Drei Gangster nehmen die junge Grace nach einem Raubüberfall als Geisel. Als ihr Wagen im Nirgendwo liegenbleibt, gelangen sie zu einer Ranch und direkt in die Hölle.
Ryûhei Kitamura lässt die Fetzen fliegen und macht, was ihm am meisten Freude zu bereiten scheint, er saut ordentlich rum.
Dabei beginnt er seinen Film sehr bodenständig und auffallend blutleer, dafür aber mit sauber aufgebauter Atmosphäre und Spannung. Ein treibender Score unterstützt die exzellente Kameraarbeit, so dass die erste Hälfte des Films richtig Spaß macht. Lediglich die Dialoge (und die Synchro) hätten etwas ausgefeilter sein dürfen. Dennoch sind die Spannungen innerhalb der Gruppe deutlich spürbar und eine Eskalation steht zu erwarten.
Dann aber ist die Gruppe auf der Ranch und Kitamura wechselt von stimmungsvollem Suspense zum Folter-Horror, schneidet Herzen heraus und Kehlen auf, öffnet Brustkörbe und lässt Köpfe platzen. Und obwohl er auch mal eine Tonne vor das hörbare Gemansche stellt, ist das so drastisch dargestellt, wie es klingt.
Mit der Folter setzt aber auch erstmal ein ordentliches Maß Langeweile ein, denn Splatter killt bekanntermaßen jegliche creepy Atmo, ersetzt sie bestenfalls durch unangenehme Gefühle. Davon ab. wird zunächst nichts geboten, was in Saw, Hostel oder ähnlichen Vertretern selbiger Gattung nicht bereits ausgiebig zelebriert wurde.
Es braucht eine Weile, bis Gegenwehr einsetzt, viel zu spät angesichts der Geschätzigkeit des Folterers, der nach jedem zweiten Wort eine Pause macht, als müsse er überlegen, was er sagen wollte. Please wait, loading...
Die folgende Gegenwehr ist dann teils absolut hanebüchen, kämpft doch jemand mit einer Verletzung, die quasi bewegungsunfähig macht (ich spreche da mit ein bisschen Erfahrung), aber immerhin nimmt die Story wieder Fahrt und auch etwas an Spannung auf. Und der kreative Einsatz von Stacheldraht ist dann doch mal echt bemerkenswert.
Nun mag ich Stephen Dorff, gleichwohl er regelmäßig Gurken abliefert und nie einen Oscar auf seinen Kamin stellen wird. Aber er spielt eigentlich immer solide und hat hier zusammen mit Emile Hirsch, dem zweiten männlichen Hauptdarsteller (den ich nicht mag), sogar als Produzent fungiert. Vernon Wells hat zwar noch sowas wie einen Namen, tappt hier aber wie auf Droge durch die Geschichte (siehe Pausen beim Sprechen).
Mit einer etwas besseren, mehr auf Suspense als auf Splatter setzender Story hätte das ein geiler Thriller werden können. Musik und Kamera sind top. Ja, die Effekte können sich richtig sehen lassen, aber Kitamura sollte vielleicht mal mit anderen Ideen an seine nächsten Projekte herangehen. Er kann das nämlich, nur ertränkt er das in Blut.
Top erste Hälfte, rot gefärbte zweite Hälfte mit Splatter satt. Für Gorehounds und Fans von Folter-Horror.