„Es gibt nichts Schlimmeres als Frauen an Bord – die machen immer nur Schwierigkeiten!“
Mutmaßlich in einem Zuge mit „Woodoo Baby – Insel der Leidenschaft“, „Sesso Nero“ und „In der Gewalt der Zombies“ in der Dominikanischen Republik gedreht, wurde „Porno Holocaust“ als letztem Film aus Italo-Genre-, -Schund- und -Porno-Regisseur D’Amatos Karibik-Aufenthalt eine Veröffentlichung zuteil: 1981, einige Monate nach „In der Gewalt der Zombies“, erschien er in Italien. Nachdem „Sesso Nero“ als erster Hardcore-Porno Italiens galt, versuchte sich D’Amato mit dem geschmackvollen Titel „Porno Holocaust“ erneut am Horror/HC-Porno-Crossover und ließ den Film dabei über weite Strecken wie eine Porno-Variante von „In der Gewalt der Zombies“ wirken.
„Wir müssen versuchen, so lange wie möglich am Leben zu bleiben!“
Auf einem exotischen Eiland scheinen seit der Durchführung von Atomtests Lebewesen auf unheimliche Weise zu mutieren. Der angeschwemmte Leichnam eines Fischers befeuert gar die Spekulationen über eine regelrechte Bestie, die auf der Insel ihr Unwesen treiben soll. Professor Dr. Lemoir (George Eastman, „Man-Eater“), selbst in die Atomversuche involviert, stellt sich eine gemischtgeschlechtliche Expedition zusammen und will den Vorfällen und Gerüchten auf den Grund gehen – wenn man denn vor lauter Gevögel einmal dazu kommt. Tatsächlich hat die nukleare Strahlung mindestens einen Inselbewohner verseucht und zu einem triebgesteuerten, tödlichen Monster, fast einem Zombies gleich, gemacht…
„Ich möchte noch einmal Sex haben, bevor ich sterbe – verstehst du?“
Nico Fidencos fröhliche Funk-Klänge im Vorspann dürften bei der Wahl der unpassendsten Filmmusik locker den ersten Platz belegen, die grottige deutsche Synchronisation ist zum Davonlaufen. Lässt man sich dennoch auf den Film ein, wird man nach einigen Dialogen Captain O'Days (Mark Shannon, „Sesso nero“) mit Kernphysikerin (!) Annie (Lucia Ramirez, „Woodoo Baby – Insel der Leidenschaft“) und Zoologin Contessa (Annj Goren, „Hard Sensation“) Augen- und Ohrenzeuge einer Softsex-Szene eines weiteren Professors (leider uncredited) mit seiner Frau Simone (Dirce Funari, „Absurd“), die unter seinen Potenzproblemen leidet. Dr. Lemoir findet sich anschließend in einer pseudowissenschaftlichen Runde mit dem impotenten Professor und dem „Herrn Minister“ wieder, in der die Atomversuche thematisiert werden. Ihn packt das schlechte Gewissen und er beschließt, auf die Insel zu reisen. Contessa besucht Simone, die Frau des Professors, die sich bereits ihrer Kleidung entledigt hat. Sie ohrfeigen sich gegenseitig und vertragen sich mittels eines gleichgeschlechtlichen Sexualakts wieder. Überwiegend handelt es sich um keine explizite Szene, doch D’Amato zoomt nach einiger Zeit auf Contessas Vagina – der Film kommt sexuell in Fahrt
Contessa ist nun erst richtig in Stimmung, sucht ein Bordell auf und treibt’s dort mit zwei Einheimischen (beide uncredited). Hierbei dürfte es sich um eine Szene handeln, die in Teilen bereits in „Sesso Nero“ Verwendung fand. Kurioserweise verliert einer der Stecher dabei seine Erektion. Annj Goren indes hat auf diese Szene anscheinend keine rechte Lust gehabt, zumindest wirkt sie eher angewidert. Der Captain und Anni suchen den Strand auf; sie geht nacktbaden, er schaut ihr dabei zu und von der Tonspur säuselt eine unschuldige Schnulze, die noch nicht darauf hindeutet, dass die Situation in einer ausführlichen Hardcore-Sexszene ohne sichtbaren Cumshot münden wird. Beim Cunnilingus kämpft O’Day mit seinem unvermeidlichen Goldkettchen… Soweit zum Vorgeplänkel (!), nun endlich bricht die Expedition auf. Die Point-of-View-Perspektive des verseuchten Mutanten nach Ankunft auf der Insel soll bedrohlich wirken, man ist sich aber eher zu fragen geneigt, weshalb die Expeditionsmitglieder sie nicht sehen. Contessa gibt sich erst einmal wieder Simone für eine lesbische Softsexszene am Strand hin, die recht lang und ansehnlich ausgefallen ist.
