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Die junge New Yorkerin Evie (Nathalie Emmanuel) hat keinen Plan, was sie aus ihrem Leben machen will. So jobbt sie nebenbei als Kellnerin und tauscht sich mit ihrer besten Freundin über Belanglosigkeiten aus. Seit dem kürzlichen Tod ihrer Mutter ist die Afroamerikanerin Anfang Dreißig zudem auch noch Vollwaisin, was sie eines Tages dazu bringt, aus lauter Langeweile im Internet nach ihrer Familie zu forschen. Und tatsächlich, sie scheint einen entfernten Verwandten in England zu haben: Oliver (Hugh Skinner) ist ein Cousin zweiten Grades und möchte Evie auch sogleich näher kennenlernen.
Ein erstes Treffen weist den etwa Gleichaltrigen als überaus charmanten Aristokraten aus, der noch dazu aus einer steinreichen Familie stammt, was die zunächst zurückhaltende Evie besonders aufhörchen läßt. Als dieser auch noch eine Einladung zu einer bevorstehenden Hochzeit unterbreitet, ist die New Yorkerin natürlich gerne dabei.
Auf dem splendiden Herrensitz mit seinen höchst vornehmen Bewohnern und Bediensteten angekommen, lernt Evie dort Walter DeVille (Thomas Doherty) kennen, der ihr vorerst nicht mehr von der Seite weicht. Es dauert nur einen Abend lang, bis sie seinem Werben nachgibt - denn der offenbar noch Alleinstehende macht ihr galant einen Heiratsantrag, nachdem sie das erste Mal in die Kiste gehüpft sind. Die Aussicht auf unendlichen Reichtum klingt für die junge Amerikanerin, die ab und zu mit ihrer Freundin in New York telefoniert, einfach zu verlockend.
Allerdings bemerkt Evie in der darauffolgenden Nacht merkwürdige Dinge, die in dem schlossartigen Bau vor sich gehen: seltsame Geräusche, von selbst läutende Glöckchen und ein mitternächtliches Antreten der devoten Dienstmädchen, die im Keller putzen oder eine Flasche Wein heraufholen müssen. Obwohl ihr all dies nicht geheuer ist, gibt sie dem sie umwerbenden DeVille ihr Einverständnis zur Hochzeit, was dieser mit Freuden vernimmt. Es scheinen ohnehin alle Familienmitglieder nur auf diesen Augenblick gewartet zu haben, und in Windeseile sind drei adelige Familien versammelt für den großen Moment. Doch das Festbankett gestaltet sich dann etwas anders, als Evie dies erwartet hat...

Einen weiteren Beitrag zum derzeit sehr angesagten Genre Filme von Frauen für Frauen liefert Regisseurin Jessica M. Thompson mit ihrem 2022er Streifen The Invitation - bis dass der Tod uns scheidet. Ihre Heldin aus dem hippen New York darf sich statt mit Bürointrigen, Seitensprüngen oder Modefragen zur Abwechslung im fernen Europa mit spleenigen Briten herumschlagen, die sie äußerlich zwar umschmeicheln, in Wirklichkeit jedoch Böses im Schilde führen. Selbstredend weiß sich die Hauptdarstellerin natürlich zu behaupten und tritt der männlichen Aristokratie (ein paar Frauen sind alibihalber auch mit von der Partie) dabei kräftig in den Arsch. Wow.

Selten erlebt man ein derart vorhersehbares, langweiliges Drehbuch, selten sind gleichermaßen alle Darsteller so derart unsympathisch, daß man schon nach einer Viertelstunde abdrehen will, weil sie einem alle vollkommen gleichgültig sind, und selten passt das Erzähltempo so überhaupt nicht zu dem, auf was der Film wohl aussagen will.
Dabei ist das Setting der faden Story noch das Beste am ganzen Film, der altehrwürdige Herrensitz ist durchaus gut gewählt, selbst die wenigen Gruseleffekte, die man freilich bereits alle aus gefühlt tausend anderen Filmen kennt, sind tadellos getrickst - allein der Umstand, daß sie fast alle im Dunklen stattfinden und man kaum etwas erkennen kann, machen diese Mühe gleich wieder zunichte.

Bezüglich der Handlung dünkt sich The Invitation besonders clever, die zuvor gestreuten Hinweise darauf, daß da etwas mächtig faul an dieser feinen Gesellschaft ist, nach gut zwei Dritteln der Laufzeit dann auch noch wörtlich zu erklären, so als ob dies für irgendjemanden, der den Streifen auch nur nebenbei verfolgt hat, noch eine Überraschung wäre. Folgerichtig ist dann das vermeintliche Grande Finale ein - gemessen am bisherigen Erzähltempo - viel zu hastig abgedrehtes Ende mit reichlich Effekthascherei, dem schließlich noch ein peinlich-dummer Epilog folgt.
 
Fazit: Schade um jeden Cent, der in die streckenweise durchaus überdurchschnittlichen Produktionswerte investiert wurde, denn neben den klischeehaft überzogenen Filmcharaktären ist es vor allem das erbärmliche Drehbuch, das diesem Film das Prädikat von vorne bis hinten Scheiße verleiht. 2 Punkte, ausschließlich für Setting und post production.

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