“After the first day of working with Bruce, I could see it firsthand and I realized that there was a bigger issue at stake here and why I had been asked to shorten his lines.”
~ Mike Burns, zu Out of Death.
"I didn’t think he was better; I thought he was worse. After we finished, I said: ‘I’m done. I’m not going to do any other Bruce Willis movies.’ I am relieved that he is taking time off.”
~ Mike Burns, zu Wrong Place.
Gewöhnungsbedürftige oder vielleicht auch mäßige Erfahrungen bei den Dreharbeiten zu dem damit auch als Regisseur debütierenden Out of Death und ein Umstrukturieren von Drehplan und Skript scheinen Mike Burns nicht davon abgehalten zu haben, sich folgend auch bei Wrong Place für die Inszenierung zuständig zu fühlen und den Job des Hauptverantwortlichen am Set zu übernehmen. Zu groß wahrscheinlich der Reiz der Arbeit mit der scheidenden Hollywoodlegende Bruce Willis, zu aufmerksam auch das Medienecho nach dessen im Frühjahr 2022 angekündigten Abgang von der Traumwelt, Goodbye der letzte Actiondarsteller, Farewell der gerade in den letzten Jahren unermüdliche Filmheld:
Der frühere Police-Captain Frank Richards [ Bruce Willis ] hat sein Dienstabzeichen durch einen Verkehrsunfall mit Todesfolge und unter Trunkenheit verloren; mittlerweile ist er als nächtlicher Wachmann in einer Pfandleihe angestellt. Während einer Schicht stößt er auf das Drogengespann Virgil Brown [ Massi Furlan ] und dessen Sohn Jake Brown [ Michael Sirow ], die sich eines leidigen Mitwissers und auch am eigenen Stoff bedienenden Diebes entledigen wollen. Richards kann den Mord nicht verhindern, aber den Täter Virgil verhaften, nur leider steht Aussage gegen Aussage, da das Gebäude über keine funktionierende Videoüberwachungsanlage verfügt und die Schusswaffe selber vom sich versteckt haltenden Jake entfernt wurde. Da Jake den Ausgang eines dennoch möglicherweise drohenden Verfahrens nicht abwarten will, beschließt er Richards in dessen Waldhütte zu beseitigen, stößt dort aber auf dessen zu früh anreisende Tochter Chloe Richards [ Ashley Greene ] und ihre Freundin Tammy [ Stacey Danger ], sowie auf den einen spontanen Besuch abstatten wollenden Craig East [ Texas Battle ], den jetzigen Police-Captain.
Natürlich sind auch hier die Verdienste von Willis nicht genug und sowieso nur in den höchsten Tönen zu loben, der Einsatz bis zum letzten Filmmeter, bis zur letzten flackernden Sekunde, über den Abspann hinaus; ein kommendes Vermächtnis, drei Werke nur noch am Start, Kritiker spitzen ihre Stifte und halten ehrwürdig den Atem an. Der Film hat gleichsam eine andere Fallhöhe als der 'Vorgänger', wie auch der Inhalt hier emotionaler in der Herangehensweise gehandhabt wird, es beginnt als Drama, mit einer intonierten Melodie, die einem prompt die Tränen in die Augen drückt. Ein Teil einer Reise, Pläne wurden gemacht und geschmiedet, Dinge ändern sich.
"Oh Lord, please give me strength. You know, I ain't never been shot up before. This is some Mel Gibson shit. And this sure ain't as badass like it looks in the movies."
Ändern tut sich so einiges hier, Burns findet anders als zuvor einige wirkungsvolle Stimmungen, effektive Montagen, nicht bloß eine Aneinanderreihung von Bildern; er sucht und findet sie auch über seinen (männlichen) Hauptdarsteller, der hier erstmals seit längeren wieder eine richtige Person mit einem echten Leben verkörpert, eine Existenz eher unten und am Ende von etwas, aber noch nicht zur Gänze aufgegeben und noch nicht vollständig erzählt. Angesiedelt ist die Geschichte dabei wie gewohnt und wieder '45 Fahrminuten vom nächsten Starbucks' entfernt, das Terrain ländlich, viel Wald vor allem, die Leute Country, Rednecks, Durchschnittstypen, echte Amerikaner, die Farben blässlich und eher dunkel, die Bildsprache konventionell bis bieder. Schauspieler sind (wie Michael Sirow, der sich Mühe gibt, oder Texas Battle) teils dieselben wie sonst, teils andere, Willis ist bzw. war wieder Cop, als Heldin wider Willen dort Jamie King, hier Ashley Greene.
Greene bzw. ihre Rolle hier und auch ihr (interessanterer) Anhang sind dabei eher der Schwachpunkt des Ganzen, die Dialoge untereinander (die Löcher im Skript und die Fallen darin) erklärend, nicht aufklärend, die Mädels aus der Stadt, die nunmehr abgeschieden in den Weiten der Baumfläche und ohne Telefonempfang und andere Möglichkeiten der Kommunikation in die Außenwelt (von Pelham, Alabama) 'gestrandet' und bald (=spät) zum Zielobjekt einer Hetzjagd hier sind; ein Paralleleignis zu einem sich anbahnenden Gerichtsirrtum, dass die Herren der Gesellschaft unter sich austragen und wo noch Konflikte von früher und leicht toxische Beziehungen am sich quälen und am Schwelen sind. So richtig auf Höchsttouren läuft der Film dabei übrigens nicht, es wird viel über den Tod geredet und entsprechend getragen gehandelt und gesprochen, zudem sind mehrere der sowieso wenigen Personen relativ schnell angeschlagen, da verwundet; die Prämisse überhaupt kommt nicht vor dem zweiten Drittel zum Zuge und zum Tragen der dann auch eher dünn scheinenden Handlung, welche auch aus einem Lifetime-Thriller stammen könnte und höchstwahrscheinlich auch bloß durch Willis (und sein Foto- und sein Stuntdouble) keine Produktion für eben den Abspielsender ist.
Mehr Geld als dort kann das hier jedenfalls nicht gekostet haben, abgesehen von dem Sold für den Stirb langsam Heroen natürlich, der hier eher der Heroe aus Survive the Game oder Survive the Night aber ist; viel Hasche im Wald gibt es, das Verstecken hinter Bäumen, das Buddeln in der Erde, quasi die zeitgenössische Variante vom futuristischen Apex (ähnlich wie dort ist auch hier überall kleine Schatzkistchen mit allerlei nützlichen Dingen oder Proviant versteckt), wenn man sich schon durch Willis' aktuelle Filmografie durchwühlt und sich im Name-dropping der letzten On Demand - Reißer (einer besser als der andere) bemüht. Ein Aktionfilm wird trotz später auch durchaus Bewegung natürlich nicht draus, bisschen Geraufe unter den Zweigen, außerdem wird der Sechsschüsser entleert; die Genre sind eher Geiselthriller, oder Überlebenskampf, etwas Backwoodreißer, nichts Wildes und nicht sonderlich aufregend, aber eine weitere (willkommene) Ergänzung im anwachsenden Williverse.