Von den vielen Titeln, die Nicolas Cage die letzten Wochen und Monate angeboten hat, ist Retirement Plan neben Sympathy for the Devil – welcher aufgrund neu gewonnener Popularität aber auch die Festivalrunde machte – noch der einzige, der an die Hochphase dessen DtV-Karriere bzw. den Einstieg darin mit Stolen, Pakt der Rache oder Tokarev - Die Vergangenheit stirbt niemals erinnert. Hier wird das Ganze nur humoristisch beigebracht bzw. mit schwarzem und oder auch lautem Humor angereichert, Cage als Frühpensionär und 'entsprechend' verlottert bzw. sich nach außen hin etwas gehen lassend, aber immerhin auch in einem Urlaubsdomizil für seinen Lebensabend zu Hause; eine neue Heimat im westlichen Karibischen Meer, den dann ein paar Gangster und deren breite Schergen stören:
Als der als Fahrer für den Gangster Donnie [ Jackie Earle Haley ] tätige Jimmy [ Jordan Johnson-Hinds ] dessen USB-Stick mit wichtigen Informationen klaut, zieht er den Ärger der ganzen Gruppierung, zusätzlich noch von der die Geschäfte leitenden Hector Garcia [ Grace Byers ] auf sich. Jimmy versteckt den Datenträger bei seiner Frau Ashley [ Ashley Greene ], die ihn wiederum mit ihrer elfjährigen Tochter Sarah [ Thalia Campbell ] auf die Kaimaninseln zu ihrem bislang aus dem Leben ausgeschlossenen Vater Matt Robbins [ Nicolas Cage ] schickt. Da Donnie einen Killertrupp unter Führung von Bobo [ Ron Perlman ] nachfliegen lässt, braucht Matt bald die Hilfe seines Freundes Joseph [ Ernie Hudson ] als auch alte CIA - Kontakte um Francine Drisdale [ Lynn Whitfield ].
Das Übel startet hier von Miami aus, einem Hinterhof, Schüsse in einer Spelunke, eine versuchte Flucht. Das Vorhaben war nicht überlegt, die Beteiligten sind Amateure, es wird gezittert und geschwitzt, es gibt schon einen Toten. Es geht notgedrungen raus aus Florida, die Geschichte wird angeleiert, sie braucht eine Ausrede und sie braucht einen MacGuffin, sie verlagert sich ins britische Überseegebiet und sie bleibt auch dort. Der Schauplatz wird naturgetreu ausgiebig bewundert und fleißig genutzt, das Meer nirgendwo so blau, der Strand jungfräulich weiß, die Insel grün umrankt von Palmen, ein perfektes touristisches Highlight, ein Domizil zum Leben und Genießen, noch herrscht da auch himmlischer Frieden, bald nur noch Mord und Totschlag und dies in einem fort, Hobo with a Shotgun, in the Caymans.
Eine Hütte direkt am Strand, ein 'Bum' den Rausch ausschlafend am Strand, der Großvater ist aber in einer besseren Welt als seine Tochter und der Schwiegersohn. Es wird gedroht und geschrien, das ganze Szenario ist leicht auf Stress und Lautstärke gebürstet, der kleine Haley speziell arbeitet auf Anschlag, Perlman spielt den Bobo, er spielt wie ein Bobo, Cage (der hier mit Langhaar, Bart und Hawaiihemd ein wenig aussieht wie ein Don Johnson in hässlich) hält die Produktion zusammen, es wird erst viel geredet, geflucht, es braucht ein bisschen, bis es an die Konfrontation selber geht. Großvater und Enkelin tauschen sich aus, er antwortet, “Do you write a book?“, sie hat keine Scheu, sie will viel wissen.
Wissen will der Zuschauer, wann es richtig losgeht, das ist so etwa nach der handelsüblichen halben Stunde, am Ende des ersten Drittels quasi, das hat bis dahin die Ansätze von mehr, es zeigt die Versprechungen, es folgt eine kurze Prügelei im Sand, es kommt zu einigen Komplikationen. Der Film hat einiges an Gepäck, weswegen er nicht so funktioniert, wie er könnte, in Sachen Hinterleute ist er wie eine Matroschka, es werden immer mehr, je länger der Film geht, die Tochter ist blass bis nervig, die Enkelin mit ihren vielen Fragen, die dann auch noch Geisel wird. Zufälle kommen zusammen, manche schädlich, manche nützlich, “Never trust a coincidence.“, es hat einen banalen Running Gag, die Schergen sind alle comigales Material, sie sterben auch eher auf 'lustige' Art und Weise, viel passiert im Off, das möchte eher generischer Crowdpleaser sein, das will nicht offensiv sein oder abschrecken. Das will erheiternd sein und vergnügen, “This guy's file reads like episodes of G.I. Joe.“
Perlman ist auch eine Stärke des Geschehens, Perlman hat mit The Baker (welcher tatsächlich von den gleichen Firmen Darius Films und Productivity Media ebenfalls vor Ort gedreht wurde) im Grunde auch aktuell den gleichen, nur nicht so auf Actionkomödie angelegten Film. Das Ganze sieht besser aus als es tatsächlich ist, es ist gut für die Augen, es tut niemand weh, es ist solide, nicht überragend finanziert, es hat eine stabile, nur oft anstrengend spielende bzw. ihre Texte anstrengend vortragende Besetzung, es gibt verschiedene filmische und mit „Othello“ auch eine ausgeprägte literarische Referenz. Eine zweite Actionszene auf einem Boot hat einige Brutalität zu bieten, kommt aber überhaupt nicht in Schwung, das Finale auf dem Grundstück des Bösen funktioniert etwas besser, wie ein Bruce Willis in Ernst.