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Rund 14 Jahre nach „Brügge sehen…und sterben?“ kommt das Erfolgsteam um Regisseur Martin McDonagh erneut zusammen, um eine Geschichte umzusetzen, die ursprünglich auf einem Theaterstück basiert. Bei der Parabel um Freundschaft und Gleichgültigkeit geht es nicht nur um zwei verschrobene Inselbewohner, sie kann auch als Sinnbild des Krieges verstanden werden.

April 1923 auf der Insel Inisherin vor der Westküste Irlands: Pádraic (Colin Farrell) möchte wie jeden Tag seinen langjährigen Freund Colm (Brendan Gleeson) für den Gang in den Pub abholen, doch der reagiert nicht und verkündet ihm kurz darauf, die Freundschaft zu kündigen. Als der naive Pádraic nicht auf die Forderung einer Kontaktsperre eingeht, greift Colm zu drastischen Mitteln…

Die ohnehin schon vorhandene Komplexität einer Freundschaftskiste wird innerhalb einer monotonen Umgebung ohne sonderlichen Input auf eine harte Probe gestellt. Eigentlich ein Wunder, dass Robinson und Freitag sich nicht komplett an die Gurgel gegangen sind. Auf dieser fiktiven Insel mit einer überschaubaren Anzahl an Bewohnern ist das kaum anders, denn der Bürgerkrieg wird allenfalls am Rande registriert und kaum jemand scheint zu wissen, wer dort eigentlich wen und warum bekämpft. Umso erstaunlicher, weshalb Colm einen so radikalen Schritt wagt, wobei dessen Begründung im Kern nachvollziehbar ist.

Pádraic ist hingegen ein schlichtes Gemüt, welches seinen täglichen Abläufen der Viehzucht nachgeht, ohne näher darüber nachzudenken, während seine Schwester Siobhán (Kerry Condon) immerhin ein wenig belesen ist und darüber sinniert, eine Stelle auf dem Festland anzutreten. Isolation durch Ablehnung oder gar Gewalt erschüttert allerdings auch vermeintliche simpel gestrickte Gestalten wie den Dorfdeppen Dominic (Barry Keoghan), der mit seinen nicht immer glücklichen Formulierungen zuweilen einen leichten Schmunzler auslöst.

Überhaupt versucht McDonagh das im Grunde recht ernste Treiben mit schwarzem Humor anzureichern, woraufhin einem das Lächeln hin und wieder erstarren kann. Wenn dann noch eine Pfeife rauchende Alte am Rande immer wieder in Erscheinung tritt, könnte man das tatsächlich als Sinnbild einer Banshee, einer Todesfee vergleichen. Schließlich folgen verbalen Androhungen mitunter auch Taten.

Zweifelsohne lebt die Erzählung in erster Linie von seinen grandiosen Mimen. Farrell ist als eigentlich lieber Tölpel das Zentrum. Die Körpersprache, das Spiel mit den Augenbrauen und die Unsicherheit beim Wählen einiger Worte überzeugen zu jeder Zeit, wogegen Gleeson nur ins Leere oder aufs Meer starren muss, um ein eindeutiges Signal zu setzen. Aufgrund der Prämisse ist ein direktes Zusammenspiel zwar rar, doch die Chemie stimmt und selbst die Nebendarsteller füllen ihre Rollen mit Leben aus, so dass aus der kleinen Insel ein uriger und im Grunde auch recht sympathischer Mikrokosmos entsteht, einschließlich Hund, Pferd und Miniatur-Esel.

Ganz ohne Längen kommen die 114 Minuten zwar nicht aus und die Monotonie, die natürlich in der Natur der Sache steckt, lenkt zuweilen von dem ab, was die Protagonisten im Herzen umtreibt. Doch allein das Setting im Zusammenhang mit der versierten Kamera, der Score und nicht zuletzt einige gut geschliffene Dialoge sorgen für eine leicht skurrile Tragikomödie, die trotz ruhiger Herangehensweise in Beschlag nimmt.
7,5 von 10

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