Das junge Pärchen Sofia und Nacho ist aus Mittelamerika nach Spanien gezogen, wo sich die beiden gerade eine Existenz aufbauen: während Nacho als Immobilienmakler arbeitet, hat sich Sofia (Cumelen Sanz) bei einer Modefirma verdingt. Ihrer Chefin Beatriz (Aitana Sánchez-Gijón) fällt die zielstrebige junge Frau schon bald ins Auge, sucht die alleinstehende Mittfünfzigerin doch nach einer ganz besonderen persönlichen Assistentin.
Kurz darauf ergibt sich die Gelegenheit: Sofia stellt fest, daß sie schwanger ist, verrät ihrem Partner jedoch nichts davon, da sie das Kind ihrer Karriere zuliebe abtreiben lassen will. Beatriz jedoch schlägt ihr einen ungewöhnlichen Deal vor: Sofia soll das Kind austragen und sie adoptiert es anschließend. Die Monate bis zur Geburt soll sie auf Beatriz´ abgelegenen Privatanwesen verbringen, von wo sie auch arbeiten kann; ihrem Freund, der davon auch weiterhin nichts wissen darf, soll sie von einer befristeten Stelle für die Firma in einer anderen Stadt erzählen. Anwaltlich beurkundet unterschreibt Sofia kurzentschlossen die Dokumente und zieht mit wenigen Sachen aufs Land. Dort jedoch lernt sie bald die Schattenseiten dieses goldenen Käfigs kennen und fängt an, ihre Entscheidung zu bereuen - doch ihre Chefin besteht auf der Erfüllung des Vertrages...
Das spanische Drama La Jefa verspricht anfangs ein sich langsam entwickelndes Psycho-Duell zwischen einer kühl kalkulierenden Selfmade-Chefin und einer fleißigen jungen Frau ohne Lebenserfahrung, verflacht dann aber zusehends in Nebensächlichkeiten und baut keinerlei Spannung auf. Erst ganz zum Schluß geht es ein wenig zur Sache, wobei der geneigte Krimifreund angesichts der wenigen, zudem dilettantisch abgehandelten Thriller-Elemente nur noch den Kopf schütteln mag.
Keine(r) der wenigen DarstellerInnen vermag Sympathiewerte zu verbuchen: weder die wortgewandte, wohlsituierte Beatriz, die offenbar beziehungsunfähig ganz allein mit einer älteren Hausangestellten auf ihrem Anwesen lebt, sich ab und zu einen Callboy gönnt und ihr Leben mit einem Kind krönen will, noch die forsche Sofia, die anfangs noch öfters in der Kirche beichtet, dann aber ohne groß nachzudenken des Geldes und der Karriere willen einen weitreichenden Pakt schließt (und diesen ihrem Freund Nacho verheimlicht), laden zum Mitfiebern ein. Darüber hinaus gleicht Sofias weiteres Verhalten, nachdem sie sich an gewissen Umständen auf dem Anwesen stört, der eines trotzigen Kindes, das sich einfach nicht an die (selbstgewählten) Spielregeln halten will - ein wohlbegründetes, auch das Publikum überzeugendes Aufbegehren sieht anders aus. By the way: die beiden männlichen Nebenrollen in diesem Frauenfilm bestehen ohnehin wie gehabt aus devoten Abnickern, die nichts zu sagen haben.
Nachdem die Logiklöcher immer größer werden - eine Person verschwindet (wieso und wohin?), die "Szene mit der Leiter" (um nicht zuviel zu verraten) ist physiologisch komplett undenkbar und auch die spurlose Beseitigung einer weiteren Person läßt viele Fragen offen - gibt es dann ein kaum überzeugendes blutiges Ende mit einem mehr oder weniger offenen Ausgang.
Was La Jefa für eine Aussage treffen will, sofern Regisseurin Fran Torres eine solche überhaupt angedacht hat, bleibt schleierhaft. Fazit: schwaches Drehbuch, schwache Darstellerinnen, keinerlei mitreißende Handlung - kann man sich getrost sparen. 2 Punkte.