Eine Stadt im Ausnahmezustand: In Berlin treibt der Kindermörder Hans Beckert sein Unwesen. Als er sein neuntes Opfer holt, wächst der Druck der Bevölkerung auf die Regierung und der Druck der Regierung auf die Polizei ins Unermessliche. In der über alle Maßen sensibilisierten Bevölkerung selbst macht sich eine Dynamik breit, die dazu führt, dass jeder jeden verdächtigt. Die Polizei, ohne ernsthafte Spur, geht jedem noch so kleinsten Hinweis nach und führt mit großer Regelmäßigkeit Razzien in den bekannten Schlupflöchern der Unterwelt durch.
Das organisierte Verbrechen unter dem Regiment des charismatischen und eloquenten Schränker fühlt sich jedoch zum Einen in der Tatsache mit Beckert in einen Topf geworfen zu werden in seiner Ehre gekränkt und fürchtet zum Anderen um seine Geschäfte, denn die Polizei hat ihre Ermittlungen mittlerweile auf die Durchsuchung privater Haushalte ausgedehnt. Schränker beschließt den Kindermörder zur Strecke zu bringen. Dazu rekrutiert er ein Heer an Bettlern, das er über die ganze Stadt verteilt, um ihm auf die Schliche zu kommen. Ein blinder Ballonverkäufer erkennt ihn an seinem fatalen Pfeifen, schickt einen Jungen auf seine Fährte, der ihn unbemerkt mit dem titelgebenden M brandmarkt. Schnell ist Beckert eingekesselt und flüchtet sich in ein Bürohaus, das in der Folge von den Verbrechern systematisch durchsucht wird. Nach erfolgter Festnahme wird der Kindesmörder in den Hallen eines alten Fabrikgeländes einem aufgebrachten Lynchmob zu einer Verhandlung vorgeführt, die ohne Übertreibung als Farce gelten kann...
Während der Verhandlung bedient sich der Film aller drei Arten der Überzeugung in der klassischen Rhetorik nach Aristoteles. In Beckerts Verteidigungsrede kommt das PATHOS zum tragen. Zunächst kritisiert Beckert die Selbstgefälligkeit der Anwesenden und versucht im Anschluss zu vermitteln, dass er einen Zwang empfände, die Taten, die er nie exakt benennt, zu begehen und sich im nachhinein selbst hasst, was offenbar wird, als er sich mit den Namen und Gesichtern seiner Opfer konfrontiert sieht. Damit schafft er es kurzfristig Empathie bei einigen der Anwesenden zu generieren.
Um dieses Momentum zu verhindern, ergreift Schränker, "Staatsanwalt" und "Richter" in Personalunion, das Wort und argumentiert mit LOGOS (pragma). Ein Mensch, der einen Zwang zum Töten hat, also immer töten muss, hätte seine Daseinsberechtigung verwirkt und müsste in der logischen Konsequenz gehenkt werden.
Der "Anwalt" Beckerts, der ihm wahrscheinlich aus den Reihen des Mobs zugewiesen wurde, um den Schein einer legitimen Verhandlung zu wahren, seiner Aufgabe aber trotzdem mit dem nötigen Ernst begegnet, entkräftet zunächst seinen Vorredner, indem er dessen dreifachen Totschlag ins Licht rückt und ihn so der Doppelmoral entlarvt. Im Anschluss argumentiert er mit ETHOS, dass jemand, der unter Zwang handelt nicht für seine Taten verantwortlich gemacht werden könne und fordert im Anschluss wie auch sein Klient dessen Auslieferung an die Polizei.
Fritz Langs erster Tonfilm und letzter Film vor 1933 kann mit Recht als Reaktion auf den aufkommenden Nationalsozialismus zum Ende der Weimarer Republik (1919-1933) gelten. Auf mehrfacher Ebene können Parallelen zur politischen Situation der damaligen Zeit gezogen werden. Lang kritisiert die Leichtgläubigkeit und die leichte Beeinflussbarkeit der Massen, die in eine Hysterie ausgeartet, verheerende Folgen haben kann. Weiterhin wird in Form von Beckert und seinen Opfern auf das blinde Mitläufertum angespielt. Das prätenziöse Auftreten Schränkers, vor allem bei der Verhandlung, kann als Fingerzeig auf Hitler gelten, der mit seiner Rhetorik die Massen von einer Ideologie überzeugen konnte, die zwar intrinsisch logisch erscheint, deren Fundament aber formal auf Axiomen basiert, die inhaltlich nicht haltbar sind und somit das ganze Gedankengerüst Makulatur werden lassen.
M, der Durchbruch Peter Lorres, ist ein Film mit einer Menge zeitgenössischem Kolorit, einer ernstzunehmenden politischen Botschaft und ein Stück Filmgeschichte, das mit der morbiden Neugier des Zuschauers spielt und zeigt, dass ein Film auch ohne starke Identifikationsfigur bestehen kann.