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Wenn sich das als Trend herauskristallisiert, gibt es bald Wickie als Tempelritter, Biene Maja als Kannibalin und die Muppets als Zombies, während Nils Holgersson mit den Vampirfledermäusen nach Transsilvanien fliegt. Obgleich Disney nahezu alle Rechte an Comicfiguren verwaltet, ist Millnes 1921 geborener Bär inzwischen zur Gemeinfreiheit geworden, was den britischen Regisseur Rhys Frake-Waterfield dazu nötigte, einen Slasher abzudrehen.

Nachdem Christopher Robin seine tierischen Freunde um Winnie Puuh und Ferkel verließ, mutierten diese zu Bestien und machen sich regelmäßig über Menschen her. Dies sollen auch Maria und ihre Freundinnen am eigenen Leib erfahren, die sich ein Haus im Hundertmorgenwald gemietet haben…

Die Exposition beinhaltet sogar die Erzählstimme eines klassischen Märchenonkels, während die Vorgeschichte der Einfachheit halber in schlicht schraffierten Zeichentrick verpackt wurde. Leider weiß Frake-Waterfield mit der Steilvorgabe eines Bären mit geringem Verstand und eines Ferkels in knalligem Pink rein gar nichts anzufangen. Zwar wird allerorten behauptet, die Monster seien Mischwesen, doch es handelt sich unverkennbar um zwei Typen in Redneckkleidung, die sich die preiswertesten Masken der vorherigen Jahrhunderts übergestülpt haben, wodurch sich der Stoff äußerlich von keinem x-beliebigen Slasher unterscheidet.

Von Ironie keine Spur und auch die Anspielungen auf die Vorgaben halten sich in Grenzen, mal abgesehen vom Gesabber des Bären, was wohl irgendwie Honig darstellen soll.
Es geht schlicht um ein Abschlachten im klassischen Hinterwäldlerstil, bei dem die potenziellen Opfer aufgrund durchweg irrationaler Handlungsweisen kaum Empathie einheimsen können. Obgleich Maria noch den Background eines Traumas in Form eines Stalkers erhält, bleiben sämtliche Figuren austauschbar und man konzentriert sich einzig und allein auf mannigfaltige Formen des Ablebens.

Dies gelingt immerhin auf teils recht anschauliche Weise und in solider Handarbeit, wenn einige Schädel per Auto oder Vorschlaghammer bearbeitet werden, eine Machete tief im Rachen landet und Gliedmaßen vom Handgelenk bis zum Kopf abgetrennt werden.
Kein Splatterfest, doch einige garstige Einlagen. Folgerichtig müssen die Mimen nicht mehr tun, als zu flennen oder wahlweise um ihr Leben schreien, - darüber hinaus performt jedoch niemand erinnerungswürdig. Besser ist es um den Score bestellt, der phasenweise recht gut antreibt.

Für die bereits angekündigte Fortsetzung ist noch deutlich Luft nach oben, denn in Sachen Humor ist hier nicht viel vorzufinden und allzu ideenreich gestaltet sich die Chose, gerade im Hinblick auf die Titelfigur nicht gerade. Für einen Durchschnittsslasher geht das Ergebnis angesichts des kaum vorhandenen Budgets in Ordnung, mit mehr Liebe zum Detail wäre zukünftig sogar ein passabler Genrebeitrag möglich.
Knapp
5 von 10

 

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