Die Sanitäranlage eines durchschnittlichen Rastplatzes zählt wahrscheinlich zu jenen Orten, an denen man sich möglichst nicht lange aufhalten möchte. Doch genau hierhin hat Regisseurin Rebekah McKendry die Handlung von „Glorious“ verfrachtet. So usselig die Kulisse auch anmutet, - in Sachen Lovecraft ist sie hingegen mit nahezu allen Wassern gewaschen.
Völlig übermüdet macht Wes (Ryan Kwanten) an einem abgelegenen Rastplatz halt, schwelgt in wehmütigen Erinnerungen an seine Verflossene und gibt sich anschließend die Kante. Als er sich am nächsten Morgen von Brechreiz getrieben auf die Toilette begibt, ist diese plötzlich abgeschlossen und eine Stimme aus einer Kabine spricht zu ihm. Ghat nennt sich das Wesen, welches sich als Gottheit ausgibt und womöglich ein Resultat eklatanten Restalkohols ist?...
Die Realitätsebenen verschwimmen früh in dem Kammerspiel, in dem im Grunde nur die Hauptfigur von Belang ist, zumal sich die physische Präsenz in der Kabine lediglich andeutet.
Eine Zeichnung an der Trennwand, in der sich ein kleines Loch, ein so genanntes Glory Hole befindet, deutet ein wenig darauf hin, wie jene Gottheit in etwa aussehen könnte, was anhand gebündelter Tentakeln einen Vorgeschmack auf kleinere Effekte gibt. Diese bestehen zwar überwiegend aus CGI, können sich hinsichtlich des augenscheinlich geringen Budgets jedoch sehen lassen.
Die versiffte Umgebung und der zusehends in Mitleidenschaft gezogene Wes bilden beileibe keine Basis für Feingeister und Ästheten und so ist es oftmals an Ghat, die bizarre Situation mit beruhigenden Worten zu besänftigen. Zwischen manchen philosophischen Ansätzen punktet hier und da einige Situationskomik, während im letzten Drittel ein wenig Blut fließt oder auch mal regnet, wobei hier kein Splatterfest erwartet werden sollte. Auch Teile von Body Horror halten sich in Grenzen.
Immerhin wird der endgültigen Auflösung ein kleiner Twist vorausgeschickt und es gibt nur wenige Möglichkeiten die Pointe zu deuten, - zumindest erhält man genügend Anhaltspunkte, sich für die eine oder andere Variante zu entscheiden. Bei alledem macht Kwanten einen ordentlichen Job, obgleich er zuweilen nah am Overacting vorbei schliddert und auch sonst geht das Handwerkliche in Ordnung. Letztlich bieten die 75 Minuten ohne Abspann einen kleinen Mindfuck, der zwar nie allzu intensiv oder gar spannend gerät, jedoch noch relativ viel aus der minimalistischen Ausgangslage herausholt.
6 von 10