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Es ist schon ein wenig perfide, das sich russische Kriminalexperten an US-amerikanischen Aufklärungsmethoden orientieren mussten, da sie bis dato das Phänomen eines Serienkillers noch gar nicht kannten. Der Streifen „Citicen X“ beschäftigte sich bereits mit den Taten des Massenmörders Andrei Tschikatilo, während das Regiedebüt von Lado Kvataniya einen ähnlich bedrückenden Weg einschlägt.

1988: Ermittler Issa ist zwar soeben befördert worden, doch in Untersuchungshaft befindet sich nicht der gesuchte Serienkiller, da just ein weiteres Opfer aufgetaucht ist. Mit Andrei hat man 1991 endlich einen Hauptverdächtigen an der Angel, dessen Taten bis 1978 zurückreichen…

Die arg sprunghafte Erzählweise und die Unterteilung in sechs Kapitel dürfte nicht jedem zusagen und sie erfordert folgerichtig erhöhte Aufmerksamkeit. Viel spielt sich 1991 zum Zeitpunkt der Ergreifung des mutmaßlichen Killers ab, die Geschehnisse schalten jedoch bis 1981 zurück, als bereits mehrere Tatverdächtige zu Unrecht inhaftiert worden waren. Hinzu kommen abtrünnige Ermittler, die irgendwann Alleingänge anzetteln, Eheprobleme des Hauptermittlers und sogar ein inhaftierter Killer, der sozusagen als Profiler eine Einschätzung abgeben soll.

Das alles verpackt Kvataniya in angemessen düstere Bilder, die einen Eindruck des gesamten Molochs rund um die Region Rostow vermitteln, denn die Polizeiarbeit war durchzogen von Korruption und zweifelhaften Verhörmethoden, die auch vor Folter nicht zurückschreckten.
Zuweilen erschleicht sich der Eindruck, dass die Grenzen von Amoral und Monstertum deutlich verschwimmen und die Kritik am System überdeutlich wird.

Problematisch sind bei der nonlinearen Erzählweise einige bruchstückhaft anmutende Episoden, die ein wenig ohne Kontext dastehen und wiederum einige, denen im Abgang zu wenig Relevanz zuteil wird. Daraus entstehen innerhalb der ohnehin zu ausufernden 137 Minuten Laufzeit einige Längen, zumal das Tempo insgesamt eher gemächlich gefahren wird. Auf der anderen Seite setzt Kvataniya auf seine Mimen, die phasenweise ein eindringliches Spiel absolvieren und nicht unerheblich zur Intensität des Krimis beitragen, der anbei von einem recht effektiven Score untermalt wird.

Die überaus versierte Kamera, die oft im Rückwärtsgang unterwegs ist und nach einigen Sekunden den kompletten Rahmen offenbart, ist stellvertretend für die teils puzzleartige Erzählweise. Zwar wurde den wahren Ereignissen final ein kleiner Twist untergejubelt und einige Tatsachen indes ausgeklammert, doch man erhält einen glaubhaften Einblick in die damalige Aufklärungsarbeit der Sowjetunion. Die latent trostlose, grimmige bis deprimierende Stimmung sollte man dabei aushalten können, denn Lichtblicke oder gar Helden gibt es hier zu keiner Zeit.
6 von 10

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