O’Day vergnügt sich derweil mit Anni, womit D’Amato eine relativ annehmbare Hardcore-Sequenz mit diesmal sichtbarer Ejakulation und schwelgerischer Musik gelang. Wer aus dem Ensemble Lucia Ramirez favorisiert, dürfte hierin seinen Filmhöhepunkt gefunden haben. Simone versucht anschließend ihren Mann zu verführen, bläst und fickt – bzw. tut so, denn bei dieser lachhaften Szenenabfolge handelt es sich lediglich um schlecht verschleierten Softsex. Der Grund: Dirce Funari stand für echte Sexszenen nicht zur Verfügung… Langsam, aber sicher beginnen auch die permanenten Schnaub- und Atemgeräusche zu nerven, mit denen gefühlt jede Szene unterlegt ist. Dass der Film auch über einen Horroranteil verfügt, hat man ohnehin schon längst vergessen, als nach 71 (!) Minuten die erste Zombie- respektive Verseuchten- oder Mutanten-Attacke ihren Lauf nimmt, dicht gefolgt von der zweiten. Jetzt will es D’Amato aber wissen! Die Kreatur (ebenfalls uncredited) zwingt Simone zum (angedeuteten) Fellatio, und je mehr Attacken sich häufen, desto mehr summieren sich auch die Anschlussfehler (zu denen ich Funari Weigerung, einen fremden Penis in den Mund zu nehmen, ausdrücklich nicht zähle).
Anni wird vom Verseuchten niedergeschlagen und entführt – oder vielmehr in Sicherheit gebracht? In ihrem Versteck findet sie Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahre 1958, während ihr Entführer sie mit Essen versorgt und ihr sogar Blümchen schenkt. Simone ergeht es weniger gut, sie wird tot aufgefunden. Für den Kapitano erscheint daraufhin nichts folgerichtiger, als Sex mit Contessa zu haben. In Kniestrümpfen steht er vor ihr, während sie seinen Schwanz in Nahaufnahme bläst, anschließend nimmt er sie von hinten und spritzt ihr auf den Rücken. Schließlich muss auch Doc Lemoir dran glauben, Contessa wird ausgeknockt und blutig vergewaltigt. Erstmals entwickelt der Film zumindest ansatzweise so etwas wie echten Horror, wenn im Prinzip auch ausschließlich durch die Vergewaltigungsszene. O’Day findet Anni und schießt eine Harpune auf ihren „Beschützer“, dessen Name Amuro zu sein scheint, doch diesen beeindruckt das wenig. Mit der Harpune schlurft er auf O’Day zu, der stolpert und keine Anstalten zu fliehen macht. Anni bittet Amuro, den Captain in Ruhe zu lassen, woraufhin dieser prompt friedlich wird. Also rudern beide auf einem Boot, das zuvor als zu klein für drei Passagiere galt (nun aber offenbart, dass es daran wohl kaum gescheitert wäre, immerhin linst ein blinder Passagier noch kurz hervor) durch die angeblich ach so gefährlichen, von Haien besiedelten Gewässer davon und treiben es auf offener See noch einmal miteinander.
Resümee: Die eine oder andere Sexszene geht in Ordnung, die Mädels sind hübsch (und verkörpern verschiedene Typen), die Kulissen sonnig und exotisch. Aber: Der Rest ist Mist und vor allem viel zu lang! Ein sleaziger, taubloser Horrorporno darf vieles sein, nur nicht langweilig. So viel Spaß der Dreh zumindest für Teile des Ensembles gemacht haben mag, fürs Publikum ist „Porno Holocaust“ zu gucken harte Arbeit. Masken und „Effekte“ befinden sich auf Amateurniveau, fast alles sieht nach first takes aus, die Charaktere sind unglaubwürdig (Ramirez eine Kernphysikerin – ja nee, is klar...) bis überflüssig (D’Amatos Cameo als neugieriger Journalist erfüllt keinerlei Zweck) und George Eastman wurde in seiner Rolle nahezu vollkommen verschenkt. Wie D’Amato dessen Drehbuch, das im Finale Motive aus „Man-Eater“ und „King Kong“ aufgreift, komplett in den Strandsand setzt, tut fast schon weh mitanzusehen. Die dünne Handlung wird behelfsmäßig aufgeblasen (man verzeihe mir die Doppeldeutigkeit), doch in Nichtsexszenen dominiert eine unfassbar lieblose, D’Amato unwürdige statische Kamera. Dem Film mangelt es an jeglicher Dynamik, die auch die erfahrene Cutterin Ornella Micheli beim Schnitt nicht herzustellen vermochte – ihr Beitrag zum Film sieht vielmehr nach Arbeitsverweigerung aus. „Porno Holocaust“ ist vermutlich D’Amatos bis dahin schlechtester Film, dessen vollmundig beworbener „Holocaust“ zum Sturm im Wasserglas wurde – es sei denn, der Titel bezieht sich darauf, wie aus einem Horrorfilm mit Hardcore-Sexszenen ein völliges Desaster wird...