Kamera. So groß wie die Namen wirkt das fertige Produkt allerdings nicht. Man erwartet keine großen Gemälde in diesem Genre, aber emotional fehlte mir einfach was.

Die Liebe zum Film, Spielbergs Heranführung an diese, „The Fabelmans“ bringt dies in den sich damit befassenden Passagen schön auf die Leinwand. Das Familiendrama, das er hier noch miterzählt, kann da weniger mitreißen, lässt mich auf Distanz bleiben. Gleiches schafft dieser unwirklich saubere Look. So bleibt es bei einem seichten Werk mit autobiographischem Anstrich, das eigentlich genau da endet, wo es wirklich interessant wird.

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