Nun, nicht alles, was auf Arte läuft, muss unbedingt Kunst sein, wie es der Name des Programms vielleicht denken lässt. Doch selbst wenn mal nicht so anspruchsvolle Filme laufen, sendet Arte immerhin Trash-Klassiker wie Teile der "Reitenden Leichen"-Staffel. Wogegen der Cineast und Filmfreak ja jetzt auch nicht wirklich was hat.
Doch was man mit "Nachts, wenn der Tag beginnt" verbrochen hat, geht überhaupt nicht mehr auf die doch allzu bekannte Kuhhaut. Das ist ein filmisches Verbrechen, auf das nur lebenslänglich als Bestrafung stehen kann. A propos lebenslänglich. So heißt das Urteil für Johanna Schneider, die ihren Vater umgebracht haben soll. So was aber auch. Vor der Urteilsverkündung von ihrer Anwältin noch ermutigt, dass der zuständige Richter, Herr Tomasius, ein ehrenhafter und korrekter Mensch sei, bricht für Johanna eine Welt zusammen, als sie letztendlich erfährt, dass sie lebenslänglich hinter Gittern muss. Da mal angekommen, braucht sie jedoch nicht lange, um auszubrechen. Natürlich. Nachdem sie das ein oder andere Mal einen Aufstand angezettelt hat, kann sie die Gefängnischefin tatsächlich mir nichts dir nichts überreden, der Beerdigung ihrer verstorbenen Mutter beizuwohnen, von der komischerweise während der ganzen Verhandlung nicht die Rede war. Doch die Chefin lässt sich breitschlagen und macht sich höchstpersönlich und mit einem Wachtrupp auf in Richtung Beerdigung. Von der Johanna natürlich spontan flieht.
Was sie aber zu dieser Spontanität veranlasst, ist schlichtweg lächerlich. Da sitzt eine Frau neben ihr, mit einer Sonnenbrille bestückt, die dann in ein Stofftaschentuch schneuzt. Das erinnert sie an Richter Tomasius, der stets selbst eine Sonnenbrille auf hat, da er blind ist und am Tag der Verhandlung an einem Stofftaschentuch gerochen hat. Die Ausbruchszene ist auch so unglaublich schlecht und unter aller Sau inszeniert, das Aggressionen und Lachreiz gleichzeitig einsetzen. Wenn Johanna flüchtet, auf einem Hausdach steht und die Chefin zu ihr hochschreit "Wir kriegen dich. Wir kriegen euch alle!", dann hört sich das an wie der Bösewicht in einer Zeichentrickserie. Nur dass das hier eine Frau von sich gibt und leider nicht so eine angsteinflößende Stimme hat wie die Bösewichte in solchen Serien. Schade drum eigentlich.
Auch vorher der Gefängnisaufenthalt. Man leidet dermaßen wenig mit Johanna mit, weil die Schauspielleistung von Nina Petri nicht der Rede Wert ist und alles so schlecht gehandhabt wird, dass es einfach nur eine Freude ist, zu sehen, mit welcher Demotivation und mit welchem Hirnriss teilweise noch Filme produziert werden. Die Dialoge sind ein einziger großer Witz, meistens sind das nur Wortfetzen, um wohl die Aufgebrachtheit der Protagonisten zu symbolisieren. Christian Redl, der den Richter verkörpert, steht übrigens der Schauspielleistung von Frau Petri in nichts nach. Auch er beweist, dass man wirklich so schlecht spielen kann und man sich das nicht nur einbildet. Da hätte er lieber den ganzen Film über seine Sonnenbrille aufgelassen, bevor er sie dann doch irgendwann mal abnimmt und man bemerkt, dass nicht jeder einen Blinden spielen kann. Da schaut er schon mal aus Versehen in die Kamera. Unglaublich.
Wie das Ganze dann wirkt, wenn sich "Nachts, wenn der Tag beginnt" langsam aber sicher zum Kammerspiel unserer Beiden oscarverdächtigen Schauspieltalente entwickelt, kann sich nun jeder zusammenreimen. Da schmeißen sie sich gegenseitig böse Dinge an den Kopf, es beginnt ein Psychospielchen, wie man es sonst nur aus der Bärengruppe im Kindergarten kennt und da kommt eine Spannung auf wie bei der Weltmeisterschaft im Bogenschießen. Ohne deutsche Beteiligung, versteht sich. Die Gefängnischefin verschwindet natürlich jetzt ganz von der Bildfläche und taucht im weiteren Film gar nicht mehr auf. Könnte mir vorstellen, dass ihr nach ihrem grandiosen "Ich krieg euch alle!"-Auftritt fristlos gekündigt wurde und ihre Rolle nicht nachbesetzt wurde. Hier ist alles möglich.
Nun zu unserer lieben guten Polizei. Wenn diese im wahren Leben auch so handelt und sich auch so benimmt wie hier, dann wars das demnächst mit Deutschland. Da brennt plötzlich das Licht in Tomasius Wohnung, obwohl er anscheinend nicht zuhause ist. Dann sagt die Polizistin doch tatsächlich "Vielleicht war er ja zwischendurch kurz zuhause und hat beim Verlassen des Hauses vergessen, das Licht auszuschalten. Der sieht ja nichts" (!!!!). Was ist das denn für ein Riesen Haufen Scheiße. Ihr Partner, der anscheinend IQ-technisch einiges auf dem Kasten hat, bemerkt aber dann auch den Fehler seiner Kollegin und frägt dagegen "Wieso hat er dann das Licht angemacht? Wenn er Nichts sieht?". Oh mein Gott. Das kann nicht der Ernst sein. Ist es aber leider.
Aber keine Angst, es kommt noch besser. Tomasius ist nämlich in unsere Heldin Schneider verliebt. Und hat ihr Parfüm plötzlich in seinem Schrank stehen und hat verwirrt-verwirrende Liebesbriefchen in seinem Haus rumliegen. Auf denen natürlich ihr Namen steht. Nach einem kurzen Kampf, in der die Schneider fast aus dem Fenster fällt, von Tomasius aber gerettet wird, umarmen sie sich und machen ansatzweise miteinander herum. Und dann fahren sie zusammen weg. Der Polizei fehlt natürlich jede Spur von unser Frauenknastlerin.
Um Gottes Willen. Eine einzige Frechheit, dieser Film. Wirklich. Hier stimmt weniger als gar nichts. Der Intellekt eines jeden Menschen wird hiermit angegriffen, weil es fehlt wirklich nicht viel und man verblödet dadurch, sich den Film anzuschauen. Ein Drehbuch, dass ein Vorschulkind nicht besser hätte schreiben können, Darsteller, die den Begriff gar nicht verdient haben und eine Inszenierung, die man eigentlich gar niemandem verklickern darf.
Der Bodensatz des Films.
1/10 Punkte