"We are a flamethrower to censorship. I do not believe in ever telling someone they can’t do this or that, or that’s too dark, or too risky, or too violent, or too sad."
~ Dallas Sonnier
"I personally think this is the time. A lot of the studios and the bigger corporations are muffling art, saying 'you have to fit into what we say you get to do.' But when I look back in history, the best work is free and edgy, it's like, middle fingers up, and it wasn't popular at all in those times."
~ Gina Carano
Das Genre aufgeschlossen, unschuldig, fast als harmlos bekannt, da betagt auch und archaisch; die Hauptdarstellerin und die dahinter stehende Produktionsfirma, das Gesicht des Filmes, das Aushängeschild und die kreativen Köpfe verantwortlich für die Entstehung und auch die Finanzierung mit nicht bloß neuerdings) stadtbekannten Ruf, welcher teils anrüchig und (je nach Sichtweise und eigener Meinung natürlich und dem Umgang damit) mit Vorsicht zu genießen ist. Für den ahnungslosen, den unbefleckten Zuschauer ein aktueller Western von vielen, die Gattung boomt ein bisschen, zumindest was das Fernsehen und die Mitglieder der Ausbeute für den Heimvideomarkt, die On Demand - und DtV - Auswertung angeht; hier noch verstärkt in der Aufmerksamkeit durch die geläufige Carano in der Hauptrolle, eine Protagonistin in der Männerdomäne, eine Ausnahmeerscheinung nicht bloß in der zeitgenössischen Variante, auch wenn bspw. Murder at Yellowstone City auch mehrere entscheidende Frauenpositionen zu bieten hat und nicht bloß die männlichen Cowboys involviert:
Die eigentlich aus gutem Hause stammende Hattie McAllister [ Gina Carano ] ist nach dem Bürgerkrieg und gegen den Willen ihres Vaters mit ihrem Mann Jebediah McAllister [ Donald Cerrone ] nach Montana in das Grenzgebiet gezogen, wo sie neben der schweren Arbeit und weitgehend abgeschottet von anderen Menschen auch die gemeinsamen Kinder Will [ Rhys Becker ] und ein gerade erst geborenes Mädchen aufzieht. Als Jebediah aufgrund von zunehmenden Geld- und Versorgungssorgen in eine weiter entfernte Stadt reitet, bekommt die Frau Besuch von Captain Miller [ Nick Searcy ] und drei genauso wenig vertrauensvollen Begleitern [ Tyler Fischer, Gabriel-Kane Day Lewis, Heath Freeman ].
Mit einem Gewaltakt fängt man an, erst die Stille und Weite der Landschaft, prächtige, scheinbar friedliche Natur, lange bleibt die Situation nicht unbescholten und die Natur nicht unberührt. Ein Mann hetzt durch die Gegend, taucht hinten am Horizont auf und durchquert im eiligen, schon erschöpft wirkenden Laufstil den ruhenden Blickwinkel der Kamera, gefolgt und verfolgt von vier Männern hoch zu Pferde, die Reiter sind im Vorteil, der laufende Mann gibt sich mehr Todesangst als Motivation und keine Hoffnung, ein paar Einstellungen weiter ist der Gejagte auch gefangen und eingeholt und geprügelt und eingekesselt. Der Terror ist gestartet, die ungehemmte Brutalität beginnt. Religiöse Verse (von der Bosheit der Menschen, Das Buch Genesis, Kapitel 6) und aufgeplatzte Gesichter, harmlose und wehrlose angegriffene, vor Blutdurst wollüstig keifende Schergen, das Opfer wird skalpiert, die Bilder sind schockierend. Nur ein Vorgeschmack des Kommenden, die eigentliche Handlung später und woanders, die Situation scheint ähnlich, der Ausgang ist es nicht. Was auch vermehrt ansteht, ist das Porträt einer Frau in dieser Umgebung, die erzwungene Anpassung an die Umstände, das später winterliche Klima, die Trostlosigkeit des Hauses, die Isolation weit weg von allem, der Mann ist tagsüber nicht da und das erste Kind, ein heranwachsender Sohn auch nicht. 'Daheim' wartet die Dunkelheit und Kälte, das vor Hunger weinende Baby, mal ist eine Schlange im Haus umher kriechend, mal stehen ein Trupp Indianer mit einer besonderen Aufgabe vorm Haus. Die Frau kommt aus einem anderen Leben, aus St. Louis, sie ist die Anforderungen nicht gewohnt und oftmals auch nicht gewachsen, sie zweifelt nicht an der Entscheidung des Umzuges, sie hadert mit sich selber. Dialoge sind karg, Worte fallen wenig, ein Kammerspiel bricht an, ein Thriller.
"Just take what you want and go." - "But what we want is you."
Das Zusammentreffen beider Gruppierungen, der der Unholde von einst und der jungen Familie kommt am Ende des ersten Viertels, die Charaktere längst da, das Unheil und die Bedrohung ebenfalls gesetzt. Regisseur Michael Polish, der zuvor mit dem EFO - Actionfilm Force of Nature kein Erfolg hatte und auch kein Können dort bewies, geht mit der Materie hier deutlich engagierter um, das Geschehen fokussiert, die Schwingungen düster bis unheimlich, die ersten Schüsse knallen bald, eine Belagerung entsteht. Die nächsten Schritte aller Beteiligten wirken nicht immer durchdacht, oft wird improvisiert, kopf- und planlos gehandelt, was der ruhigen Inszenierung widerspricht. Ein gewisser Drang zum groben Realismus, der ungeschminkten Wahrheit scheint sich immer wieder im Film durchdrücken zu wollen, die Ausgangslage ist ein wenig der Beginn von In einem Sattel mit dem Tod (1971) und das Ende von Der Verwegene (1967), man geht aber weder in die Exploitation vom Ersteren noch den spröden Naturalismus vom Letzteren, sondern bleibt im Gefilde des Independenz, hier zusätzlich mit politischen und religiösen Bezügen (bzw. bald nervenden Sermon) geschmückten Actionwestern.
Frau Carano in der Hauptrolle meistert und schultert dabei das Geschehen durchaus ordentlich, ist wahrscheinlich auch für das Marketing und die Aufmerksamkeit der Käuferschar nötig bis zweckdienlich, hat aber natürlich aufgrund der Persona und der auch damit verbundenen Filmografie den Nachteil, dass die erbitterte Gegenwehr der Frau im Film nicht etwa überraschend kommt oder unsicher in den Erwartungen auch hinsichtlich des Ausgangs ist. Vor- und Nachteil der Besetzung liegen etwa gleichauf und eng beieinander, jemand Unbekanntes oder weniger als Heroine bereits 'abgestempelte' wäre für die Wirkung (der im Grunde aussichtslosen Situation auch: mehrere Attackierende, der Munitionsvorrat geht aufgrund vielerlei Angriffe und Gegenaktionen irgendwann zur Neige, die Grundbedürfnisse müssen gestillt werden, und: "She can't shoot for jack shit.") höchstwahrscheinlich zwingender gewesen. Die Darstellerin ist demnach in Ordnung, nicht überragend, und sie verschwindet nicht hinter dem Bild, dass der Zuschauer bereits von ihr hat und was er auch nach diesem (an Gewalt relativ ergötzenden, zunehmend auch redundant scheinenden) Film von ihr haben wird.