Hier ist er nun, der wohl seltenste Horrorstreifen von Exploitation-Experte Aristide Massaccesi alias Joe D’Amato. Im Zuge seiner Karibik-Filme, die er allesamt auf Santo Domingo in der Dominikanischen Republik inszenierte, stellt PORNO HOLOCAUST ein Ripp-Off seines kurz zuvor abgedrehten LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI (IN DER GEWALT DER ZOMBIES) dar. Was man davon zunächst halten soll, ist fragwürdig, verspricht der reißerische Titel doch die schlagfertige Mixtur aus Porno- und Horrorfilm. Leider entspricht das bei weitem nicht den Tatsachen. Doch zunächst zum Inhalt.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern, unter der Leitung von Professor Lemoine und Professor Keller, will ein abgelegenes Eiland untersuchen, welches in den 50er Jahren für Atomversuche mißbraucht worden ist. Strenggeheime Untersuchungen des Ministeriums haben ergeben, daß durch die radioaktive Strahlung das dortige Tierreich Mutationen hervorgebracht hat. Fotos von stark gewachsenen Krebsen werden dem Expeditionsteam überreicht. Doch nicht nur das, die Einheimischen erzählen von einem Monster, das auf der Insel sein todbringendes Unwesen treiben soll. Und tatsächlich, eines Tages wird die verstümmelte Leiche eines Fischers entdeckt. Der Marineoffizier Maurice erhält den Auftrag das Forschungsteam tatkräftig zu unterstützen. Dabei verguckt er sich sofort in Lemoines exotische Assistentin Annie, die zusammen mit der Zoologin Dauphine und Prof. Kellers Ehefrau Simone das weibliche Gespann des Teams bildet, und zwischen beiden entbrennt gleich eine feurige Leidenschaft, der sie ausgiebig nachgehen – wo und wann immer sie können. Doch auf der Insel bleibt ihnen nicht allzuviel Zeit dafür, denn die Untersuchungen ergeben, daß sich die Vegetation und die tierischen Lebensformen tatsächlich genetisch verändert haben. Doch zu ihrem Unglück bleibt es nicht bei dieser Entdeckung. Anscheinend sind die Legenden der Eingeborenen keine Hirngespinste, denn zwei Matrosen werden auf grausame Art getötet. Und dann offenbart die Insel ihr schreckliches Geheimnis: Ein Eingeborener, der durch die radioaktive Strahlung verseucht zu einem menschenmordenden Ungetüm mutierte, dezimiert das Forschungsteam, während die Frauen einen besonders abscheulichen Tod finden. Annie wird von diesem Monster verschleppt und für Maurice beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod…
Was sich zunächst noch recht unterhaltsam anhört, entpuppt sich jedoch als spannungsarmer Schnellschuß, der mit den gleichen Hauptdarstellern wie LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI aufwartet, aber noch einen Tick billiger inszeniert ist. Der große Schwachpunkt ist in erster Linie, daß die Geschichte nur als Rahmen für ausgedehnte Sexszenen dient, für die sich Joe D’Amato schon immer mehr interessierte als für Blut und Gewalt. Und gerade hier zeigt sich das allzu deutlich, zum Leidwesen der Horrorfans. Wie in einem Pornofilm üblich sind die Charaktere des Films unrealistisch und nur geil aufeinander. Ihre Leibesaktivitäten treiben sie dann auch untereinander in den verschiedensten Konstellationen, egal in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Cheframmler Mark Shanon spielt hier im Gegensatz zum Vorgängerfilm den seeerfahrenen Helden und zeigt sich recht monogam, darf er sich doch in die dunkelhäutige Lucia Ramirez verlieben und kostet dies auch kräftig aus. Dirce Funari zeigt sich auch wieder von ihrer besten Seite – so wie Gott sie schuf –, spielt aber eine frustrierte Ehefrau, die ihren arbeitswütigen Mann und Arbeitskollegen zum ehelichen Beischlaf zwingen muß und sich ab und an Ersatzbefriedigung bei ihrer Freundin Annj Goren sucht. Signora Goren, die ausschließlich in expliziten Sexszenen in einigen Filmen von D’Amato vor die Kamera trat, spielt nicht nur eine Zoologin, sondern auch eine sexsüchtige Comtesse, die ihre Freuden in skurrilen Bordells vertreibt, aber sich sonst recht einsam fühlt.
