Einige Jahre sind vergangen, seit Manuela "Pipa" Pelari (Luisana Lopilato) den Polizeidienst quittiert und mit ihrem kleinen Sohn aufs Land zu ihrer Tante gezogen ist, doch die erhoffte Ruhe wird gestört, als eines Tages ein junges Mädchen verbrannt aufgefunden wird. Während die desinteressierte örtliche Polizei den Fall als tragisches Unglück verbucht und schnell zu den Akten legen will, fallen Pipa einige Ungereimtheiten auf, die der gewieften Schnüfflerin nicht gleichgültig sein können.
Die Tote war zuletzt auf einer Party der neureichen Carreras gesehen worden, einer einflußreichen Dynastie, in der die Mutter Etelvina (Inés Estévez) das Zepter schwingt und ihre beiden jungen Kinder auf deren Rolle als ihre geschäftlichen Nachfolger vorzubereiten sich abmüht - doch Mecha und noch mehr ihr publicitysüchtiger Bruder Cruz denken überhaupt nicht daran, sondern vergnügen sich mit Luxussportwagen, Designerdrogen und eben jeder Menge Parties. Auf einer solchen taucht auch das spätere Mordopfer auf, ein junges Mädchen aus der unterprivilegierten Schicht der indigenen Argentinier, die sich nach einem erfolgreichen Flirt mit Cruz gewisse Chancen ausrechnet. Doch ihre Glücksgefühle dauern nur wenige Stunden - und diese privat ohne Unterstützung der Polizei zu rekonstruieren, stellt sich als außergewöhnlich schwierig für Pipa heraus: nicht nur, daß die hiesigen Ordnungshüter hoffnungslos abhängig von den wirtschaftlichen Interessen der Familie Carreras sind, die bei den bevorstehenden Wahlen punkten will und keinerlei Skandal gebrauchen kann, behindern sie die blonde Ex-Kollegin auch massivst. Doch die läßt sich davon keineswegs abhalten...
Bereits zum dritten Mal schlüpft die Argentinierin Luisana Lopilato in die Rolle der - diesmal titelgebenden - Polizistin Pipa: nach dem überzeugendenden 2018er Debut Verloren/Perdida und dem 2020er Prequel La Corazonada läßt Regisseur Alejandro Montiel mit Pipa nun ein Sequel folgen, in dem die toughe Hauptdarstellerin jedoch gar keine Polizistin mehr ist, sondern den aufreibenden Job zugunsten der Erziehung ihres etwa 10-jährigen Sohnes Tobías aufgegeben hat.
Leider kann dieser dritte Teil bezüglich Drehbuch jedoch nicht mehr mit den vorherigen beiden mithalten - zwar ist die ländliche Umgebung in der Nähe einer Kleinstadt mit durchaus schönen Bildern eingefangen, doch verhalten sich die meisten Proponenten vorhersehbar und sind darüberhinaus auch relativ eindimensional gezeichnet, man denke nur an den korrupten Sheriff, der auf Pressekonferenzen höchstens vorgefertigte Nebensätze äußern darf und seine durch die Bank dumpfbackigen Helfer, während auf der anderen Seite ein indigener(!) Polizist als Einziger tatsächlich Interesse am Schicksal der Verstorbenen zeigt und mit der Zeit Pipa wichtige Informationen zuspielt. Wie sich dieser korrekt ermittelnde Bursche allerdings gegenüber den mehr oder weniger unverhohlenen Anfeindungen seiner Kollegen auf dieser Position halten kann, bleibt unerklärlich.
Es ist zwar absolut ok, daß sich Pipa für die indigene Bevölkerung engagiert (ihre Tante arbeitet als eine Art Streetworkerin für einige der Mädchen), dennoch wären einige Hintergrundinformationen zu deren Situation für auswärtige Zuseher durchaus hilfreich, zumal die Rolle der Rassisten ausschließlich den Cops zufällt, während die wohlhabenden Carreras und ihre Entourage sich diesbezüglich niemals öffentlich abfällig äußern.
Lange Zeit ohne Bindung zum eigentlichen Fall bleibt auch das Geschwisterpaar Mecha und Cruz, die sich nicht für das politische Tagesgeschehen interessieren, ein allerdings häßliches Geheimnis teilen, das erst zum Schluß offenbart wird und die einzige wirkliche Überraschung des Films darstellt. Der Showdown findet dann - unter beträchtlicher Erhöhung des Bodycounts am Weg dorthin - in einer stillgelegten Mine statt, wo Manuela Pelari um ihr eigenes Leben kämpfen muß...
Fazit: Trotz einiger drehbuchbedingter Schwächen und einem streckenweise nervigen Score, der oftmals überdeutlich auf bevorstehende gefährliche Situationen hinweist (als ob der Zuseher nicht selbst darauf kommen würde und sollte) ist Pipa, derzeit im spanischen Original mit deutschen Untertiteln bei Netflix im Programm, nicht nur für Thrillerfreunde einen Blick wert. Titelheldin Lopilato, die zwischendurch auch selbst einstecken muß, wie üblich ohne Glamour, ohne Geschwätz und ohne erhobenen Zeigefinger agierend, zieht hier wieder alle Register ihres Könnens und überzeugt durch Kombinationsfähigkeit und Instinkt statt durch schnöde Action. Nur schade, daß sie sich hier mit größtenteils holzschnittartig-langweiligen Mitspielern herumplagen muß. 6 Punkte.