In irgendeinem Zimmer erwacht der Koreaner Carter (Joo Won) aus einem wie es scheint längeren Schlaf: erinnern kann er sich an gar nichts mehr, weder wie er hierher kam noch wie er heißt. Eine Frauenstimme, offenbar in seinen Kopf implementiert, befiehlt ihm, schleunigst abzuhauen, und so springt er durchs Fenster und landet in einem großen Badetempel. Dort lauern jede Menge tätowierter Bösewichte mit Hieb- und Stichwaffen, die sich nach kurzem Beschnuppern auf ihn stürzen: doch Carter, ein meisterlicher Martial-Arts-Kämpfer (das steht schonmal fest) erledigt sie sämtlichst, ohne selbst auch nur einen einzigen Kratzer abzubekommen. Doch Zeit für eine Atempause gibt es nach dem mehrminütigen Gemetzel nicht: kaum auf der Strasse draußen, lauern schon die nächsten Gegner, denen Carter zu Fuß und auf einem Mofa entkommen muß. Die Stimme im Ohr dirigiert ihn dabei ("nächster Gang links, Treppe hoch rechts"), läßt aber keinen Zweifel daran, daß er sofort erledigt ist, wenn er sich nicht an die Anweisungen hält. Und so hetzt Carter, dessen Mission es offenbar ist, ein kleines Kind mit dem Namen Ha-na zu retten, immer weiter...
Der südkoreanische Streifen Carter, soviel steht spätestens nach einer Viertelstunde Laufzeit fest, ist mehr ein Videospiel als ein Film: lange, ungeschnittene Actionszenen, in denen der unverwundbare Held aus allen möglichen Perspektiven gezeigt wird, bilden den Hauptteil, selten unterbrochen von einigen wenigen ruhigen Szenen. In Letzteren erfahren Carter (und mit ihm das Publikum) nur soviel, daß sein Gedächtnis gelöscht wurde und er sich in Südkorea befindet, seine Mission ihn allerdings nach Nordkorea führt und er ständig von der CIA und dem südkoreanischen Geheimdienst gejagt wird. Offenbar grassiert gerade ein Zombievirus in Nordkorea, und alle Parteien suchen nach einem Gegenmittel, welches das kleine Mädchen, das er retten soll, in ihrem Blut trägt. Soweit der alles andere als befriedigende, im Grunde eigentlich verzichtbare Hintergrund der ganzen Geschichte.
Aber darum geht es auch gar nicht, vielmehr legt Regisseur Byung-gil Jung größten Wert auf ein schier endloses Action-Spektakel, das am Anfang zu beeindrucken vermag, mit zunehmender Dauer durch seine Rastlosigkeit aber eher nervös macht. Mehrere Kämpfe spielen auf der Straße (im Auto, im Bus, im Van, im LKW und auf Motorrädern), später kloppt sich Carter dann auch an Bord eines Flugzeugs und am Schluß in und auf einem fahrenden Zug, der von Helikoptern angegriffen wird. Der Bodycount liegt übrigens im niedrigen dreistelligen Bereich. Die optische Umsetzung schwankt dabei zwischen annehmbar und billig, wobei Letzteres vor allem auf die zahlreichen Explosionen zutrifft, denen man ihre Herkunft aus dem Rechner allzu deutlich ansieht.
Die wenigen Unterschiede zu einem reinen Computerspiel sind schnell zusammengefasst: gespart hat sich die Regie dabei das Gesundheitslevel des Hauptdarstellers, das üblicherweise von Zeit zu Zeit mit Goodies aufgefrischt gehört (sowas braucht Carter allerdings nicht, der hat immer die volle Batterie), weiters gibt es auch keine Geheimgänge und versteckten Schätze, stattdessen mahnt die Stimme im Kopf stets, keine Zeit zu verlieren.
Sinnlos auch das Unterfangen, aus den wenigen Unterhaltungen irgendein politisches Statement herauszuhören: zwar scheinen die Nordkoreaner lange Zeit die Guten zu sein (und schimpfen reichlich auf die USA), später jedoch erweist sich deren oberster General als Schurke, den Carter quasi wie einen Endgegner noch besiegen muß. Über einen zwischenzeitlich angedeuteten Gehirnaustausch mit fremden Erinnerungen (wtf?), eine Romanze mit einer Soldatin oder das auch hier angestimmte Hohelied auf die edle Errettung eines Kindes (gähn) deckt man lieber den Mantel des Schweigens.
Fazit: ein automatisch ablaufendes Computerspiel ohne Eingriffsmöglichkeit für den Zuschauer, dessen siegreicher Held schon von Anfang an feststeht und dessen sinnbefreiten Background man sich besser gespart hätte. Spätestens nach 30 Minuten mal die Pausentaste drücken, sonst hat man schnell viereckige Augen... 4 Punkte.