Der kleine Satansbraten ist im Horrorbereich ein gern verwendetes Motiv, obgleich er manchmal nur als Aufhänger dient, um paranormale Begebenheiten voranzutreiben. Das garstige Kind, womöglich besessen und nur durch einen Exorzismus zu erretten, ist jedoch nicht das, was Regisseur und Hauptdarsteller Will Klipstine im Sinn hatte, denn seine titelgebende Rosalie steht nicht im Fokus der mystischen Mixtur.
Ein weiterer Umzug steht für Daniel (Klipstine), Theresa (Amanda MacDonald) und Tochter Rosalie (Madeleine McGraw) an, nachdem das Kind erneut negativ in seinem Umfeld auffiel.
Doch auch im neuen Wohnort, in dem die Bewohner auffallend extrovertiert erscheinen, senkt sich schon bald der Schatten des Todes, als ein Nachbar eines Tages an einem Baum erhängt vorgefunden wird. Daniel erhofft sich Hilfe von einer Seherin (Irene Bedard) im nahe gelegenen Reservat…
„The Harbinger“, also der Vorbote, ist der eigentlich treffendere Titel für die Mixtur, die neben dem bösartigen Kind auf uralten Mystizismus, Teile des Christentums und Folklore einiger amerikanischer Ureinwohner setzt. Entsprechend weicht die düstere Aura Rosalies nach dem ersten Drittel mehr und mehr der Entschlüsselung des Geheimnisses, welches die Eltern umgibt. Bei denen ist recht früh klar, dass sie mehr über Rosalies empathieloses Verhalten zu wissen scheinen und stehen offenbar gleichermaßen unter Druck, einer bestimmten Aufgabe nachzukommen.
Leider versäumt es Klipstine, auf Schauwerte oder gar Blutvergießen zu setzen. Hier offenbart sich am ehesten das augenscheinlich niedrige Budget, wenn ein Junge eher vom Hörensagen vom Kletterturm gestoßen wurde oder ein späteres Opfer mit dem Wagen einen Abhang hinunter stürzt. Es fehlen die spektakulären Momentaufnahmen, aber auch einige Gänsehautmomente, denn da reicht ein ominöser alter Mann mit Trenchcoat, der sich ab und an stumm im Außengelände bewegt wahrlich nicht aus.
Etwas besser gestalten sich einige Flashbacks, die im Zusammenhang mit eventuellen Visionen bis in die 1920er zurückreichen, einschließlich zeitgemäßer Ausstattung und visuell ansprechendem Look. Leider werden die Besuche bei der Seherin, welche oftmals ohne Fortschritt vonstatten gehen, etwas überstrapaziert, wogegen zu selten auf die Situation des Kindes eingegangen wird, welches nahezu leer und völlig apathisch vor sich hin vegetiert. Während sich ein vermeintlicher Nebenhandlungsstrang entfaltet und auch noch Untersuchungen der Polizei einbezogen werden, fällt die Rolle der Tochter zusehends unglaubwürdiger aus.
Immerhin folgen dem letzten Drittel einige erhellende Fakten und die Reise nimmt einige Wendungen und Twists auf, die den zuweilen etwas drögen Vorlauf aufwerten. Auch in Sachen Effekte wird zum Finale etwas mehr in die Wagschale geworfen, wobei entsprechende CGI weitgehend zweckdienlich ausfallen und eine Kostümierung sogar angenehm altmodisch anmutet. Gleiches gilt für den Score, der phasenweise eine recht stimmungsvolle Untermalung liefert.
Dennoch stellen sich innerhalb der etwas zu lang erscheinenden 108 Minuten Laufzeit nicht selten kleine Durchhänger ein, zumal es insgesamt merklich an erinnerungswürdigen Highlights mangelt. Darstellerisch sticht lediglich Jungdarstellerin McGraw positiv hervor, wogegen alle übrigen bemüht bis angestrengt performen. Die Auflösung mit einigen Ecken und Kanten wertet das Werk unterm Strich zwar auf, doch wirklich fesselnd gestaltet es sich zu keiner Zeit.
5,5 von 10