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Der irre Serienkiller-Pantomime Art erwacht, obwohl er sich gerade erst das Hirn weggeschossen hat (siehe den Vorgänger), in der Miles County-Leichenhalle wieder zum Leben, meuchelt den anwesenden Pathologen und verschwindet darauf hin spurlos. Ein Jahr später taucht der Psycho-Clown wieder aus der Versenkung auf und wirft nun pünktlich zum Jubiläum des damaligen Massakers an Halloween ein Auge auf die junge Sienna sowie deren Familie und Freundeskreis. Natürlich dauert es auch nicht lange, bis die übernatürliche Schreck-Gestalt mit der Grinse-Fresse wieder einen beachtlichen Berg an Leichen anhäuft... Es kommt jetzt ja nicht so häufig vor, dass sich die Kritiker einem Horrorfilm aus dem härteren Segment relativ wohlwollend nähern und diesen dann generell eher positiv besprechen, aber genau das ist kurioserweise bei "Terrifier 2" der Fall gewesen, dem Sequel zu Damien Leones eigenem Low-Budget-Slasherfilmchen von 2016, welches im Gegensatz zu dem Vorgänger durch Mund-zu-Mund-Propaganda in den USA einen kleinen Hype ausgelöst und sich dort zu 'nem achtbaren Box-Office-Erfolg gemausert hat... achtbar genug, dass man dem Film nun sogar hierzulande einen Kino-Start spendiert hat und das sogar in ungekürzter Form. Sachen gibt's. Und verdient hatter's auch, denn "Terrifier 2" ist auf jeden Fall eine der raren Fortsetzungen geworden, die besser sind als der erste Film, denn Leone dreht nach dem Motto "Mehr ist mehr!" mal volle Kanne auf und liefert dank höherem Budget tatsächlich in allen Belangen mehr ab: Mehr Blut, mehr Spaß und - am augenfälligsten - mehr Laufzeit, denn mit einer Länge von ungefähr 140 epochalen Minuten gerät die Chose beinahe schon zum "Vom Winde verweht" des Slasherfilms (na ja, fast). Dass diese kolossale Masse an Film angesichts der äußerst dürftigen Storyline nicht durchgängig mit genrekonformen Inhalten gefüllt werden kann und es zwischendurch auch mal zwei oder drei Stellen gibt, an denen die Angelegenheit durchhängt, ist klar, allerdings kommt man doch nicht umhin, angesichts der Chuzpe, mit der Damien Leone kompromisslos seine Kopfgeburt auf die Leinwand gewuchtet hat, irgendwie den Hut zu ziehen... andere Regisseure hätten die Chose eventuell auf verträglichere anderthalb Stunden zusammengestutzt, dieser hier pfeift einem was, das imponiert mir schon. Und fairerweise muss man auch erwähnen, dass es schon kürzere Filme gab, die sich länger angefühlt haben. Zumindest dürfte er es nun endlich gepackt haben, seinen Killer-Clown Art (von Darsteller David Howard Thornton wieder mal kongenial gemimt) nach mehreren Anläufen auf breiter Ebene ins Bewusstsein des Publikums zu drücken und ihn endlich als Freddy Krueger-esken Horror-Hero zu etablieren. Die im Vorfeld kolportierten Geschichten von kotzenden und in Ohnmacht fallenden Zuschauern während Kino-Vorführungen in den USA entpuppen sich nach Ansicht zwar (wie erwartet) als heiße Luft, aber eins steht doch mal zweifelsfrei fest: In seinem Bereich ist "Terrifier 2" sicherlich die Schlachtplatte des Jahres, doch sich heutzutage noch über die in übertriebener (Fun-)Splatter-Manier präsentierten und breit ausgewalzten Grausamkeiten zu echauffieren, hieße, den Witz hinter der Angelegenheit nicht kapiert zu haben. In dieser Hinsicht betrachtet ist das hier doch irgendwie ein legitimer Erbe von Sam Raimis "Tanz der Teufel", der ja auch jahrzehntelang ob seiner vordergründigen Blutrünstigkeiten gescholten wurde, bevor den Leuten so allmählich mal ein Licht aufgegangen ist, dass das alles vielleicht doch gar nicht so ernst zu nehmen ist, wie es zunächst den Anschein hat. Nun ja, die "coolen" Kids von heute haben jetzt, nachdem "Tanz der Teufel" durch seinen ungeschnittenen Re-release mit Jugendfreigabe entmystifiziert wurde, jedenfalls 'nen neuen Streifen, durch den sie durch müssen. Das ist ja auch nett. Ach ja, vielleicht das größte Kompliment, das ich Damien Leone und seinem "Terrifier 2" noch machen kann: Bei so manch anderem Genre-Mist hätte mich die Aussicht auf einen dritten Teil, welcher hier in der mitten in den End-Credits platzierten letzten Szene hart angeteasert wird, nicht unbedingt in Wallung gebracht... aber in diesem Fall sage ich: Bring it on!

8/10

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