Obgleich es keine Stimmen aus dem Jenseits gibt, beschäftigt sich das weiße Rauschen mit dem Tod oder zumindest mit der diffusen Angst davor. Regisseur Noah Baumbach teilt seine Erzählung nach einer Romanvorlage von Don DeLillo in drei Kapitel ein, bei denen spätestens im Mittelteil das nicht unerhebliche Budget von 80 Millionen Dollar durchschimmert.
Mitte der 80er: Geschichtsprofessor Jack (Adam Driver) pflegt ein weitgehend glückliches Familienleben mit Frau Babette (Greta Gerwig) und den vier Kindern aus vier verschiedenen Ehen. Als nach einem Tanklastunfall eine toxische Wolke freigesetzt wird, scheinen sich die Todesahnungen der Eheleute zu verdichten…
Einmal mehr die 80er. An der akribischen Ausstattung ist wahrlich nichts auszusetzen, denn jede Menge Fahrzeuge, unzählige Requisiten und nicht zuletzt die überaus detailgetreue Gestaltung eines Supermarkts, bei dem eine bestimmte Chipssorte etwas zu häufig im Bild erscheint, lassen nichts zu wünschen übrig. Zwar ist der routinierte Score von Danny Elfman sauber abgestimmt, doch einige Songs, angereichert mit typischen Sounds aus der Dekade hätten wahrscheinlich noch etwas mehr Nostalgie aufleben lassen können.
Das erste Kapitel widmet sich voll dem Familien – und Berufsleben der wesentlichen Beteiligten, wobei ein Duell zweier Professoren über die Parallelen zwischen Elvis und Hitler zu den ersten kleinen Höhepunkten zählt. Obgleich die zuweilen merklich geschliffenen Dialoge positiv auffallen, bilden sie im finalen Kapitel, welches den Fokus auf ein Beziehungsdrama richtet gleichermaßen ein Manko mit zuviel heißer Luft.
Das eigentliche Highlight bildet definitiv der Mittelteil, - zumindest für all jene, die nicht unbedingt einen tieferen Sinn in der teils wirren und absurden Melange suchen. Die Kollision zwischen Truck und Zug ist voluminös umgesetzt, etwaige Evakuierungsszenarien sehen aufwendig inszeniert aus und auch das Treiben in einigen Auffanglagern ist aufgrund sauberen Timings und vielen Details am Rande recht authentisch ausgefallen. Nur wird dieses Szenario nicht weiter fortgesetzt, sobald eine gewisse Normalität zurückkehrt und mit ihr die familiären Probleme rund um eine ominöse Tablette und deren Folgen.
Bei alledem glänzt in erster Linie Adam Driver als Hauptdarsteller, der speziell während seiner Ausführungen als engagierter Professor einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Don Cheadle geht in einer Nebenrolle leider ein wenig unter und auch Lars Eidinger darf nicht mehr als den grenzdebilen Idioten spielen. Insgesamt lebt die Chose jedoch merklich von der Spielfreude der Mimen.
An der versierten Inszenierung ist zu keiner Zeit etwas auszusetzen, was eine finale Tanzszene in einem Supermarkt unterstreicht, die keinen Zweifel an einer ausgetüftelten Choreo aufkommen lässt. Die Qualität der Geschichte schwankt indes genauso wie die verschiedenen Stimmungen, die nicht immer zueinander passen wollen und nur selten in Sachen schwarzen Humor zünden. Jenes Rauschen, selten morbide und meistens eher bunt bebildert ist es, welches am ehesten innerhalb der 136 Minuten mitzieht und in eine Zeit wirft, in der zwischen maßlosen Konsumrausch und Atomängsten beinahe alles in Ordnung war.
6 von 10