Obschon sich Fritz Langs Grundthemen oft wiederholten und variierten, war es doch sein erster Tonfilm M, bei dem er sich deutlicher mit der Motivation seiner Figuren auseinander setzte und so neue Ausdrucksstärke in seine bisher oft abstrakt im Phantastischen behandelten Stoffe brachte. In M präzisiert Fritz Lang nicht nur seine Erzählweise in einem Quantensprung, er findet durch die allgegenwärtige Massenbewegung auch direkten Zugang zu den Emotionen seines Zuschauers, provoziert nahezu eine moralische Entscheidung, wenn er die Suche nach einem Kindermörder zwischen den Formen von Gangsterfilm und Gerichtsdrama zu einem blutrünstigen Mob aufstilisiert, der für sich die Entscheidungsgewalt über Leben und Tod beansprucht. Peter Lorre als sexuell gestörter Triebmörder ist in seinem vielschichtigen Spiel allein groß genug, um einer Vielzahl von Henkern die Frage entgegen zu setzen, ob nicht auch er ein Mensch sei. Nicht zuletzt ist M auch ein Spiegelbild der zeitgenössischen Demokratie.
Interessanterweise geht Fritz Lang diese Motive in seinem amerikanischen Film Blinde Wut noch einmal von anderer Seite an. Auch dort bildet sich ein Lynchmob, doch der offiziell Inhaftierte hat gar nichts verbrochen.