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Der Predator ist wieder hungrig

Seit 1987 streifen die außerirdischen Jäger durch die Popkultur - mal stärker, mal schwächer bewaffnet. Nach eher müden Versuchen wie Predators oder Shane Blacks Predator: Upgrade, schien die Luft ein wenig raus zu sein. Zu oft hat man sich im Nostalgie-Zoo verlaufen, zu selten die Essenz des Originals wieder eingefangen.

Nun wagt sich Dan Trachtenberg an den großen Mythos, der bereits mit 10 Cloverfield Lane gezeigt hat, dass er Suspense und klaustrophobische Spannung im kleinen Rahmen beherrscht. Statt noch größer, lauter, explodierender zu werden, spult Prey die Uhr zurück – satte 300 Jahre – und schickt den Predator in die unberührte Wildnis Nordamerikas. Dort kreuzt er die Wege der Comanche-Kriegerin Naru (Amber Midthunder), die ihrerseits beweisen will, dass sie mehr ist als „nur“ eine Frau am Rande des Stammeslebens. Die Prämisse ist minimalistisch, aber clever. Und tatsächlich: Auf einmal weht wieder frischer Wind durch das Franchise.

Von Beute, Blut und Bogen

Prey verzichtet auf verschachtelte Nebenhandlungen, übertriebene One-Liner und pseudo-coole Helden. Stattdessen liefert das Drehbuch eine relativ stringente Survival-Story: Naru, die Außenseiterin, die Jagd lernen will, gegen die ultimative Jagdmaschine aus dem All. Das klingt fast schon nach einem Videospiel-Level, hat aber dramaturgisch mehr Biss, als man zunächst denkt. Klar, es gibt ein paar kleinere Durchhänger, Momente, in denen der Film fast zu sehr in Schönheit badet und die Spannungsschraube ein wenig locker lässt. Doch insgesamt schreitet die Geschichte flott voran, ohne überflüssige Längen oder peinliche Abschweifungen. Trachtenberg weiß, wann es Zeit für einen ruhigen Atemzug ist und wann die Klinge wieder gezückt werden muss. Die Handlung bleibt überschaubar und konzentriert sich auf den Kernkonflikt. Keine Regierungskonspirationen, keine Alien-DNA-Experimente, keine Comic-ähnlichen Querverweise – stattdessen: Wald, Nebel, Blut. Genau das, was eine Reihe wie Predator eigentlich schon immer am besten konnte.

Das Drehbuch balanciert geschickt zwischen klassischer Heldenreise und Predator-Mythologie. Keine komplizierte Verschachtelung, keine unnötigen Subplots – Prey konzentriert sich auf das Wesentliche: Mensch gegen Monster. Dabei wirkt die Geschichte angenehm reduziert, fast schon archaisch. Man merkt, dass hier jemand verstanden hat, was den Reiz des Originals ausmacht: die Spannung zwischen Jäger und Gejagtem. Allerdings bleibt das Skript nicht ganz frei von Klischees. Die Coming-of-Age-Motive von Naru sind erwartbar, ihre innere Zerrissenheit manchmal zu plakativ. Man nimmt ihr den Willen zum Kampf zwar ab, aber die große emotionale Fallhöhe bleibt etwas aus. Es fehlt dieser eine Moment, in dem man als Zuschauer Gänsehaut bekommt und denkt: „Jetzt wird’s legendär.“

Archaisch gegen Hightech

Bei der Atmosphäre spielt Prey seine stärksten Karten aus. Das Setting in der nordamerikanischen Wildnis ist mehr als nur eine hübsche Kulisse, es gibt dem Franchise tatsächlich neue Farbe. Die endlosen Wälder, die weiten Prärien, das archaische Stammesleben – all das sorgt für eine frische, unverbrauchte Stimmung. Während die letzten Filme der Reihe oft in urbanen Szenarien oder austauschbaren Sci-Fi-Settings versackten, wirkt Prey erdiger, natürlicher, beinahe mystisch. Die Atmosphäre wird getragen von Stille, Naturgeräuschen und einer gewissen Wildheit, die perfekt zum Predator passt. Es ist fast so, als würde man den außerirdischen Jäger zum ersten Mal wirklich artgerecht halten: nicht zwischen Wolkenkratzern und Militärbasen, sondern dort, wo Jagd und Überleben Teil des Alltags sind.

