Erich Maria Remarque verfasste den 1929 in Buchform erschienenen Roman nicht ohne die Eindrücke, die sich ihm selbst im Ersten Weltkrieg an der Westfront boten. War sein eigener Einsatz kurz, ließ er sich von Soldaten berichten und sammelte für seine Geschichte, die als Klassiker der Antikriegsliteratur gilt, deren Erfahrungen und Gedanken ein.
Die nun unter der Regie von Edward Berger entstandene Verfilmung fasst Motive aus der Vorlage zusammen, konzentriert sich dabei auf die Erlebnisse des jungen Paul Bäumer, der durch die patriotischen Reden an seiner Schule motiviert an die Front marschiert. Für Kaiser, Gott und Vaterland. Es dauert nicht lange, bis sich nach der Ankunft Ernüchterung und Schrecken breitmachen.
In den zweieinhalb Stunden, die in überwiegend tristen Farben, Dreck und Blut gehalten sind, bekommt man das zu sehen, was das Genre hergibt. Die Totalen über die Schlachtfelder, den Kampf in den Schützengräben, Kameradschaft, Matsch, die Stille vor dem Sturm und dann eben diesen. Dabei lässt die Neuverfilmung keinen Zweifel an der Aussage, hier gibt es nichts zu holen, da können die Oberen in ihren gepolsterten Sesseln noch so oft von Ehre faseln.
Die freundschaftlichen Bande, die entstehen und wieder zerrissen werden, sie ordnen sich alle der Sinnlosigkeit des hier bebilderten Unterfangens unter. Mitunter grob und ohne falsche Zurückhaltung zeigt Berger, wie der Mensch sich seinesgleichen nun mal gegenüber verhält, wenn zerschossen, zermatscht oder verbrannt wird. Da fällt es schwer, für irgendjemanden Sympathie aufzubringen, aber das muss man hier auch gar nicht, denn es geht um das Gesamtbild, die Aussage. Da schwingt nichts Heroisches mit, kein Stolz.
Wobei hierbei nicht verschwiegen werden sollte, dass es erhebliche Änderungen zur Buchvorlage gibt. Dies betrifft nicht nur Figuren, ganze Handlungsstränge wurden nicht in den Film übernommen (Ausbildung, Heimaturlaub), andere Elemente wurden neu in die Erzählung eingebracht (Verhandlungen, General Friedrich etc.). Und da bleiben dann doch gemischte Gefühle zurück, denn gerade letztere Szenen reißen doch immer wieder aus der eigentlichen Handlung, schaffen andererseits aber einen den Irrsinn verdeutlichenden Kontrast. Leider hat es die direkte Einbindung des Titels, die im Kontext eine so bittere Bedeutung hat, nicht in das Werk geschafft.
So nimmt Berger die deutsche Perspektive ein, schildert diese ernüchtert und mit Abscheu. Das ist richtig, schafft aber auch eine Distanz. Nicht zu dem Szenario, aber zu den Figuren. Das Ensemble spielt eindringlich, es stechen Felix Kammerer als Paul Bäumer und Albrecht Schuch als Stanislaus Katczinsky heraus. Letztlich verschwimmen alle in einem Nebel, der über durchlöcherte Ebenen wabert mit Geschrei aus allen Richtungen. Die Kampfhandlungen sind immersiv gestaltet, man fühlt sich hineingezogen, die Kamera folgt und verfolgt.
Die Bilder und der Sound sind wuchtig, die Ausstattung ein Hingucker. Beim Soundtrack, der durchaus ansprechende Passagen hat, wirkt die immer wieder eingebrachte „Dreitonfolge“ nicht der Epoche entsprechend und wie ein Fremdkörper. Im Gesamten ist die audiovisuelle Präsentation aber mehr als gelungen.
Die Frage nach dem Sinn stellt sich wohl nicht. Weder, ob es eine dritte Verfilmung des Stoffs gebraucht hätte, noch nach dem transportierten Inhalt. Man muss beides nicht beantworten, der Film und das Szenario, das Erlebte und Traumatisierende sprechen hier für sich. Trotz einiger Änderungen im Hinblick auf die Vorlage ein weiteres Mahnmal, wohin dümmlicher Nationalstolz führen kann und dafür, dass die, die den ganzen Scheiß angezettelt haben, in der Regel am Ende nicht mit dem Gesicht nach unten im Dreck liegen.