Review

Creepaway Camp

In „They/Them“ führt ein fies-grinsender Kevin Bacon ein christliches Umerziehungscamp für schwule Teenager. Anfangs für die buntgemischten queeren Jugendlichen noch recht ungefährlich und auffällig freundlich, doch schnell entpuppt sich das Sommercamp als gefährliche Falle zwischen Selbstfindung und Überlebenskampf…

Ich hatte immer nur das Poster und Bacon gesehen, einen generischen Psychohorrorthriller erwartet. Dass mich dann ein waschechter Campslasher begrüßte, ließ mich vor Glück fast aufspringen. Mein liebstes Subsubgenre. Aber nicht nur deswegen hat mir „They/Them“ gut gefallen. Wegen Kevin Bacon, wegen seinen glaubhaften Teenagern, wegen seinem ganz realen Grusel aus Schwulenhass und dass wirklich immer noch solche Camps gibt, sie vielleicht sogar boomen. Ein solcher Slasher ist zwar ein klarstes Kind unserer aktuellen Zeit, aber hat es gerade heutzutage auch besonders schwer. Denn obwohl er in mehrfacher Gewichtung klar in der Tradition von damals unumstrittenen Campslasherklassikern wie „Sleepaway Camp“ oder „The Burning“ steht, ist er (erst recht im Netz) in seiner Ausrichtung gerade aktuell von allen Seiten unter Beschuss. Den einen zu schwul und anders, den anderen zu klischeehaft und zahm, den einen zu wenig Horror, den anderen zu liberal und verwirrt. Ein „They/Them“ kann es kaum einem ganz recht machen. Was er aber auch nicht muss und was seinen Punkt vielleicht sogar noch klarer macht.

Fazit: es ist ein Campslasher?! Auch wenn der Bodycount zu gering ist, der filmische Horror etwas kurz kommt und hinter dem realen, moralischen Horrorkern steht - „They/Them“ hat Kevin Bacon, eine bunte Truppe, ein modernes Thema und eben einige ungemütliche Wahrheiten. Ein paar saftige Kills hätten ihm nach meinem Geschmack aber noch gut gestanden. 

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