Gleich vorweg, dieses Review ist voller SPOILER!!!
Wer den Film in aller Ruhe genießen will, sollte nicht weiterlesen.
Paul Bäumer und seine Klassenkameraden werden in der Schule durch eine feurige Ansprache rekrutiert, um für den Kaiser in den großen Krieg zu ziehen.
An der Westfront eingesetzt, erleben Paul und seine Kameraden die wahre Hölle des Krieges.
Paul freundet sich mit dem alten Hasen Katczinsky an, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Während Pauls Klassenkameraden einer nach dem anderen fallen, bleibt Paul am Leben.
Gleichzeitig finden zwischen Deutschen und Franzosen, Friedensverhandlungen statt um den Wahnsinn zu beenden.
Um es vorweg zu nehmen, mir hat der Film gut gefallen.
Allein schon die Anfangsszene, als ein junger Soldat beim Angriff stirbt, den Toten bevor sie im Massengrab landen, die Kleidung abgenommen wird, diese Gewaschen und genäht wird und dann Paul bei der Rekrutierung überreicht wird ist grosses Kino. Schon hier wird die Sinnlosigkeit des Krieges deutlich.
Die Hauptfiguren Paul und Katczinsky sind gut gespielt und die Ausstattung des Films ist toll. Leider bleiben die anderen Figuren in meinen Augen recht blass.
Die Kriegsszenen sind realistisch und brutal umgesetzt. Der Schlamm, der Dreck, die Toten, es ist erschreckend und fängt die Realität der Westfront gut ein.
Herausgerissen aus dem Film hat mich jedoch der Teil über die Friedensverhandlungen. Ich fand ihn deplatziert. Das Ende des Krieges und der letzte Sturm der Deutschen, wäre auch ohne diese Szenen umsetzbar gewesen.
Kommen wir nun zum Teil, bei dem ich zwiegespalten bin…
Der Film ist eine Neuverfilmung von Remarques berühmten Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" und deswegen bin ich enttäuscht!
Vom Roman bleibt leider wenig übrig!
Die Rekrutierung in der Schule, die Szene im Granattrichter und einige Figuren sind Motive die sich so im Buch finden lassen.
Es fehlen die harte Ausbildung zum Soldaten, der sadistische Ausbilder Himmelstoß, der später selbst an der Front landet und plötzlich kein so harter Hund mehr ist.
Es fehlt der Heimaturlaub, bei dem Paul sich nach den Schrecken des Krieges so deplatziert fühlt. Seine Verletzung und seine Zeit im Lazarett.
Es fehlt der bedrückende Teil mit den schönen Stiefel von Pauls Schulkameraden, die jedem Träger nur den Tod bringen.
Die Neuverfilmung ist, wie bereits gesagt, wirklich gut, dem Roman gerecht wird er nicht!
Auch das Ende...
Paul stirbt an einem so ruhigen Fronttag, dass im Eintrag des Heeresberichts nur steht, im Westen nichts Neues...
Im alten Film visuell kraftvoll umgesetzt, indem er bei all dem Tod nach dem einzig schönen, einem Schmetterling, greift. Und ihn dann eine Kugel niederstreckt.
Im neuen Film rettet er einen Jungen in der letzten großen Schlacht, der letzte Ansturm der deutschen Armee während des Waffenstillstandes, das Leben und stirbt dann genau vor Kriegsende sinnlos.
Eine starke Szene, die aber der kurzen beiläufig Erwähnung von Pauls Tod am Ende des Buches nicht das Wasser reichen kann.
Was bleibt, ist ein starker deutscher Antikriegsfilm, dem ich 8,5 von 10 Punkten geben will.
Der Buchverfilmung kann ich jedoch nur 3 von 10 Punkten geben, da sich die Romanvorlage hier meist nicht mehr erahnen lässt.
Fazit: Der Film ist ein sehr gelungener Antikriegsfilm über den ersten Weltkrieg und eine sehr schwache Romanverfilmung, da sie nur noch wenig mit der Vorlage gemeinsam hat!