Die Wahrscheinlichkeit, den Absturz einer Passagiermaschine aus einigen Kilometern Höhe zu überleben, dürfte gegen Null tendieren. Dennoch gab es in den vergangenen Jahrzehnten einige, wenige Frauen, denen dieses Wunder im Zusammenspiel mit unwahrscheinlich viel Glück gelang. So überlebte eine Stewardess den Absturz aus 10000 Metern Höhe, während eine Deutsche anno 1971 über dem peruanischen Dschungel abstürzte und ebenfalls mit dem Leben davon kam. Ein ähnliches Ereignis schildert das Debüt des russischen Regisseurs Dmitriy Suvorov.
24. August 1981: Larisa (Nadezhda Kaleganova) und Volodya (Maksim Ivanov) befinden sich auf dem Rückflug von ihrer Hochzeitsreise, als das Flugzeug in Turbulenzen gerät und kurz darauf auseinander bricht. Larissa erwacht zwischen Trümmerteilen inmitten der sibirischen Taiga und hat den eigentlichen Überlebenskampf noch vor sich…
Suvorov fackelt nicht lange und lässt bereits nach zehn Minuten die Bilder der Katastrophe sprechen, bei der es gnadenlos rummst und noch vor dem freien Fall eine ungeheure Wucht durch den Innenraum geht, als Passagiere an Wände geschleudert oder direkt nach draußen befördert werden. Am Rande erkennt man indes die immer deutlicher werdenden Konturen des sich nähernden Bodens. Rein inszenatorisch können sich hiervon eine Reihe zeitgenössischer Genreproduktionen ein Beispiel nehmen.
Auch die Etablierung des Handlungszeitraums gelingt vollends, indem zunächst Archivmaterial voraus geschickt wird, welches fließend in den Start der Geschichte übergeht. Ein leichter Gelbstich der Bilder passt ebenso wie die komplette Ausstattung, welche über diverse Wohnungseinrichtungen, Fahrzeuge und Außenansichten einiger Ortschaften reicht, während das Gebiet der weitläufigen Taiga folgerichtig eher zeitlos daherkommt.
Hier spielt sich der Großteil der Handlung ab, denn nach dem Absturz ist Larisa beileibe noch nicht gerettet. Mit einem verletzten Bein sucht sie sich ein paar wenige, brauchbare Gegenstände aus herumliegenden Gepäckstücken und versucht sich eine Orientierungshilfe zu basteln, um überhaupt einen Weg aus der Wildnis zu finden. Ein zweiter Handlungsstrang widmet sich den Eltern des betroffenen Paares und den Bemühungen eines Staatssicherheitsoffiziers, die Tragödie der Katastrophe vor der Öffentlichkeit zu tarnen, indem etwa ein entsprechendes Gebiet während des vermeintlichen Ausbruchs der Maul – und Klauenseuche vom Militär abgeriegelt wird.
Leider verlässt sich die Erzählung nicht ausschließlich auf die aktuelle Situation der Überlebenskämpferin, denn zwischenzeitlich werden einige Flashbacks aus glücklichen Paarzeiten bemüht, was die Dringlichkeit der Situation stets ein wenig entschärft. Zudem muten einige Einstellungen arg kitschig an, was zum Finale noch einmal über Gebühr strapaziert wird. Demgegenüber kommt es zu einigen prekären Momenten, denn man mag rasch vergessen, dass Sibirische Tiger zu jener Zeit noch ein wenig häufiger auftraten und dass das Überqueren eines reißenden Flusses grundlegend kein Spaziergang ist.
Hauptdarstellerin Kaleganova, welche ebenfalls ihr Debüt bestreitet, wird vor allem auf physischer Ebene ordentlich gefordert und steckt nicht selten bis zur Unterlippe im Schlamm. Mithilfe eines soliden Make-ups performt sie recht glaubwürdig und auch die wenigen übrigen Darsteller liefern passabel. Handwerklich ist kaum etwas anzukreiden, vor allem die Kamera sorgt für einige überaus gelungene Landschaftsfahrten, während der Score immerhin zweckdienlich arbeitet.
Die Mixtur aus Survival-Thriller, Drama und sogar einem Hauch von Horror funktioniert über weite Teile recht gut, fährt ein passables Tempo und sorgt für einige Spannungsmomente, die im Zusammenhang mit der zugrunde liegenden, wahren Begebenheit durchaus in Beschlag nehmen können. Mit weniger Pathos und mehr Härte wäre da noch mehr drin gewesen.
Knapp
7 von 10