Leider ist mein persönlicher Grund, mir diesen Film anzusehen, sehr ausdruckslos in Szene gesetzt, denn George Eastman zieht hier eine sichtlich schwache Show ab. Ob es an der niedrigen Bezahlung oder an reiner Langeweile lag, vermag ich nicht zu sagen; zudem kann sich der ehrenwerte Mensch selber nicht mehr an diesen Streifen erinnern – sagte er zumindest. Dennoch ist er der einzig darstellerische Lichtblick innerhalb der Crew. Der „Meister des Minimalismus“ selbst – so nannte Hans Schifferle D’Amato in seinem Buch „Die 100 besten Horror-Filme“ – ist keineswegs als aufdringlicher Reporter schauspielerisch aktiv, auch wenn das Gerücht im Internet seine Kreise zieht.
Zugrunde gehen dürfte auch der Unterhaltungswert für neunundneunzig Prozent der Zuschauer, insofern sie nicht mit dem einschlägigen Werk des Italieners vertraut sind. Die lose Aneinanderreihung von Sexszenen, welche mit hanebüchenen Dialogen versetzt werden, treibt einem schon das Wasser in die Augen, so lange man sich einer ernsthaften Erwartungshaltung entziehen kann und dem Verstand eine Pause gönnt. Es gibt ein paar Höhepunkte, die einem die Schuhe ausziehen: Der erste ist Dirce Funaris Flehen, daß Mark Shanon sie doch bitte zum letzten Male durchnudelt, bevor sie den Tod durch das Menschenmonstrum erfährt (Und unser freundlicher Geselle George Eastman darf sich zähneknirschend trollen, ohne selber mal Hand anlegen zu dürfen). Ironischerweise wird die geile Dirce nicht von Mark das letzte Mal beglückt, sondern von unserem schwarzhäutigen Breitnasenmutanten, der in der ersten Einstellung wie ein groteskes Abbild von Karl Maldon aussieht. Mit Gewalt zwingt er sie zum Blowjob, der Rest bleibt uns glücklicherweise erspart. Mit Annj Goren vertreibt er sich etwas später noch vergnügter die Zeit: erst schlägt er sie bewußtlos, dann rammelt er sie so lange durch bis sie stirbt. Sehr bizarr auch der Anblick des Kunstblutes, das man anschließend zwischen ihren Beinen sieht. Den letzten Höhepunkt bietet der Schlußkampf zwischen dem Monstrum und Mark Shanon, der seinen abscheulich anzusehenden Gegner mit einer Harpune niederzustrecken versucht. Doch das hilft nichts. Erst als die gutmütige Lucia ihm befielt Einhalt zu gebieten, fällt er um und rührt sich nicht mehr. Grandios einfallslos, aber irgendwie und irgendwann muß dieser Schabernack ein Ende nehmen.
Störend und absolut überflüssig, wenn man bei diesem Film überhaupt noch differenzieren sollte – ich tu es trotzdem! –, finde ich die Idee, daß der Mutantenmensch die zarte Lucia Ramirez in seine Höhle verschleppt und ihr nicht ein Haar krümmt. Im Gegenteil, er füttert sie sogar, während er die anderen Weibsbilder mit seinem Riesenschwengel malträtiert. Da fühle ich mich in gewisser Weise an King Kong erinnert, nur daß hier das Objekt der Begierde keine weiße Frau ist.
Daß hier kritische Ansatzpunkte gegenüber der Atomforschung und Umweltschändung zu suchen seien, halte ich für ausgeschlossen, denn sowohl Tragik und Dramatik sucht man selbstredend vergeblich. PORNO HOLOCAUST ist Exploitation pur! Und bei so einem Haufen inhaltlichem Unfug verwundert es auch nicht, daß der Film technisch bei weitem nicht zu D’Amatos guten Arbeiten zählt. Bei den Liebesszenen, die zum Teil recht ästhetisch photographiert wurden, beweist er eine Portion Geschick, von dem der gelernte Kameramann zweifelsfrei ein hohes Potential besaß, aber überzeugend ist das trotzdem nicht. Zumal sich ständig im Bild etwas spiegelt, so als hätte man hinter einer Glasscheibe gefilmt; dies fiel mir schon bei LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI unangenehm auf. Und am Anfang, als Shanon mit seinem Jeep durch die Stadt düst, sieht man deutlich, wie sich Massaccesi samt Kamera in der Windschutzschreibe spiegelt. Gut, das passiert auch großen Hollywood-Filmern (z.B. Michael Chapman in TAXI DRIVER), aber wenn in der Schlußszene, in der Mark Shanon und Lucia Ramirez aus ihrem Ruderboot einem Schiff zuwinken, ein Crewmitglied seinen Kopf über den Rand des Bootes streckt, ist der Kalauer vollkommen.
