Auch im negativen Sinne können die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten betrachtet werden, denn die Summe an Privatschulden liegt bereits in den Billionen.
Da liegt es durchaus nahe, eine Geschichte über zweifelhafte Praktiken einiger Geldeintreiber zu erzählen, doch Regisseurin Marianna Palka setzt Prioritäten, die jene dubiose Praktiken lediglich als vagen Aufhänger nutzen.
Brandon (Alex Pettyfer) und sein langjähriger Kumpel Ross (Mike Vogel) betreiben seit einiger Zeit ein zwielichtiges Inkassobüro. Bei ihrem neuen Projekt geht es um den Pott von 200 Millionen Dollar potenzieller Zahlungen. Während Brandon in einem Club auf die Tänzerin Christina (Shakira Barrera) aufmerksam wird, welche aufgrund ihres Mannes im Gefängnis ebenfalls in finanzielle Not geraten ist, planen seine Jungs eben jenem Gangsterboss einige Millionen abzugraben…
Während die ersten Einstellungen Teile des Finales vorwegnehmen und auf etwas Action schließen lassen, geht diese im Verlauf des Melodramas über gescheiterte Existenzen nahezu völlig unter. Der stets melancholisch wirkende Brandon hat ein Trauma zu verarbeiten und geht nur bedingt als Sympathieträger durch, während sein Kumpel Ross aufgrund cholerischer Ausraster nicht als solcher taugt. Sean (Jacques Colimon), der soeben aus dem Knast entlassene Neuling der Eintreiber macht immerhin eine Entwicklung durch, indem er bei Kundengesprächen am Telefon vom Abgeblitzten zum Erfolgsgarant wird. Derweil ist Christina die typische Latina als allein erziehende Mutter mit Sohn, der es an markanten Eigenheiten fehlt.
Zwar lässt sich mit dieser simplen Konstellation arbeiten und besonders die Taktiken zum Einschüchtern verschuldeter Leute fördert einigen Zynismus zutage, doch darüber hinaus läuft die Chose relativ trocken und vor allem behäbig ab. Da ist von Spannung keine Spur, wenn Christina ihren Drogenboss im Knast besucht und die Glaubwürdigkeit geht spätestens mit der Verbindung zwischen Brandon und ihr verloren, - einmal beim Tanzen beobachtet und in der nächsten Szene ihr Liebhaber sogleich der beste Freund vom Sohn. Derartige Vorkommnisse sind ungelenk in Szene gesetzt, wobei die mangelnde Chemie und die unzureichende Präsenz beider Darsteller auch nicht gerade förderlich sind.
Von Alabama als Hauptschauplatz bekommt man indes wenig mit, da sich nur einige Szenen an halbwegs markanten Orten abspielen und ein Großteil in Innenräume wie Büro, Wohnung oder Club verlagert wird. Ähnlich austauschbar verhält es sich mit dem Score und einigen Songs, die zu einem dramaturgisch unpassenden Zeitpunkt unterlegt werden.
Ansonsten ist handwerklich wenig anzukreiden, die Optik bleibt bestenfalls unauffällig.
Während „Payback“ hier und da als Thriller vermarktet wird, entpuppt er sich als zähes Charakterdrama, dessen Figuren kaum Interesse wecken. Anstatt die dubiosen Taktiken einiger Inkassobüros genauer unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls etwas Humor unterzubringen, vermag selbst das Finale kaum Spannung zu erzeugen, zumal das fahrige Editing jeden Anflug von Dringlichkeit zerschnippelt. So plätschern die 87 Minuten an einem vorbei, ohne jemals Anteil an einem der Schicksale zu nehmen.
3,5 von 10