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Der britisch-iranische Regisseur Babak Anvari taucht mit seinem dritten Spielfilm in die Gefilde eines waschechten Thrillers ein, der möglicherweise einmal als Mini-Serie konzipiert war. Denn anders lassen sich einige Zeitsprünge, die ohne jeden Kontext vollzogen werden kaum erklären.

Toby (George MacKay) und Jay (Percelle Ascott) sind Graffiti-Künstler und haben es sich zur Aufgabe gemacht, bei reichen Schnöseln in die Wohnung einzusteigen und ihr Logo “I Came By” (Ich war hier) zu hinterlassen. Als Toby an die Adresse des ehemaligen Richters Blake (Hugh Bonneville) gerät, steigt Jay aus, da er bald Vater wird. Allein in der Villa des Richters macht Toby eine schlimme Entdeckung, doch an wen soll er sich wenden, ohne dabei selbst ins Visier der Polizei zu geraten?...

Die Ausgangslage, um irgendwann im Domizil des Antagonisten zu landen, ist schon ein wenig merkwürdig, denn die Sprayer vollziehen Einbrüche, um den Reichen zu schaden. Eine wirkliche Botschaft verfolgen sie im Grunde nicht, wodurch speziell der 23jährige Toby eher wie ein spätpubertierendes Trotzkind rüberkommt. Und bezeichnenderweise hat seine Mutter (Kelly MacDonald), eine Sozialarbeiterin für Jugendliche, rein gar keinen Schimmer vom Tun ihres Sprösslings.

Der Bösewicht erläutert zwar im Verlauf die Beweggründe für sein Handeln, doch diese fallen ähnlich hanebüchen aus wie das komplett irrationale Verhalten einiger Nebenfiguren.
Dazu zählt natürlich einmal mehr die geballte Inkompetenz des Polizeiapparates, wogegen Blake stets unangenehm kontrolliert zu Werke geht. Die von ihm ausgehende Arroganz und Kaltschnäuzigkeit sorgen immerhin für eine leicht beklemmende Grundstimmung, wozu Bonneville mit seiner Präsenz in nicht unerheblichem Maße beiträgt.

Einige Zeitsprünge sorgen indes ein ums andere Mal für kleine Fragezeichen, wenn zwischen den Szenen plötzlich Wochen vergangen sind und sich dies erst im nachfolgenden Dialog herauskristallisiert. Mit kurzen Texteinblendungen hätte man das locker umgehen können.
Zudem versucht Anvari einige gesellschaftlich sensible Themen wie Homosexualität oder Einwanderungspolitik anzuschneiden, was in seiner teils naiven Vorgehensweise eher Längen schafft, anstatt zum Nachdenken anzuregen.

Mit einigen Konfrontationsmomenten kommt zwar zuweilen ein wenig Bewegung ins Spiel, doch der Stoff drückt weder sonderlich auf die Tube, noch neigt er zu blutigen Auseinandersetzungen, denn diese werden überwiegend ins Off verfrachtet.
Insofern nutzt Anvari das Potenzial nicht genügend aus, um dauerhaft bei Laune zu halten, zumal die rund 110 Minuten nicht ohne kleine Längen vonstatten gehen.
Das etwas zu hastig abgearbeitete Finale mit angemessener Pointe rettet zwar noch ein wenig, doch in Sachen Suspense und Originalität bleibt die Geschichte hinter ihren Möglichkeiten.
5,5 von 10

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