Für unerschrockene Trash-Fans ist der Film sicherlich ein Spaß wert, aber Freunde horribler Inhalte und Effekte schneiden am schlechtesten ab, denn abgesehen vom inhaltlichen und technischem „Horror“ gibt es nichts Absonderliches in diesem Bereich zu entdecken. Einige Szenen verfügen zwar über eine minimale Gruselatmosphäre, wenn das Monster seine Opfer durch das Dickicht beobachtet und man sein schweres Atmen hört. Doch ohne den recht bizarren, zwischen rhythmischen Beats und kitschiger 70er Jahre Pornofilm-Musik schwankenden Soundtrack von Nico Fidenco, der bereits die Musik von Joe D’Amatos EMANUELLE E GLI ULTIMI CANNIBALI (NACKT UNTER KANNIBALEN, 1977) und Marino Girolamis ZOMBI HOLOCAUST (ZOMBIES UNTER KANNIBALEN) komponierte, wäre auch dieser letzte Funken verglüht. Laut diversen Quellen im Internet soll Bruno Mattei als Co-Regisseur oder ähnliches fungiert haben, aber bisher ist mir noch keine eindeutige Information von offizieller Seite untergekommen, womit ich diese Angabe für fragwürdig halte, sie aber nicht unerwähnt lassen will.
Die Make-up-Effekte sind als solche kaum vorhanden und bestehen lediglich aus hellroter Farbe oder aufgeklatschtem Schwabbelzeugs, das bei Fleischwunden eingesetzt wird. Die Maske des namenlosen Mutantendarstellers sieht herrlich lächerlich aus und vertreibt jedwede Ähnlichkeit mit einem Zombie, mit dem ja in diversen Titelschmieden und Rezensionen geworben wird. Um es deutlich zu sagen: Es gibt hier keine(n) Zombie(s)! Also aufgepaßt! Wer sich bereits bei LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI langweilte, sollte hiervon getrost die Finger lassen. Aber wagemutige (Glas-)Perlenfischer dürfen ihre Fangnetze ruhig mal in das trübe Filmgewässer werfen, denn in gewisser Weise macht der Streifen doch noch ein wenig Spaß und rettet sich aufgrund seiner tropischen Kulisse, bei der es sich vermutlich um die gleiche Insel wie in LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI handelt, vor dem absoluten Aus.
Diesbezüglich ist es auch kein Wunder, daß der Film international keinen Absatz finden konnte und lediglich in Italien und Spanien in den Vertrieb ging. Rund 20 Jahre hat es gedauert, daß dieser Streifen einen Schritt in unsere Region tat. Der unabhängige Filmemacher Andreas Bethmann veröffentlichte Ende 2001 die deutsche Erstaufführung auf seinem eigenen Videolabel X-Rated Kultvideo als VHS. Eine große Tat, jedoch ist die deutsche Synchronisation zum davonlaufen schlecht; eingedeutscht von Amateursprecher auf viel besagtem „Porno-Niveau“. Aber wie dem auch so, besser als nichts und obendrein ist der Film in einer angenehmen Qualität veröffentlicht worden. Kurioserweise gibt es von diesem Kleinstnischenfilm eine Menge unterschiedlicher Veröffentlichungen auf unserem heimischen Markt. Der X-Rated VHS (mit dem Titel ZOMBIE – PORNO HOLOCAUST) folgten die DVD-Auswertung von Astro Records & Filmworks (mit dem Originaltitel PORNO HOLOCAUST) und eine geschnittene Auflage für den jugendfreien Verkaufsmarkt mit dem Titel INSEL DER ZOMBIES, ebenfalls von X-Rated. Merkwürdig ist jedoch, daß diese um die „harten“ Sexszenen erleichterte Schnittfassung (nur noch 75 Minuten lang) während des Vorspanns nicht die Originalmusik von Nico Fidenco spielt, sondern Marcello Giombinis Titelthema von LE NOTTI EROTICHE DEI MORTI VIVENTI. Ein paar Monate danach erschien noch mal eine X-Rated DVD als typische Hartbox-Edition mit dem Titel ORGASMO NERO II – INSEL DER ZOMBIES. Darauf befinden sich sowohl die komplette Hardcore- als auch die Soft-Erotik-Fassung. So wählt selbst, Aficionados.