Staffel 1 - 8,5/10
Staffel 1
Retrofuturfeministicpowerhouse
Als ich vor ca. 5 Jahren angefangen habe mich endlich tiefer mit Comics und Graphic Novelles zu beschäftigen, fängt man gewöhnlich bei den Schwergewichten wie „Watchmen“ oder „Maus“ an. Aber natürlich rutschen bei neuen Hobbies auch mal kleinere oder gerade angesagte Tipps in den noch taufrischen Kosmos. Und genau eine solche Reihe war damals „Paper Girls“. Und seitdem liegen mir diese vier toughen Zeitungsausträgerinnen zwischen Zeitreisen und Coming-of-Age extrem am Herz. Umso mehr Angst hatte ich vor der recht plötzlich auftauchenden Amazonserienfassung - aus etlichen Gründen, vom notwendigen hohen Budget über die besondere Farbgebung der Comics bis hin natürlich zu den enorm wichtigen Besetzungen der Mädels. Da hätte verdammt viel schief gehen können. Daher schob ich das Teil immer weiter bis an's Jahresende. Dabei hätte ich mich ruhig eher trauen können - denn diese Umsetzung ist den kultigen Comics würdig! Erzählt wird von vier sehr unterschiedlichen, ca. 12-jährige Mädels, die am Morgen nach der Halloweennacht '88 auf ihren BMX-Bikes Zeitungen austragen und sich langsam bis skeptisch kennenlernen. Doch plötzlich tut sich der Himmel lilafarben auf und es geschehen seltsame Dinge - es entspinnt sich ein Plot, der sich Jahrhunderte in jedwede Richtung erstreckt und die vier jungen Damen näher zusammenrücken lässt als sie es je geglaubt hätten!
Was kommt den Comics schon erstaunlich nah und ist richtig gut umgesetzt?
+ alle vier jungen Darstellerin passend besetzt und einfach klasse
+ nicht nur Coming-of-Age-Klischees
+ Retrofeeling (aber nicht zu viel)
+ „Terminator“ trifft „Breakfast Club“ trifft „Stranger Things“?
+ Farbgebung kommt der Vorlage nah und hat seine Momente
+ meist unberechenbar
+ sehr cooler Soundtrack
+ nicht nur die 80er
+ erzählt schon ein großes Stück der Comicreihe
+ von Dinos über Riesenroboter bis zu Doppelgängern gibt’s Überraschungen an jeder Ecke
+ modern und woke, aber sehr organisch und unaufdringlich in dieser Beziehung
+ absoluter Geheimtipp; kein Hype gehabt
+ sehr guter Flow, bleibt man neugierig am Ball
+ man verbringt einfach mit jedem der Mädels gerne Zeit
+ bei allen vier gibt’s packende und authentische Charakterentwicklungen
+ sich nicht zu schade auch „gute“ Figuren sterben zu lassen
+ bleibt seiner Vorlage treu und setzt geschickt neue Druckpunkte
+ wirkt recht filmisch und durchdacht
+ funktioniert sowohl als TV- wie als Comicserie
+ wilder Sci-Fi-Mystery-Mix
+ könnte noch aufgekauft und doch fortgesetzt werden
+ feminin und fun
+ man spürt, dass die Macher der Comics involviert waren
+ alles andere als nur perfekte Teenager und Menschen
+ nicht Style over Substance
Und wofür hat’s in der TV-Umsetzung dann doch nicht ganz gereicht?
— Muster und Art kommen einem auf den ersten Blick bekannt vor
— Farbgebung etwas simpel und „filterhaft“
— endet schon relativ offen und unvollständig
— manchmal wäre etwas mehr Budget sicher sinnvoll bis unumgänglich gewesen
— Zeitsprunghaftigkeit kann Neueinsteiger verwirren
— wurde schon nach dieser ersten Staffel abgesetzt
— rebellisches Figurenverhalten kann teilweise nerven (Mac z.B.)
Fazit: oft habe ich bei einer meiner liebsten Comicreihen der letzten Jahre gedacht: wie sollte man das verfilmen, daraus eine Serie machen, wie würdest du selbst „Paper Girls“ umsetzen? Und ich muss zum Glück sagen: HELL YEAH, das coole Ding wurde nahezu perfekt umgesetzt! Selbst wenn ich (erst recht jetzt wo die Serie wahrscheinlich nicht fortgesetzt wird) dennoch jedem zuerst die Comics empfehlen würde. Aber eigentlich egal in welchem Medium: ich liebe diese Mädels! (8,5/10)