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An sich war Jerry Zucker als Komödienregisseur für ZAZ-Filme bekannt, mit „Ghost“ hatte er andere Genres miteinbezogen, doch für einen Ritterfilm wie er ihn 1995 drehte war er damit nicht wirklich geeignet.
Malagant (Ben Cross), ein gar übler Wicht, will König Arthur (Sean Connery) die Macht in Großbritannien streitig machen und fällt daher bevorzugt über Länder an der Reichsgrenze her – aktuell über die von Lady Guinevere (Julia Ormond), die nach dem Tod ihres Vaters die Regierungsgeschäfte übernehmen musste. Mit einer Zweckheirat mit Arthur hofft sie auf Unterstützung, wo man schnell merkt, dass „Der 1. Ritter“ sich von der Vorlage entfernt, wobei eine eigene Interpretation ja nicht schlecht ist.
Auf dem Weg nach Camelot wird die Reisegruppe der Lady jedoch von Malagants Schergen angegriffen, Guinevere droht in Gefangenschaft geraten, doch wird gerettet – von dem fechtbegabten Herumtreiber Lancelot (Richard Gere). Damit wäre nach einem Dorfüberfall zu Beginn des Films erneut für Action gesorgt, wobei der Überfall im Wald jedoch deutlich schwächer inszeniert (vor allem die Flucht mit der Kutsche lässt Dynamik missen).

Guinevere kommt an Arthurs Hof, wird aufgenommen und kurz darauf taucht auch Lancelot dort auf, der Guinevere schon im Wald schöne Augen machte. Nach Bewährungsproben wird er gar zum Ritter der Tafelrunde und das Unheil nimmt seinen Lauf...
Mit der Neuinterpretation hat sich „Der 1. Ritter“ leider keinen Gefallen getan, denn auch wenn dies prinzipiell keine verdammenswerte Idee ist, wird die Story einfach weniger überzeugender. Wenn Lancelot einen Karrierestart von null auf hundert hinlegt, vom Rumtreiber zum wichtigsten Mann des Königs in wenigen Wochen wird, kann man nur den Kopf schütteln, man ergeht sich in ewigen Geplänkel zwischen Lancelot und Guinevere, doch beide bleiben dem König treu, der eigentliche Verrat beschränkt sich auf einen Kuss und wird in Rekordzeit abgehandelt (kurz darauf bricht der Showdown an und da gibt es wichtigeres als derartigen Verrat).

Leider stellt „Der 1. Ritter“ dabei auch keine knackige Action in den Vordergrund, stattdessen labern sich Lady und Neuritter gegenseitig ein Schnitzel an die Backe und gelegentlich schaut noch die fiese Möpp Malagant vorbei. Dessen Intrigen und Sabotageakte sorgen für wenigstens etwas Aufregung und Action, wobei auch hier das Glück durch Zufall bis ins extrem Unglaubwürdige überreizt wird, wenn Lancelot fast stets zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Leider wird der Malagant-Plotstrang immer wieder aufgenommen und fallengelassen wie es gerade beliebt (für den Showdown braucht man ihn ja immerhin noch), was leider der Spannung nicht gerade zuträglich ist.
Die Actionfans dürfen sich bei „Der 1. Ritter“ auch nicht so wirklich wohlfühlen, denn sonderlich oft geht es nicht zur Sache und mit Blick auf die jugendliche Zielgruppe stets zahm, sauber und blutleer. Die Kampfchoreographien sind auch nur teilweise gelungen, ab und zu sind sogar ganz nette Sachen dabei (z.B. der Showdown oder der Überfall am Anfang), doch es wird Potential verschenkt und einige Actionszenen sind wirklich lahm (z.B. die Befreiungsaktion). Auch weniger aufregender als geplant ist die Szene, in der Lancelot ohne Schutzkleidung durch eine Jahrmarktsattraktion hetzt, die so eine Mischung aus Hindernisparcours und Klettergerüst für Folterfans darstellt.

Leider ist „Der 1. Ritter“ dann auch nicht so romantisch wie Zucker sich das vorgestellt hat und im Gegensatz zu „Ghost“ wirken die romantischen Momente schwerfällig und lahm, sodass sie den Film eher ausbremsen. Dabei ist Zuckers Regie ansonsten gar nicht so schlecht (von den zahmen Schlachtszenen mal abgesehen) und man hat mit einigem Aufwand das Mittelalter reanimiert. Die Stets sehen zwar leider zu neu, zu sauber für die Epoche aus, jedoch merkt man das Studiogeld angenehm, das hinter den ganzen Sachen steht.
Richard Gere mag den Frauenhelden ja draufhaben und diesen Part der Rolle auch OK verkörpern, den toughen Rittersmann nimmt man ihm leider keine Sekunde ab. Sean Connery ist Edelsupport, muss aber leider einen besseren Stichwortgeber machen und kann so nie sein gewohntes Leinwandcharisma entfalten. Julia Ormond liefert eine ganz gute Vorstellung ab, der spätere Nu Image Spezi Ben Cross als Fiesling chargiert leider etwas zu sehr und kann kaum Eindruck hinterlassen.

„Der 1. Ritter“ ist leider ein lahmes Mittelalterfilmchen, zwar mit dem nötigen Aufwand gemacht, aber zu lahm und streckenweise langweilig. Die Kampfszenen sind zu zahm und nur teilweise nett anzusehen, die romantischen Parts rühren nicht, sondern bremsen aus. Aufgrund der guten Aspekte nicht gänzlich misslungen, aber unterdurchschnittlich.

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