Als bekennender Vielseher und nahezu cineastischer Allesfresser komme ich selten in die Situation, dass ich einen Film, den ich grundsätzlich schon sehen will, wirklich unerträglich finde. Einer dieser Filme, die mir beim Konsum körperliche Schmerzen bereitet hat, ist „Der 1. Ritter“.
Hier wird eindrucksvoll bewiesen, dass auch ein scheinbar unverwüstlicher Plot wie die Arthus-Sage nicht dagegen gefeit ist, auf dem Altar des vermeintlichen Kassenerfolges geschändet und geopfert zu werden. Die Macher von „Der 1. Ritter“ leisten dabei ganze Arbeit. Wie haben sie das hingekriegt?
Zuerst einmal mit dem Plot. Fern des klassischen Stoffes und unter völliger Ausblendung des mystischen Wesens der Erzählung wird hier eine Geschichte präsentiert, die zu gleichen Teilen langweilig und unglaubwürdig ist. Die Handlung hat mehr Löcher als ein Kettenhemd.
Womit wir bei der Ausstattung sind. Die Burg ist okay. Aber der Rest, vor allem die pseudomodernen Kostüme sind ein Grauen. Jeder Modedesigner im ersten Semester wäre kreativer gewesen. Ich fürchte, durch die Klamotten sollte der Film aufgefrischt werden. Das war aber leider überhaupt nichts.
Mit dem Stichwort „überhaupt nichts“ kommen wir zu Richard Gere. Wer immer geglaubt hat, man könnte aus Mr. Pretty Woman einen Lancelot machen, hat sich vollständig verhauen. Nichts an seinem Schauspiel ist glaubwürdig. Er wirkt nie wie eine Stütze oder Bedrohung für Camelot, sondern nur wie ein verirrter Städter bei den Karl-May-Festspielen. Dabei kommt er nicht einmal gut aussehend oder romantisch rüber (nicht, dass ich es wollte, aber man kann seine Leistung bei Filmen wie Pretty Woman der Fairness halber ja gerne würdigen). Gere ist ein Komplettausfall.
Womit sich der hoffnungsvolle Blick des geneigten Zuschauers aus Sean Connery richtet. Er hat uns doch noch nie enttäuscht. Schon gar nicht als älterer Mann. Hier schon. Während Connery für jeden Mann den Beweis antritt, dass man gerne älter werden kann, da scheinbar das männliche Wesen wie eine guter Rotwein mit der Zeit nur an Klasse gewinnt, wirkt er bei „Der 1. Ritter“ zum ersten Mal alt und taperig. Aber er wurde auch in keiner Phase gefordert.
Gibt es etwas Gutes an dem Film? Ich fand den Soundtrack gar nicht übel, auch wenn er an die Gewalt von „Excalibur“ nicht herankommt. Sonst nichts.
Um es kurz zu machen: „Der 1. Ritter“ sollte wohl was ganz tolles werden. Ist er aber nicht. Stattdessen ist er eine schändliche Umsetzung des guten Stoffes von schwach agierenden Schauspielern. Modern sein zu wollen heißt nicht, gut zu sein. Von mir kriegt diese Qual nur einen Punkt.