Heute, wo Krieg, Militarismus und Nationalismus auf fatale Weise wieder salonfähig geworden sind und die Aktien der Rüstungskonzerne steigen lässt, zeigt dieser Film, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Erich Maria Remarque, wieso viele Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts einst gerufen haben: „Nie wieder Krieg“ und Politiker wie Helmut Schmidt sagten: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schießen.“ Der Mensch von heute erlebt hier im Film, wie es ist, wenn man nur eine belanglose Nummer in einem maschinellen Vernichtungskrieg ist, in dem der einzelne Mensch kaum etwas ausrichten kann und die Nationen wie Schlafwandler hineintaumeln, bis die Logik des Kriegs das Zepter des Handelns übernimmt. Der erste Weltkrieg war nach neusten Erkenntnissen 1914 schon entschieden, wurde aber, aber, weil auf allen Seiten genügend Kriegs- und Menschenmaterial vorhanden war, erbarmungslos weitergeführt. Macht es die erste deutsche Verfilmung des Stoffs aber deshalb zu einem guten Film? Nein. Anders als die bahnbrechende erste Verfilmung von 1930 vertraut sie nicht auf ihren Schauplatz, sie erfindet neue hinzu. Die Verhandlungen mit dem späteren Zentrumspolitiker Matthias Erzberger etwa, wenngleich gut gespielt von Daniel Brühl, reißen den Zuschauer immer wieder aus dem Geschehen und nehmen ihm seine Eindringlichkeit. Oder der Eierklau mit anschließender Szene im Wald, oder die Offensive vor dem Waffenstillstand, die es nie gegeben hat. Durch das neue Ende der Hauptfigur wird dem Stoff die nötige, hoffnungsvolle Poesie genommen und die stärkste Szene der Erstverfilmung getilgt. Dafür funktioniert der Film gut in der Darstellung der Kriegshandlungen: Panzer rollen als Todesmaschinen über die Schützengräben, Bomben detonieren, es wird vielfältig gestorben. Das duftende Taschentuch des Mädchens wird der einzige Lichtblick in der Manege des Todes. Trotzdem wirkt all das irgendwie unecht, künstlich und merkwürdig fremd. Die vielen Einstellungen von sonnendurchfluteten Baumwipfeln irgendwie angestrengt und so oft schon gesehen. Viel besser hat das in allen Punkten Christopher Nolans DUNKIRK (2017) gemacht. Nicht nur, dass hier auf 65mm-Filmmaterial gefilmt wurde und man versuchte, alle Effekte so echt wie möglich zu gestalten, auch die Kameraführung ist dem neuen IM WESTEN NICHTS NEUES deutlich überlegen. In DUNKIRK erleben wir den Krieg am eigenen Leibe, wir ersticken und ertrinken mit den namenlosen Protagonisten in den Flugzeugen und Schiffen. Ein ungeheures, immersives Erlebnis, bei dem die Farbe rot so gut eingesetzt wurde wie lange nicht mehr. Trotz der Kritikpunkte ist Edward Bergers Film trotzdem sehenswert, weil er durchaus ambitioniert und so aktuell ist. Der richtige Film zur richtigen Zeit.