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Staffel 1

Seit der ehemalige Barkeeper und Hobby-Boxer Adrien (Nicolas Duvauchelle) aus dem nordfranzösischen Lille für einige Monate im Knast war, dort mit dem Schreiben begonnen und unter dem Künstlernamen Mody überraschend einen Bestseller abgeliefert hatte, scheint sein weiterer Berufsweg festgelegt - doch seit einiger Zeit schafft es der vollbärtige Mittvierziger nicht mehr, seine Gedanken gewinnbringend zu Papier zu bringen. Als ihn eines Tages ein älterer Herr zu sich einlädt und ihn seine Memoiren abzufassen bittet, ist Adrien daher nach einigem Überlegen einverstanden, zumal Albert (Niels Arestrup) großzügig und in bar bezahlt.
So fährt Adrien, der aus zerrütteten Verhältnissen stammt, ein- bis zweimal pro Woche zu dem Senior aufs Land, zeichnet dessen Berichte und ihre Gespräche mit einem Diktiergerät auf und fasst die Geschehnisse dann zuhause in Form eines Romans zusammen. Seine engagierte Lebensgefährtin Nora (Alice Belaïdi) ist unheimlich stolz darauf, daß er wieder einen Job gefunden hat, liest die Manuskripte heimlich mit und arrangiert später sogar ein Treffen mit seinem Verleger, was Adrien jedoch gar nicht recht ist. Denn was sich nach einem Routineauftrag anhört, entpuppt sich mit jeder Sitzung zunehmend als Lebensbeichte eines Serienmörders, der hauptsächlich in den 1970er Jahren mit seiner damaligen Freundin Solange (Alyzée Costes) im Sommerurlaub in Südfrankreich andere junge Männer ermordete. Darüberhinaus entdeckt Adrien, der trotz gewisser Bedenken fleißig weiterschreibt, den Wahrheitsgehalt der Erzählungen des Alten aber nicht sehr hoch einschätzt, dann Parallelen zu seiner eigenen Kindheit...

Die französische Produktion Les Papillons Noirs von Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Olivier Abbou beschäftigt sich mit dem Werdegang eines seit der Kindheit befreundeten Pärchens, das in jugendlichem Alter mehr aus Notwehr zum ersten Mal mordet, dann aber nicht mehr davon ablassen kann und schließlich sogar Gefallen daran findet. Die Schilderung dieser obsessiven Amour Fou nimmt mehr als die Hälfte der 6 Episoden zu je etwa 50 Minuten ein und ist von Rückblenden in die 1970er Jahre geprägt, wobei zeitgenössische Klamotten, Frisuren und Autos mit flotter Musik einen bemerkenswerten Kontrast zu den blutigen Morden bilden.

Die Morde selbst laufen immer nach dem gleichen Schema ab: die rothaarige Solange baggert andere junge Burschen und Männer an und verabredet sich mit ihnen auf ein Schäferstündchen, das sie im letzten Moment dann überraschend "doch nicht" will - wenn derjenige aber nicht lockerläßt (und das sind die meisten), wird er vom Solange stets folgenden Albert rücklings erstochen - danach folgt ein Schnellfick neben dem Opfer. Ein merkwürdiges Vergnügen eines Pärchens, das ansonsten das ganze Jahr über einen kleinen Friseursalon betreibt, unauffällig lebt und laut Albert immer Glück hatte, nie erwischt zu werden. Solange, als sogenanntes "Kind der Schande" von einem deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg mit einer Französin gezeugt und in der Schule deswegen ausgestoßen, lernte ihren damaligen Beschützer Albert schon früh kennen - und ihr Weg trennt sich erst, als sie nach mehreren erzwungenen Abtreibungen Anfang der 1980er Jahre eines Tages den Friseursalon abfackelt und einfach abhaut. Seitdem ist Albert alleine, und nun, wo er nicht mehr sehr lange leben wird, möchte er seine Geschichte, von einem bekannten Autor aufbereitet, der Nachwelt hinterlassen. Das alles klingt zwar relativ plausibel, doch Adrien kommen immer mehr Zweifel. Berechtigterweise, wie sich noch herausstellt...

Leider wird der Plot, der hauptsächlich in zwei (später wird noch eine dritte eingeschoben) Zeitebenen spielt, mit zunehmender Dauer immer verwirrender, besonders in den letzten beiden Episoden überschlagen sich die Ereignisse und wirken dann nicht mehr sonderlich authentisch. Was ebenfalls ins Gewicht fällt, sind die nicht eben sympathischen Akteure, mit denen man nicht unbedingt mitfiebert.
Somit ergibt sich als Fazit dann neben einem fröhlichen 70er-Revival eine bis in die Gegenwart reichende verworrene Familientragödie um einen alten Mann, dessen Handlung am Ende mit Plot Twists nur so um sich wirft, die Plausibilität dieses farbenfrohen Thrillers dabei aber arg strapaziert. 6 Punkte.

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