Review
von Leimbacher-Mario
Real Name, No Gimmicks
Schuster bleib bei deinen Leisten? Larry Cohen kann nur Monster- und schleimige B-Movies? Gute Giallos kommen aus Italien? Das New York der 80er kann nur hässlich? Hollywood Kills?! Alles steile und zum Teil nicht weit genug gedachte Thesen und Sprichwörter. Denn mit dem leider völlig missverstandenen und unter den meisten Radaren fliegenden „Special Effects“ lieferte Larry „King“ Cohen einen vorzüglichen (Meta-)Thriller über die über Leichen gehende Filmbranche, über den Big Apple und über innere (männliche wie weibliche!) Triebe ab, den selbst De Palma oder Hitchcock sicher gerne geguckt oder gar inszeniert hätten. Handlung: ein ehrgeiziger Regisseur steht mit dem Rücken zur Wand und könnte bald die letzten Türen in dieser Branche zugeknallt kriegen. Doch als er dann kurzerhand im angerichteten Bett anstatt zum Lover zum Mörder einer attraktiven Schauspielerin wird, die Kamera in seinem Schlafzimmer diesen Akt auch noch stimmig aufnimmt, kommt ihm die Idee: um diesen echten Mord, diese schockierenden Aufnahmen, einen gestellten Film drehen, der auf dem Leben der toten Frau basiert...
Wenn man an Larry Cohen denkt, kommen einem immer eher „It's Alive“, „Q“ oder „God Told Me To“ in den Sinn. Und zugegeben: „Special Effects“ wirkt wie ein kleines Experiment, ein Blick über seinen Tellerrand, hinzu weitaus berühmteren und angeseheneren Kollegen und Stilmitteln, wie ein Auswärtsspiel, wie ein Querschläger, der sowohl seine „Stammkundschaft“ als auch arthousigere Zuschauer verschrecken könnte. Dabei ist es meiner Meinung nach ein exzellenter Film, der seiner Zeit etwas voraus war und sich nicht vor weitaus profilierteren Vorbildern verstecken muss. Trotz einem erschreckend niedrigen Bodycount, trotz sleaziger Tendenzen, trotz (oder gerade wegen!) dem „Melting Pot“ NYC im Hintergrund, trotz manchmal etwas steifer Darsteller, trotz etwas zu langer Laufzeit - „Special Effects“ hat mich gefesselt und ein perfides Spiel mit mir betrieben. Der Score ist ein Highlight, manche exquisiten Bild- und Farbkompositionen hätte man Cohen niemals zugetraut, die Story funktioniert auf mehreren Ebenen, die Ladies sind heiss und dem psychopathischen Filmemacher sieht man schon in den Augen an, dass man ihm nicht alleine abends in einer Gasse begegnen will. Ich will nicht sagen, dass hier ist der beste oder gar typischste Cohen, davon ist er weit entfernt, oder dass sich der legendäre B-Movie-König hier selbst übertroffen hat - aber er überrascht hier äußerst positiv in einer quasi neuen „Sportart“. Sein eigener, dreckiger „Vertigo“?!
Fazit: Hitchcock De Palma by the Way of Larry Le Cohen... Spaß beiseite: „Special Effects“ ist ein semi-genialer B-Thriller. Auf allen (Meta-)Ebenen. Nicht meisterhaft wie die Vorbilder - aber enorm unterhaltsam, clever und cool. Erfolg um jeden Preis.