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Nein, die Klum ist ausnahmsweise mal nicht gemeint, denn in der Schweiz zählt im Prinzip nur eine Heidi. Nämlich die um 1880 von Johanna Spyri erfundene Romanfigur. Weitgehend literaturgetreue Verfilmungen gibt es einige, aber nur wenige begeben sich in derart trashige Gefilde wie die Regiedebütanten Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein.

Heidi wächst behütet in den Bergen auf, doch ihr Großvater Alpöhi hat etwas gegen die Liaison mit dem Ziegenpeter. Jener vertickt laktosefreien Käse, der in der Schweiz aufgrund eines Monopols des Diktators verboten ist. Als Peter erwischt wird, landet Heidi im Knast und schwört Rache an all jenen…

Die wesentlichen Figuren des Romans bleiben zwar erhalten, doch mit romantischem Kitsch haben die Macher wahrlich nichts am Hut. So entpuppt sich Öhi als einäugiger Widerstandskämpfer, Peter als dunkelhäutiger Dealer, während Fräulein Rottemeier die gnadenlose Gefängnisleitung übernimmt und Klara (mit deutlich asiatischem Einschlag) für ein weiteres Element an Diversity sorgt, was natürlich im totalen Kontrast zum faschistischen Regime steht, das in erster Linie auf Käse setzt, wenn man nicht gerade mit noch mehr Käse mutierte Supersoldaten ins Spiel bringen will.

Obgleich einige bekannte Schweizer Ausflugsziele direkt nebeneinander gepackt wurden, überzeugt die farbenfrohe Kulisse vor allem während des ersten Drittels, bevor es im Mittelteil ins Frauengefängnis geht, damit der Swissploitationer auch genügend Exploitation liefert. So wechseln sich Klischees über die Schweiz mit jenen aus Knastfilmen ab und auch für Trainingseinheiten der späteren Amazone Heidi wird gesorgt, bevor es zum Finale in die Gladiatorenarena geht.

Splatterfreunde werden anbei ebenfalls bedient, denn in einer Mischung aus CGI und praktischen Effekten gibt es Körperteilungen, Löcher im Hals, aufgebrochene Bauchdecken und einige Szenen mit Body-Horror-Elementen, bei denen das Make-up solide Arbeit leistet.
Die Kampfszenen lassen indes ein wenig Dynamik vermissen, obgleich sich Hauptdarstellerin Alice Lucy als überaus beweglich erweist und nebenher behände mit einigen Waffen hantiert.
Ebenso beweglich erscheint Casper van Dien als Diktator, - allerdings nur im Gesicht in Form gnadenlosen Overactings.

Entsprechend werden die Cheese-Bürger durch den Fondue-Kakao gezogen, wobei der Humor eher selten zündet und eher dann punktet, wenn er scheinbare Nebensächlichkeiten einbindet. Das Tempo ist bis auf einige zu lang geratene Verschnaufpausen im Mittelteil nahezu kontinuierlich hoch und aufgrund der kruden Genremischung ist ein passables Maß an Kurzweil im Spiel. Die durchweg laue Story und der mangelnde Esprit in der zweiten Hälfte verhindern jedoch die Kategorie des waschechten Partyknallers.
6 von 10

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