Aufgrund des Erfolges von Breakout Brothers (2020) – womöglich auch hervorgehend durch dessen damaliger Alleinstellung als zeitgenössischer Hongkong-'Action'thriller – gleich back to back mit Teil 3 produzierte Fortsetzung; wobei das Marketing beider Sequels (und die veröffentlichten Besetzungslisten) derart eng aufeinander lag, dass man in den Ankündigungen zum vorläufigen Abschluss bereits den Inhalt und Ausgang des zweiten Teils mehr als erahnen konnte. Hergestellt von Raymond Wongs Mandarin Motion Pictures Limited, dessen Sohn (neben Leslie Lam) erneut Autor hier und auch einer der Produzenten jeweils ist, verfügt man immerhin über eine solide Finanzierung des Ganzen und – für den Zuschauer fast noch wichtiger – über eine Zahl ebenso solider einheimischer Darsteller, die wahlweise von der kleinen Mattscheibe kommend oder als ständige Nebendarsteller und Unterstützung größerer Stars hier ausnahmsweise auch die Führung auf der Leinwand übernehmen und ihre Präsenz zeigen dürfen und können:
Stanley Prison. Als der schwerreiche Unternehmer Ho Chun [ Ron Ng ] wegen Anstiftung zu Verbrechen beschuldigt und für 'nur' drei Monate zu einer Haftstrafe verurteilt wird, soll sich ausgerechnet Chan Ho-ching [ Louis Cheung ] um den Frischling kümmern; was noch dadurch erschwert wird, dass sich dieser aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft als über den Dingen angesiedelt sieht und schnell sowohl die bisherigen Platzhirsche Lam Kwok-lung a.k.a. Big Roller [ Patrick Tam ] als auch Scar [ Justin Cheung ] brüskiert. Noch komplizierter wird die Sache, als weitere belastende Materialien und Zeugen gegen Ho auftauchen und dieser, um eine wesentliche höhere Gefängnisstrafe zu vermeiden, einen schnellen Ausbruch plant, wozu er neben den obigen Leuten auch Mak Kin-tin [ Adam Pak ] benötigt und jeden einzelnen davon mit unterschiedlichen Mitteln unter Druck setzt. Währenddessen entgeht auch Anstaltsleiter Tang [ Kenny Wong ] das zunehmende Missverhältnis nicht.
Die Ereignisse aus dem Vorgänger, die Synopsis dessen und der Ausgang werden dabei in einer knappen (teils comigal gehaltenen, teils mit Standbildern wie Art Fotoroman illustrierten) Zusammenfassung für Diejenigen gerafft, die diesen kennen, aber auch so, dass Neusteiger theoretisch ohne Probleme in dies Milieu hineinkommen würden und sich ohne Orientierungsschwierigkeiten zurechtfinden mögen. Vier Personen von damals, die anschließend auch den Spitznamen 'Breakout Brothers' erhalten haben, aber alle auch wieder vor Ort im Gefängnis und so weiter im Spiel, dabei jeweils auch erneut und abwechselnd als Erzählerstimme anwesend sind. Die jeweiligen Charaktere werden zusätzlich mit einer Texteinblendung eingeführt oder rekapituliert, je nach Kenntnisstand, Verlaufen im filmischen Knast kann sich bei etwas Aufmerksamkeit also niemand. Damit es nicht zu langweilig und nicht zu routiniert an Ort und Stelle wird, wird natürlich jemand Neues, the new fish in dieses Konglomerat installiert.
Gespielt wird diese Person von Ron Ng, der ab Ende der Nullerjahre einer der führenden Darsteller von Television Broadcast Limited und dort hauptsächlich verantwortlich auch für allerlei Polizei- und Actionserien war; Ng ist anschließend fernsehtechnisch in den lukrativeren chinesischen Markt und dort alle voran die Co-Produktionen der Flying Tiger Trilogie gegangen, wird die aktuelle Zeit aber auch in (kleineren) lokalen Kinowerken eingesetzt, ist quasi auch da der (mehr oder minder) Aufsehen erregende Neuzugang und wird speziell in das Scheinwerferlicht gesetzt. Nicht mehr ganz der Jüngste, aber im Umfeld der anderen Schauspieler hier noch mit der körperlich fitteste – (nicht ganz der Klassenprimus, was in einer humoristischen Duschszene mit Adam Pak und Stephen Hyunh und deren Trainingsfetisch sowie daraus resultierenden Körperkult bewiesen wird) – und aggressivste, was der Rolle natürlich zupass kommt und auch so eingesetzt wird. Der Neue macht natürlich auch gleich Stunk, was den Film hier wie zuvor anfänglich gerade auf eine Art Machtspielchen, ein Setzen oder Folgen oder Verweigern von ungeschriebenen Regeln, dem Betrachten einer Hierarchie in der Wandlung (vorher gab es Streitereien von zwei Leuten um die Führung, jetzt sind es derer drei), ein Schachspiel mit Königen und mit Bauern und vielen Figuren auch dazwischen hebt. Ein dramatisches Theaterstück (ohne größere Einlagen), bei dem die Bühne von Gittern an jeder Ecke eingeschnürt wird. Ein Theaterstück, in dem es (aufgrund einer toten Maus auf dem Teller statt einem Hühnerbollen) bald eine Prügelei in der Gefängnisküche und anschließend noch eine Attacke mit der Rasierklinge in der Bibliothek gibt.
Es gibt allerdings noch viel mehr, das Skript und damit auch die (weiterhin eher ruhige, aber stets präzise Regie durch Mak Ho-Pong) variieren die Vorgänge des gemeinsamen Erstlings und fügen dabei auch eine neue Dynamik hinzu, die meist von außerhalb der Gitterstäbe kommt und auf den Mikrokosmos hier einwirkt. Die alten Hasen von einst werden durch eine Art erweiterten Generationenkonflikt durcheinander gewürfelt und neue Konstellationen geschaffen, die nur auf ein Ziel hinauslaufen, dem Kampf um das eigene Leben und Überleben und damit verbunden auch einen neuen Versuch des Ausbrechens aus der Anstalt, was später hinzukommt und den Film von den (nicht scharfen, aber aussagekräftigen) Dialogen und dem Ansetzen von Hebeln und Motivationen hinweg zur (überschaubaren) Aktion führt. Aufgrund der zwangsläufig vorhandenen Ähnlichkeit zu Breakout Brothers wird die Reihe hiermit schon und spätestens mit Breakout Brothers 3 (2022) eher zu einer Art Mini-Serie; etwas, dass bspw. die (beiden) Prison on Fire (1987/1991) - Teile nicht geschafft haben und die (inhaltlich aber auch voneinander unabhängigen) Chinese Midnight Express (1997/2000) Filme auch nicht. Allerdings waren dies auch keine verkappten bzw. umgekehrten Caper Crime-Filme, wird hier doch nach einem Drittel der Laufzeit ein neuer Ausbruch das erste Mal angesprochen und nach der Hälfte dann auch der Plan dazu geschmiedet und dies (nach kleineren anfänglichen Brutalitäten unter den verschiedenen Alphamännchen und etwas Drangsal) im vollen Entertainment für das Publikum auch umgesetzt; interessanterweise sind die Szenen außerhalb der Umzäunung erst die, die tatsächlich isoliert von der Gesellschaft und teils surreal auch wirken.