Review

iHaveCNit: Im Westen Nichts Neues (2022) – Edward Berger – Netflix
Deutscher Kinostart: 29.09.2022 / Netflix-Start: 28.10.2022
gesehen am 07.10.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Parkett - Reihe 4, Sitz 9 – 20:30 Uhr

Für mich ist es mittlerweile Pflichtprogramm geworden, den deutschen Oscarbeitrag zu sichten. Hier hat es sich Deutschland bei einem interessanten Teilnehmerfeld dann doch sehr einfach gemacht. In Zeiten, in denen Streaming-Angebote mittlerweile auch bei den Oscars zugelassen sind und auch in den letzten Jahren Antikriegsdramen wie „Dunkirk“ und „1917“ ihren Platz bei den Oscars gefunden haben, ist es natürlich eine sehr einfache und sichere Wahl, die deutsche Netflix-Produktion „Im Westen Nichts Neues“ zu nominieren, die nicht nur eine Neuverfilmung des Oscarpreisträgers „All Quiet On The Western Front“ von 1930, sondern auch die erste deutschsprachige Verfilmung des gleichnamigen Romans von Erich Maria Remarque ist. Vorweg gesagt – den Film aus 1930 habe ich durch den Bestandteil des Geschichtsunterrichts damals nur noch sehr bruchstück- und schemenhaft in Erinnerung und auch Remarques Roman hat bis jetzt noch nicht den Weg zu mir gefunden, womit ich die aktuelle Verfilmung relativ unvoreingenommen bewerte.

Es ist 1917, wir befinden uns im 3. Kriegsjahr des ersten Weltkrieges. Angetrieben von Stolz, Ehrgeiz und der sehr effektiven Propaganda des deutschen Kaiserreichs melden sich der junge Schüler Paul Bäumer und seine Klassenkameraden Albert, Frantz und Ludwig freiwillig zum Dienst an der Front – ohne zu ahnen, was für ein Schrecken und Sadismus sie an der Westfront erwarten wird.

Mir hat „Im Westen Nichts Neues“ gut gefallen. Da sich in den letzten Jahren auch Filme wie die oben bereits genannten „1917“ und „Dunkirk“ in meinen Bestenlisten befunden haben, ist „Im Westen Nichts Neues“ eine sichere Bank. Der Film ist unfassbar gut ausgestattet und sieht auch visuell und handwerklich bis auf wenige eher befremdlich wirkende visuelle Effekte unfassbar gut aus. Gerade aus aktueller Sicht kann man den Film als deutschen Bruder im Geiste von Sam Mendes „1917“ sehen, zwar ohne die durchgehende Plansequenz eines von mir sehr geschätzten Roger Deakins, dafür aber mit einem ähnlich immersiven Erlebnis des Schreckens an der Front und den sich dort abspielenden, fast nihilistischen Grabenkämpfen, die in einer Gewalt und Brutalität dargestellt werden, so dass es auch an Spielbergs „Saving Private Ryan“ erinnern kann. Eingebettet ist der Film in einen sehr minimalistischen und zeitgleich befremdlichen als auch bedrohlichen, brutalen Score. Der junge Felix Kammerer macht eine großartige Figur in seiner ersten großen Hauptrolle und an seiner Seite hat mich vor allem mal wieder Albrecht Schuch in der Rolle des Stanislaus Katczinsky begeistert, da Schuch für mich in den letzten Jahren einer der aufregendsten deutschen Charakterdarsteller und einer meiner Lieblingsdarsteller geworden ist. Jedoch wird die immersive Erfahrung des Films immer wieder punktuell gebrochen. Das ergibt durchaus Sinn um etwas Luft zu holen, aber die Verhandlungen und die Politik im Hintergrund, so sehr sie die Sinnlosigkeit der gesamten Situation unterstreichen mögen, wirken ein wenig wie ein leichter Fremdkörper im Film. Trotz allem hat mir der Film gut gefallen und ich habe ihn mir trotz seiner Veröffentlichung auf Netflix auf dem doch weitaus besseren Medium angesehen – einer großen Kinoleinwand mit dem starken Kinosound.

„Im Westen Nichts Neues“ – My First Look – 8/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme