Review

Das ist Art, das kann (nicht) weg!


Dem aktuellen und modernen Horrorkino fehlen die Ikonen, die Gesichter, die Stars. Eigentlich eine These, der ich zustimmen kann. Es sind halt nicht mehr die glorreichen 80er - in denen aber natürlich auch nicht alles Gold war, was rot blutete. Dennoch hat sich da zum Glück vor ein paar Jahren Art, der Clown, ins Genrerampenlicht gemordet, als er rund um Halloween Blondinen halbierte und Schädel einschlug. Ein neuer Instant Favorit der Community, selbst wenn das Original sicher auch kein Meilenstein seiner Art war. Nun ist er in „Terrifier 2“ zurück - mit mehr Opfern, mehr (aber immer noch erstaunlich wenig) Budget, mehr Retrofeel, mehr Kills und mehr Lauflänge. In einem der (überzogen) härtesten Slasher aller Zeiten. Und einer vielversprechenden Gegenspielerin, sehr wehrhaften Screamqueen, einem schlagkräftigen Final Girl, das dem sadistischen, sprachlosen Grinsedämon (?) endlich mal Paroli bieten könnte…

Lachen oder Abschalten? 

„Terrifier 2“ hält und übertrifft, was man sich von ihm verspricht. Das ist fast Fakt. In jeder Beziehung. Klar ist es auch hier mehr oder weniger nur eine Aneinanderreihung von Gewaltszenen, fast eine Art Goreporn. Und über weit mehr als zwei Stunden ist das schon eine ungewöhnlich mutige Ansage. Und dennoch geht die Rechnung auf für Damien Leone und sein Team. Davor habe ich massiv Respekt. Art bleibt creepy, funny und weird zugleich. Der 80er-Look wird nochmal gesteigert (obwohl es im Vorgänger fast eher die 70er waren). Unsere sweete Heldin ist wie gesagt sehr brauchbar. Es ergibt sich ein teils surreales Gefühl zwischen Zirkus, (viel zu gedehnten) Träumen und eben den so mit brutalsten Kills seit langem. Art geht wirklich rigoros, barbarisch und sadistisch zur Sache, er scheint echt Spaß an den Schmerzen und Toden anderer zu haben. Hinzu kommen mehr Lore, mehr Hintergründe, mehr Basis für ein definitiv mögliches Franchise. Und ein paar der besten Goreeffekte, Masken und Prosthetics in der Branche. Wie hier gematscht und zerquetscht wird ist wirklich alle Splatterehre wert! All das macht „Terrifier 2“ auch losgelöst von seinem Hype zu einem Horrorhighlight 2022, bei dem man oft nicht weiß, ob man lachen oder sich fürchten soll. Ein starker Tanz auf dieser scharfen Rasierklinge. Und dass er für das deutsche Kino uncut durch die Prüfung kam, gleicht einem Wunder. Daher: gerne in einer bierseligen Gruppe mit Gleichgesinnten freitags zur Geisterstunde auf der Leinwand „genießen“. Art garantiert euch ein feuchtfröhlich-perverse Show! 

Fazit: länger, fieser, härter, lustiger, retro'iger, kranker - „Terrifier 2“ setzt eine klare Schippe drauf und kann fast als Goreepos bezeichnet werden. Dagegen verblassen die heutigen Versionen von Michael oder Jason oder Pennywise geradezu. Selbst wenn's nun auch klare Längen gibt. Dennoch: das moderne Grindhouse schlägt ein Zelt auf! 

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