Ja, der Film ist intensiv, ja, dieser Film zeigt die Gräuel des Ersten Weltkrieges wohl so detailliert und beängstigend, wie kein anderer Film zuvor. Aber reicht das denn? Im Gegensatz zur Buchvorlage lässt mich der Film auf der emotionalen Ebene dann doch erschreckend kalt, was zunächst auch daran liegt, dass alle Figuren relativ schwach eingeführt werden. Das passt dann zwar zum Ersten Weltkrieg, indem Menschen irgendwann nur noch reines Material gewesen sind und entspricht auch irgendwie dem Gesamtbild dieses Films am Rande des Endzeitkinos mit bedrückender Soundkulisse, aber: Im Vergleich mit den großen Kriegsepen der Filmgeschichte wird dieser leider nur eine Randnotiz bleiben. Um einen wirklich guten Antikriegsfilm zu erschaffen, muss man dann doch etwas mehr leisten als eine bloße Aneinanderreihung von sterilen, kalten, brutalen Bildern und einigen wenigen aufgeladenen Symboliken.
Die Waffenstillstands-Episode im Wald von Compiegne rund um die Verhandlungen von Marschall Foch und Matthias Erzberger, die den Beginn der Dolchstoßlegende der Deutschnationalen Kräfte markiert, hätte man genauso wie die oberflächlichen Einblicke in die militaristische Gedankenwelt eines fiktiven deutschen Generals komplett weglassen können. Das wirkt nur wie der dilettantische Versuch dem Film historische Tiefe zu verleihen.
Der Hauptprotagonist wirkt hier beliebig, austauschbar, wird zu einem unter vielen, da Charaktertiefe auch mangels guter Darstellerleistungen kaum vorhanden ist. Da wird zusammen im Graben gewimmert, bei der Feuerpause gelacht und zusammen gestorben, aber Paul Bäumer wandelt im Grunde seelenlos wie der Krieg selbst durch grausame Bilder voller Blut, Leichenteile und Stahl umher, ständig unterbrochen von oberflächlichen Episoden mit Guido Knop Doku Charakter und am Ende weiß Paul ebenso wie der Film selbst nicht so wirklich wo er eigentlich ankommen will. Das pathetische Ende geschenkt, das hat mich eigentlich nur wütend gemacht.
So wird dieser Film der Buchvorlage leider nicht gerecht.
5/10