Natürlich stellt sich bei einem Predator-Film immer die Frage: Wie sieht’s mit der Action aus? Die Antwort: ordentlich blutig und erfreulich handfest. Trachtenberg inszeniert die Kämpfe klar und nachvollziehbar, ohne hektisches Schnittgewitter. Der Predator darf endlich wieder das tun, was ihn legendär gemacht hat: austeilen, meucheln, mit Klingen und Laserwaffen hantieren – und das mit einer Konsequenz, die Fans ein wohliges Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Es spritzt, es knackt, es wird eklig. Kein weichgespültes PG-13-Getänzel, sondern ordentliches Sci-Fi-Splatter-Handwerk.

Die Choreografien sind dynamisch, die Jagdszenen clever inszeniert. Mal ist es ein Duell auf Augenhöhe, mal ein Gemetzel, bei dem der Predator seine überlegene Technik auspackt. Besonders spannend wird es, wenn die archaischen Waffen der Comanche-Krieger gegen das Hightech-Arsenal des Außerirdischen antreten. Tradition gegen Zukunft – das hat Wucht und Symbolkraft. Dan Trachtenberg zeigt einmal mehr, dass er Spannung versteht. Die Inszenierung ist schnörkellos, konzentriert, ohne große Eitelkeit. Statt Dauergewitter aus Explosionen und Schnittgewitter setzt er auf klare Bildsprache. Lange Einstellungen, die Atmosphäre atmen lassen, wechseln sich ab mit schnellen Schnitten in den Actionmomenten. Besonders stark sind die Momente, in denen die Jagd-Aspekte in den Vordergrund rücken: Fallen, taktische Manöver, das lautlose Pirschen durch den Wald. Diese Szenen erzeugen eine Spannung, die an die Essenz des Originals erinnert. Zwar erreicht Prey nie die rohe Intensität von John McTiernans Klassiker, aber es ist allemal besser als die Effekt-Overkills der letzten beiden Einträge.

Visuell überzeugt Prey mit einer Mischung aus epischer Naturkulisse und intimen Nahaufnahmen. Die Kamera fängt die Weite der Landschaften ein, ohne sie touristisch wirken zu lassen, und bleibt in den Actionmomenten dicht an den Figuren. Besonders gelungen sind die Tracking-Shots, wenn Naru durch den Wald schleicht oder wenn der Predator wie ein Schatten im Hintergrund lauert.

Der Pulsschlag der Wildnis

Ein echter Trumpf des Films ist der Score. Episch, bombastisch, aber zugleich gefühlvoll – hier wird der Spagat geschafft zwischen Tribal-Klängen, dramatischem Orchestersound und leisen Momenten der Introspektion. Die Musik trägt die Atmosphäre, hebt die Spannung an den richtigen Stellen an und verleiht dem Ganzen eine Größe, die über den reinen Survival-Thriller hinausgeht. Auch das Sounddesign ist bemerkenswert: Das Knistern von Ästen, das ferne Heulen der Tiere, das Summen der Predator-Technologie – alles wirkt detailreich und verstärkt die Immersion enorm.

Die Besetzung ist der einzige wirkliche Wackelstein des Films. Der Cast ist solide, aber eher unspektakulär. Amber Midthunder gibt sich alle Mühe, die Rolle der kämpfenden Kriegerin mit Leben zu füllen. So ganz nimmt man ihr die Wandlung zur tödlichen Jägerin jedoch nicht ab. Sie wirkt stellenweise zu glatt, zu wenig geerdet für eine Figur, die aus einer harten Welt kommt, in der Überleben alles ist. Da fehlt manchmal ein Quäntchen Überzeugungskraft, ein Hauch mehr Gravitas. Die Nebenrollen erfüllen ihre Funktion, ohne groß aufzufallen. Niemand stiehlt der Geschichte die Show, niemand bleibt lange im Gedächtnis.

Fazit

Das große Feuerwerk bleibt zwar aus, der Funke springt nicht restlos über. Doch nach den letzten Enttäuschungen der Reihe fühlt sich Prey an wie ein kräftiger Atemzug frischer Waldluft. Ein solider, stimmiger Film, der das Franchise wieder in eine Richtung lenkt, die Hoffnung macht. Natürlich gibt es dramaturgische Schwächen, kleine Durchhänger und einen Cast, der nicht immer glänzt. Aber unterm Strich überwiegen die positiven Aspekte: ein originelles Setting, eine frische Perspektive, ein starker Score und ein Predator, der endlich wieder das tun darf, wofür man ihn liebt – jagen, kämpfen, töten.

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