Review

Staffel 1

Eine Hütte im nordspanischen Küstengebirge Asturiens war das Ziel einer fröhlichen Klassenfahrt, doch auf der Rückreise ereignet sich ein schreckliches Unglück, als der Bus im dichten Nebel über den Serpentinen von der Straße abkommt und ins Tal stürzt. Die meisten Teenager finden dabei den Tod, nur wenige überleben mit schweren Verletzungen, unter ihnen die titelgebende Alma (Mireia Oriol), die neben ihrem rechten Auge auch ihr Gedächtnis verloren hat.
Als sie nach einigen Wochen aus dem Spital entlassen wird, muß sie sich erst Stück für Stück wieder an ihr altes Leben herantasten, erkennt sie doch nicht einmal mehr ihr Zimmer im elterlichen Haus wieder. Dabei behilflich ist ihr Klassenkamerad Tom (Álex Villazán), der den Unfall mit einer Unterschenkel-Amputation ebenfalls überlebt hat.
Auf der Suche nach sich selbst versuchen beide Teenager zu rekonstruieren, was den rätselhaften Bus-Unfall herbeigeführt hat - dabei stoßen sie auf eine uralte Gottheit namens Therion, die alle paar Jahrhunderte, durch Menschenopfer ermöglicht, wieder auf der Erde erscheint...

Die spanische Netflix-Produktion Alma, die mit einem Bus-Drama noch halbwegs spannend beginnt, erweist sich in der Folge jedoch als gähnend langweilige Seifenoper, in der die Hauptdarstellerin vor einem wenig plausiblen Mystery-Hintergrund ihre ach so wichtigen Beziehungsfragen klärt. Während einem die zur Schau gestellte künstliche Betroffenheit und sonstige Gefühlsduseleien schon recht bald auf die Nerven gehen, kommt die eigentliche Geschichte kaum vom Fleck, erst recht nicht, als Alma mittels einer Hexen-Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen vermag und dort ihr Schicksal und das ihrer Clique zu beeinflussen versucht. Das daraus resultierende Durcheinander, durch immer neue Alltäglichkeiten eines unspektakulären Teenagerlebens aufgeblasen, zieht sich zäh wie ein Kaugummi durch insgesamt 9 Folgen von jeweils etwa 40 bis 50 Minuten und endet, wie von derartigen Netflix-Produktionen gewohnt, nicht etwa mit einer Auflösung, sondern mit einem billigen Cliffhanger.

Die Mystery-Elemente dieser drögen Telenovela bestehen aus dem erwähnten Gott (bzw. Teufel), für dessen Wiederkehr 5 Leute sterben müssen, wobei 5 Spießgesellen just im Augenblick des Todes der Opfer in deren Körper schlüpfen - ein Umstand, der übrigens schon Jahrhunderte früher (echt?) in einem ominösen mittelalterlichen Buch beschrieben war (wie spannend...), das vom sektiererischen Vater eines Klassenkameraden penibel überwacht und hintertrieben wird. Die graphische Umsetzung dieser feindlichen Übernahme (mit herumwuselnden schwarzen Strichmännchen) ist übrigens erbärmlich schlecht geraten, wie überhaupt die CGI-Effekte äußerst schwach umgesetzt sind.
Ein anderes, häufig wiederkehrendes Mystery-Element sind diffus in den Hintergrund montierte "Lichtgestalten", die diversen Handlungen unerkannt und unbemerkt beiwohnen, wobei es das Drehbuch so will, daß ausgewählte Jugendliche auch in die eigene Vergangenheit reisen können (mittels eines hochtrabend "Hexaspekulum" genannten Spiegelkabinetts), sodaß also beispielsweise die seit dem Unfall Augenklappen-tragende Alma als Lichtgestalt der beidäugigen Alma von vor zwei Jahren bei diversen Gefühlsausbrüchen zuschauen kann.

Um den undurchschaubaren Wust an Herzschmerz-Belanglosigkeiten wenigstens partiell aufzulockern (bzw. ein wohlbegründetes vorzeitiges Abschalten zu verhindern) hat die Regie dann und wann vermeintlich "hippe" Szenen eingebaut, die zwar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, aus dem träge vor sich hin mäandernden Geschehen jedoch ein klein wenig herausragen: ein Drohnenflug durch eine unterirdische Höhle (natürlich mit Jump Scare) wäre da zu nennen, ein plötzlich vom Bösen übermannter Opa, der seinem Enkel kochendes Wasser in die Visage kippt, ein schwules Pärchen, das sich gefunden hat und gleich ins Bett steigt sowie (aus Gründen der Gleichberechtigung) später auch eine lesbische Szene mit der Hauptdarstellerin.  

Doch auch diese Einsprengsel können die prinzipiell vorherrschende, erstickende Langeweile nicht verdecken: das erkennbar bemühte, aber völlig substanzlose Kreieren künstlicher Emotionen höchst mediokrer Filmcharaktäre über quälend lange 9 Folgen hinweg lassen kein anderes Urteil zu: Alma (zu 90% aus Seifenoper, 10% Mystery aber 0% Horror bestehend) ist von vorne bis hinten ein gigantisches Heißluftgebläse, oder salopp formuliert einfach nur gequirlte Scheiße, in jedem Fall aber eine ärgerliche Zeitverschwendung. Unbedingt vermeiden! 1 Punkt in Ermangelung der Null.

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