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Könnte man in die Zukunft sehen, was würde man damit anfangen? Gerade im vorliegenden Szenario rund um den Beginn des Zweiten Weltkriegs ist das eine spannende Frage. Denn wie man aus diversen ähnlich gelagerten Werken weiß, ist das Beeinflussen der Geschichte selten eine gute Idee – seien die Absichten auch noch so gut.
Diese Erfahrung machen in Andrew Legges „LOLA“ auch die beiden britischen Schwestern Thomasina (Emma Appleton) und Martha Hanbury (Stefanie Martini), die mit ihrer titelgebenden Maschine Klänge und bewegte Bilder aus der Zukunft empfangen können. Was ihnen erst David Bowie näherbringt, ruft bald das Militär auf den Plan und mündet in das Bestreben, den Kriegsverlauf zugunsten der britischen Streitkräfte zu lenken.

Ein folgenschweres Vorhaben und eine Zerreißprobe für die Schwestern und andere Beteiligte. Und ein im dokumentarischen Stil gehaltener SciFi-Streifen, getrimmt auf eine entsprechende retro-Optik und so finden sich im Filmmaterial allerlei Defekte. Dagegen sollte man keine Abneigung haben, denn Legge zieht diesen Stil von Anfang bis Ende durch. Dennoch hat „LOLA“ neben seiner Präsentation auch seine Figuren im Blick, insbesondere das Geschwisterpaar und den mit ihnen arbeitenden Lieutenant Holloway. Die charakterliche Zeichnung ist okay, wenn sich der Sympathiefaktor auch immer mal wieder in Grenzen hält. Das braucht es aber wohl für das Konfliktpotenzial und die Verschiebung der Figuren auf dem sich aufbauenden Schlachtfeld. Saufen und Rauchen vertieft allerdings auf die Dauer keine Charaktere.
Legge zeichnet mit fortschreitender Spielzeit eine Dystopie, der man sich nur schwer entziehen kann und atmosphärisch ist das in der zweiten Hälfte durchaus einnehmend. Überhaupt ist diese Hälfte die bessere, entfalten sich hier nicht nur die Konsequenzen aus dem Herumspielen mit der Maschine, sie fordert die Figuren auch zu wiederum eigenen Konsequenzen heraus und positioniert sie so neu auf der Karte. Dies allerdings innerhalb der knappen Spielzeit von achtzig Minuten - und hier macht sich dann die zu ausgewalzte Vorerzählung bemerkbar, sodass es sich am Ende gehetzt anfühlt.

„You knew this could happen.“

Mit einer spannenden Grundidee und ebensolchen Perspektive im found-footage-Stil ist „LOLA“ ein interessantes Spielfilmdebüt von Andrew Legge. Der Eingriff in die Geschichte mit Folgen zeichnet ein düsteres Bild, nur kommt dieses etwas spät, nachdem man in der ersten Hälfte der überschaubaren Laufzeit zu viel Zeit mit dem Vorspiel verplempert hat und den Figuren nur wenig mit auf den Weg gab. Lohnt dennoch einen Blick, wenn man mit dem Szenario etwas anfangen kann.

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