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"Eure kindische Arroganz beeindruckt vielleicht Dienstmägde."

Leonesse, das Königreich der Herrscherin Guinevere (Julia Ormond), wird von Prinz Malagant (Ben Cross) bedroht. Aus Zuneigung und zum Schutz von Leonesse nimmt Guinevere den Heiratsantrag von König Arthur (Sean Connery) an. Während der Reise nach Camelot wird die Eskorte von Guinevere von Malagant's Truppen angegriffen und sie selbst beinahe entführt. Gerettet wird sie von Lancelot (Richard Gere), der als streunender Schwertkämpfer ziellos von Ort zu Ort reist. Lancelot wirbt zunächst erfolglos um Guinevere. Aber in Camelot treffen sich beide wieder und schließlich verliebt sich Guinevere in ihn. Und selbst dort ist sie vor Malagant nicht sicher.

Die Sage um König Artus und seine Tafelrunde diente schon so manchem Film als Vorlage. Eher selten haben sich die Filme dabei nah an dem Mythos gehalten. Auch Jerry Zucker's ("Die nackte Kanone"-Reihe) Variante weicht erheblich von der Sage ab, besticht aber durch eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Action und Romantik.

"Der 1. Ritter" ist ein typisches Kind Hollywood's. Nicht nur, da der ursprüngliche Sagenstoff so zurechtgestutzt und gebogen wird, dass nur noch ein Grundgerüst der Sage bestehen bleibt. Auch bei der Kulisse und der Präsentation findet sich nichts von dem dunklen Zeitalter, in welchem der Film spielt. Dass also die Ritter der Tafelrunde teilweise wie moderne Soapdarsteller oder Sunnyboys aussehen, muss man schon akzeptieren.
Auch bei dem gemeinen Volk sitzt die Frisur stets perfekt. Von Schmutz und Armut, Krankheit, Pest und ähnlichem ist hier ebensowenig zu sehen, wie von feudalherrschaftlicher Ausbeutung der Bauern, wie das im Mittelalter üblich war. Der Film zeigt also definitiv keine historische Realität und die Authentizität geht somit sicherlich flöten.

Im Kern will "Der 1. Ritter" einfach nur gut unterhalten. Die Handlung stimmt darauf ein und schreitet flott voran. Hin und wieder etwas zu flott, sodass die Figuren kaum oder selten an Farbe gewinnen.
Häufig fühlt man sich an den erfolgreichen Film "Robin Hood - König der Diebe" erinnert. Die Hauptfigur, in diesem Fall Lancelot, gibt sich weniger als ernsthafter Ritter, sondern stellt eher einen spitzbübischen Streuner dar. Wenn man sich an diesen Umstand gewöhnt hat, kann man sicher auch dem charmanten Humor etwas abgewinnen.

Dank ein paar aufwendigen Massenszenen und einfallsreichen Panoramen, sehen die Bilder ansehlich aus. Besonders die orchestrale Filmmusik sorgt während den dynamischen Kämpfen für eine dichte Atmosphäre. Und die am Rande angesprochenen Themen, wie die Treue in der Ehe und die Rolle der Gesetze in einer Gesellschaft, sorgen für leichten Anspruch.

Die sympathische Besetzung kommt ihren Aufgaben nach, überfordert sich selbst aber nicht. Somit bleiben Richard Gere ("Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft", Pretty Woman),
Julia Ormond ("Unter Kontrolle", "The East") und insbesonders Ben Cross ("Star Trek (2009)", "Hydrotoxin - Die Bombe tickt in Dir") darstellerisch blass. Sean Connery ("The Rock - Fels der Entscheidung", "Der Name der Rose") bleibt ein wenig variabler.

"Der 1. Ritter" erfüllt seine Voraussetzungen an sich selbst, mehr aber auch nicht. Besonders die Kämpfe stechen Dank der Musik und der Inszenierung heraus, während die Figuren zweckmäßig einfach gehalten sind. Ein paar Szenen wirken einfallsreich, ein paar wie obligatorisches Schmückwerk. Die sympathischen Darsteller halten die abenteuerliche Stimmung zusammen, auch wenn das typische Hollywood-Kino immer wieder in den Mittelpunkt rückt.

8 / 10

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