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Nach außen hin sind sie eine geradezu perfekte Familie, doch hinter der Fassade kriselt es bereits seit einiger Zeit: der erfolgreiche Bauunternehmer Christian (Dar Salim) bewohnt mit seiner Frau Leonora (Sonja Richter) und dem gemeinsamen Sohn ein splendides Anwesen in einer ländlichen Gegend Dänemarks, doch nach all den Jahren hat sich zwischen den beiden Mittvierzigern eine eheliche Routine eingestellt, die den wenig spannenden Alltag bestimmt und keinerlei Freiräume mehr zuläßt. Während Leonora ihre einstigen musikalischen Ambitionen zugunsten der (erfolgreichen) Erziehung des gehandicapten Sohnes zurückgesteckt hatte, gelang Christian, der sich mit einem Kompagnon selbständig gemacht hatte, der berufliche Aufstieg in der Baubranche.
So weit, so gut, doch seit 6 Monaten hat Christian ein Verhältnis mit einer erheblich jüngeren Büromitarbeiterin, und als diese eines Nachts eine sms schickt, fällt dies der ahnungslosen Leonora natürlich auf - zumal Christian ihr partout nicht sein Handy zeigen will, sondern dieses an die Wand wirft und damit zerstört. Gleichsam irritiert wie auch verletzt stellt die Ehefrau daraufhin Nachforschungen an und findet ihren Verdacht dann schließlich auch bestätigt, als sich Christian auf einem abendlichen Empfang zwischenzeitlich mit der Jüngeren in einen Büroraum zurückzieht und dort eine Nummer schiebt.
Wie vom Donner gerührt beginnt die geprellte Ehefrau, die auf eine Karriere verzichtet hatte, jahrelang zuhause war, über keinen großen Bekanntenkreis und somit auch keinerlei Verehrer verfügt, maßlos enttäuscht in des untreuen Gatten Geschäftsunterlagen nach einem Druckmittel zu suchen - und wird auch tatsächlich fündig: einige Dokumente belegen u.a. Schwarzgelder in erheblicher Höhe, und eigentlich steht der nach außen hin erfolgreiche Christian in Wirklichkeit kurz vor der Pleite...

Der auf einem Roman basierende dänische Thriller Liebe für Erwachsene liefert reichlich Stoff für ein spannendes Psychodrama, scheitert im Endeffekt jedoch an einem nicht sonderlich geglückten Drehbuch und - wenigstens zum Teil - unpassend besetzten Darstellern.

Während der größte Teil des Films lange Zeit in der Gegenwart zu spielen scheint, erfährt man durch spätere, sehr kurze Einblendungen, daß die Geschichte eigentlich als lange Rückblende von einem die Untersuchungen leitenden Kommissar erzählt wird, der gerade mit seiner Tochter, die an jenem Tag heiratet, auf deren Terrasse sitzt - ein etwas ungewöhnlicher Kniff, der den Erzählfluß aber nicht weiter stört und der Buchvorlage geschuldet sein mag. Auch ein relativ früh vorgenommener zeitlicher Vorgriff auf ein kommendes Ereignis, als Christian nachts eine rot gewandete Joggerin absichtlich überfährt (eine Szene, die später noch einmal ausführlicher gezeigt wird) ist als spannungsförderndes Element nichts Ungewöhnliches.
Deutlich kritischer wird es dann bei der Umsetzung diverser Ereignisse, die sich zum Teil vollkommen losgelöst von jeglicher Umwelt (und damit Realität) ereignen - wie kann beispielsweise jemand nachts so schnell unbemerkt(!) in die Wohnung einer anderen Person eindringen? Was für Stümper arbeiten bei der örtlichen Polizei, denen es nicht gelingt, einen weißen Lieferwagen mit rumänischem Kennzeichen ausfindig zu machen? Wie könnnen die in jedem anderen Thriller so wichtigen Spuren eines (blutigen) Mordes so leicht verschwinden bzw. überhaupt keine Rolle spielen? Zu diesen Logiklöchern gesellt sich daneben noch eine kameratechnisch hundsmiserabel umgesetzte Leichenverbrennung sowie eine höchst merkwürdige Schlußfolgerung am Ende des Films.

Was die Darsteller betrifft, so hat sich Sonja Richter als Leonora ein Lob verdient: sie vermag die tief gekränkte Ehefrau in ihrer völlig durcheinander geratenen Gefühlswelt ganz hervorragend darzustellen - doch nicht die zu erwartende blinde Rache, sondern ein angemessener Ausgleich stehen auf der Agenda der stets mäßigend und trotz allem beherrscht auftretenden Leonora. Eine herausfordernde, facettenreiche Rolle, welche die Dänin mit Bravour meistert.
Ihr Partner Christian dagegen ist rollentechnisch ein völliger Reinfall: nicht nur, daß Dar Salim stocksteif und völlig emotionslos durch den ganzen Film stolpert, wirkt der irakischstämmige Darsteller, seit Jahren in zahlreichen Nebenrollen als glatzköpfiger Bösewicht bekannt und zuletzt auch in Hauptrollen wie Darkland (2017) oder Krieger (2018) durchaus überzeugend, hier komplett deplatziert. Zu seiner warmherzigen Frau hat er überhaupt keinen Draht, zu seinem Sohn und seiner Geliebten redet er nur in Gemeinplätzen und verräterische sms glaubt er allen Ernstes mit dem Zerstören des Handy-Displays erledigt zu haben. Ob er seine Rolle einfach nicht mochte oder ihn das Drehbuch bzw. Regisseurin Barbara Topsøe-Rothenborg bewußt so unbeteiligt-nonchalant inszeniert hat, bleibt ein Rätsel - in Liebe für Erwachsene wirkt er jedenfalls wie ein Fremdkörper.

Somit bleibt als Fazit eine anfangs Spannung versprechende Ausgangslage, die durch einen indisponierten Hauptdarsteller und  das drehbuchseitige Ignorieren fast sämtlicher gewohnter Begleitumstände eines Mordes ihr Potential weitgehend verschenkt und mit einer fragwürdigen Conclusio am Ende nur noch für Kopfschütteln sorgt. 4,51 Punkte, die sich allein Sonja Richter gutschreiben darf.

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