Spielberg on Spielberg
„The Fabelmans“ erzählt von einem kleinen Jungen in den 50ern, der durch erste Berührungen mit Filmen und dem Kino seine Berufung und Leidenschaft findet, Traumata und familiäre Probleme überwindet - ganz wie es einst Regisseur und Legende Steven Spielberg selbst tat…
24 Träume pro Sekunde
Regisseure sollen wie Boxer sein, sagen viele - sie haben ihre Zeit und Phase, danach spüre man, dass die Luft entfleucht. Doch Legenden wie Scorsese oder Spielberg beugen sich diesem Trend bzw. dieser „Regel“ nicht. Zumindest nicht ohne Widerstand. Oder stimmt’s selbst bei solchen Grosskalibern?! An einen wirklich sensationell guten Film von Spielberg kann ich mich seit dem Doppelpack „Minority Report“ + „Catch Me auf You Can“ im Jahr 2002 (!) jedenfalls nicht mehr erinnern… Aber das ist ja auch Geschmackssache und klasse Werke wie „Munich“ oder „Ready Player One“ (mit Abstrichen) können ihm selbst auf dem absteigenden Ast ja auch nicht allzu viele Kollegen nachmachen. Beweisen muss er's selbstredend eh niemandem mehr. Und nun kommt mit „The Fabelmans“ Spielbergs wahrscheinlich persönlichster Film seit „Schindlers Liste“ - Zeit, nochmal zu alter Größe zu finden? Wäre es. Ist es aber nicht. Ein guter Film ist dem Altmeister (und eventuell unterhaltsamsten Regisseur aller Zeiten?) aber abermals gelungen. Über Träume und Leidenschaft, über Familie und Leiden, über Geheimnisse und Geschick, über Talent und Vorbilder, über Eltern und Geschwister. Alles geht kaum näher an Spielbergs eigenem Leben, obwohl natürlich nicht die echten Namen oder „Biografie“ draufstehen. Aber in Spielfilmform geht das kaum näher. Und dieser „Unterhaltungswinkel“ von dem er es angeht passt ja auch zu Spielberg, seinem Style und seiner Karriere. Ihm waren das Bild und das Märchen immer wichtiger als der Realismus. Die Kinder und Jugendlichen sind super besetzt. Die Erwachsenen leider nicht und verlaufen sich in Künstlichkeit, Aufgesetztheit und Oberfläche. Nahezu allesamt. Sie wirken wie Fremdkörper. Und im Grunde will ich nicht wirklich einen Film von Spielberg über seine (teils kaputte) Familie sehen - sondern über's Filmemachen. Und da gibt’s erstaunlich wenig. Wenn, dann ist’s mega magisch und cool. Aber es bleiben frühe Nebenstränge. Geprägt durch Familie, Religion, Schulzeit, Liebe und leider auch Längen, Klischees, Uninteressantes für mich. Über eine massive Laufzeit. Und mit wenig Überraschungen.
Willkommen zu deinem Leben!
Fazit: ganz süß und vielleicht sogar aus gutgesinntem Blickwinkel episch, unumgänglich für Fans von Film, Kino und Spielberg. Eine hochwertige Familiengeschichte über Licht, Magie und Träume. Und dennoch… irgendwie auch nicht das Meisterwerk, welches das Lebenswerk und die Inspiration Spielbergs verdient gehabt hätten. Vor allem wirken seine Künstlichkeit und sein Kitsch einfach nicht mehr so wundervoll wie früher… erst recht wenn es mehr oder weniger über ihn selbst geht. Und „Fabelmans“ hat Längen. Für Filmnerds wie uns wächst er jedoch eventuell über die nächsten Jahrzehnte… Man spürt, dass ihm das alles schon sehr am Herz liegt. Aber vor 30 Jahren hätte er einfach den viel besseren und unterhaltsameren Film gemacht, da bin ich mir sicher.
P.S.: Geguckt bzw. endlich nachgeholt aufgrund David Lynchs letzter Nebenrolle. Einem komödiantischen Highlight des Films.