Psychoduelle zünden am ehesten, wenn ein unerwarteter Knall das Machtspiel mit Nachhaltigkeit beendet. Dieser Maxime schien auch das Drehbuch von Co-Autor und Regisseur Anders Rønnow Klarlund zu folgen, der sein kammerspielartiges Treiben auf mehrere Wendungen auslegt.
Die renommierte Psychologin Susanne (Signe Egholm Olsen) empfängt eines Tages einen unbekannten Klienten namens Mark (Anton Hjejle). Bereits nach kurzer Zeit in der Sitzung erfährt sie, dass Mark ein gesuchter Serienkiller ist, der im Großraum Skandinaviens drei schwangere Frauen tötete und ihnen den Fötus entnahm. Noch ahnt Susanne nicht, worauf der Killer eigentlich hinaus will…
Der dänische Thriller spielt zu 90 Prozent im immerhin großzügig eingerichteten Behandlungszimmer der Therapeutin und bildet über weite Teile ein Machtspiel auf Grundlage von Dialogen. Angereichert wird das Geschehen mit diversen Rückblicken, welche einige Hintergründe zu Mark offenbaren, aber auch manche nicht unwesentliche Details über Susannes Werdegang. Die Konstellation gestaltet sich anfangs durchaus spannend, zumal von Mark eine unberechenbare Ausstrahlung ausgeht.
Doch je länger das Spiel andauert, umso einseitiger gestaltet es sich. Von einer erfahrenen Psychologin würde man trotz emotionaler Befangenheiten mehr Aktivität erwarten, gleichermaßen mehr Professionalität, um dem jungen Gegenüber etwas entgegen zu setzen, anstatt sich weitgehend passiv einlullen zu lassen. Auch die vagen Versuche von Flucht oder Gegenwehr gestalten sich auffallend zaghaft, was die Überlegenheit des Klienten einmal mehr unterstreicht. Im Verlauf wird, trotz einiger Wendungen ein Mangel an Dynamik deutlich, während Themen über Verantwortung oder Schuld zu wenig in die Tiefe gehen.
Handwerklich ist dem Thriller wenig anzukreiden, denn er bleibt angemessen bodenständig und weiß während der morbiden, leicht blutigen Szenen in Nebenhandlungssträngen mit einer düsteren Atmosphäre zu überzeugen. Auch darstellerisch ist wenig anzukreiden, denn Olsen holt noch relativ viel aus ihrer weitgehend passiv angelegten Figur heraus, während Hjejle zuweilen ein wenig drüber performt und feine Nuancen vermissen lässt.
Die finalen Minuten unterstreichen derweil, dass die Chose komplett auf den letzten Twist zugeschnitten ist und sich einige arg konstruierte Begebenheiten erlaubt, mit denen es sich der Stoff schlicht zu einfach macht. Insofern zündet der anberaumte Schlag in die Magengrube des Betrachters allenfalls bedingt, obgleich einige Details einen schlüssigen Hintergrund ergeben.
Fans von Kammerspielen und Psycho-Duelle können gegebenenfalls auf ihre Kosten kommen, denn die Rahmenbedingungen stimmen, die Prämisse ist einladend und bis zur Hälfte der Geschichte werden einige spannende Fragen aufgeworfen. Doch die Einseitigkeit des Treibens enttäuscht ebenso wie der finale Twist, der in Sachen Glaubwürdigkeit eher in die Achtziger gepasst hätte. Folgerichtig mit nicht allzu hohen Erwartungen herangehen.
Knapp
6 von 10