Die Generation Zauberwürfel dürfte sich eventuell noch an das Jahr 1985, insbesondere den Sommer erinnern: Live Aid war die bis dato größte Live-Veranstaltung, Boris Becker wurde mit 17 Jahren jüngster Tennisheld in Wimbledon, die „Goonies“ liefen im Kino und im Radio wurde „Live is Life“ der österreichischen Band Opus rauf und runter gespielt. Mit diesem steigt vorliegendes Jugendabenteuer nahezu umgehend ein.
1985, Galicien in Spanien: Hier auf dem Land verbringen die Jugendfreunde Rodri, Álvaro, Maza, Suso und Garriga ihre gemeinsamen Sommerferien. Zur Sommersonnenwende wollen sie auf einem Berg eine heilbringende Blüte einsammeln, doch sie werden regelmäßig von der lokalen Jugendgang terrorisiert. Doch auch jeder der Freunde trägt ein Päckchen mit sich herum…
Womöglich ist es kein Zufall, dass Stephen Kings „Stand by Me“ ebenfalls im Sommer 1985 angesiedelt ist und sich einige Verlaufsmuster durchaus ähneln, - selbst für den etwas dicklichen Jungen mit nerdigen Eigenschaften wurde gesorgt. Hat man jene Zeit als Kind erlebt, neigt man wahrscheinlich dazu, jene als nur allzu verklärt einzuordnen und Probleme unter den Teppich zu kehren, welche hier hingegen recht offensichtlich erscheinen.
Ein schlechtes Zeugnis ist dabei verhältnismäßig harmlos, doch der Vater eines anderen liegt nach einem Unfall seit einem Monat im Koma, während Álvaro deutlich von der Chemo infolge eines Krebsleidens gezeichnet ist, sich nach außen jedoch stets selbstbewusst präsentiert. Konflikte sind natürlich vorprogrammiert, doch auf solchen folgt stets der Appell an Freundschaft und Zusammenhalt.
Die sonnendurchflutete Landschaft wird von der Kamera durchweg souverän eingefangen und auch der Score verbreitet rasch Lebensfreude und Abenteuerlust. Obgleich die Jungs im Grunde nur das machen, was Kids zu dieser Zeit in Gruppen unternahmen: Radfahren, Mutproben bestehen, wetteifern und den ersten Kontakt zu alkoholischen Getränken und Mädchen knüpfen, wobei der Besuch auf einer Party fast schon im zu starken Kontrast zu den Naturerlebnissen steht.
Obgleich zwischenmenschliche Themen in regelmäßigen Abständen thematisiert werden und die Begegnung mit der Jugendgang nicht einmalig bleibt, mangelt es hier und da an mitreißenden Momenten, wogegen der Humor insgesamt ein wenig zu kurz kommt.
Etwas mehr Suspense hätten den rund 110 Minuten durchaus gut getan, denn trotz einiger ernster Momente bleibt das Coming-of-Age Drama überwiegend harmlos.
Anderweitig stimmt die Chemie zwischen den solide aufspielenden Mimen und der Stoff erscheint schlichtweg sympathisch und gleichermaßen atmosphärisch. In Bezug auf einige Gesprächsthemen und manche Reaktionen dürften sich ältere Semester an die eigene Kindheit erinnert fühlen, für alle anderen liefert der Stoff einen netten Wohlfühlstreifen, der das Herz am rechten Fleck trägt.
7 von 10