Mr. Williams arbeitet im Londoner Rathaus, ist ernst, bürokratisch und nicht gerade ein Ausbund der Heiterkeit. So lernt ihn auch der neu in dessen Abteilung kommende Mr. Wakeling kennen. Eines Tages erscheint Mr. Williams nicht zum Dienst, denn nach dem Erhalt einer niederschmetternden Diagnose fragt er sich, ob er denn überhaupt gelebt hat.
Basierend auf Akira Kurosawas Film „Ikiru“ (1952) inszenierte Regisseur Oliver Hermanus diese Adaption und verlegte das Drama von Japan ins England der 1950er Jahre. Bill Nighy als nicht weit von der Pension entfernter Beamter spielt diesen starren und sich nach mehr Leben Sehnenden behutsam und doch eindringlich. Wie schwer es doch scheint, aus den eigenen eingefahrenen Strukturen auszubrechen. Dies quasi durch die erhaltene Diagnose extrinsisch motiviert, erweckt es doch ein inneres Verlangen und lässt in eigenen Gedanken vielleicht auch mal die ein oder andere Frage nach der Ausgestaltung der eigenen Existenz aufflackern.
Dabei ist „Living“ nicht mit einem „The Bucket List“ (2007) vergleichbar, wildert nicht in der Komödienschublade, sondern bleibt stets seriös wie seine ihn bevölkernden Figuren. Diese stehen sich manchmal auch selbst im Weg, scheinen sie doch ernsthafte Probleme zu haben, Dinge auf direktem Weg anzusprechen. Dies mag aber der Epoche und der Mentalität geschuldet zu sein, lässt den Fortgang oder die Beziehung der Figuren aber doch immer wieder mal etwas stottern.
Neben Nighy spielt noch Aimee Lou Wood als Miss Harris eine zentralere Rolle, die Kollegen in Williams Büro dienen eher der Reflexion seines Verhaltens und Charakters, der rückwirkend kommentiert wird und so die Veränderung, die er durchmacht, weiter ausformuliert. Zumindest seine, denn allem feierlichen Schwur zum Trotz ändert sich nichts am großen Ganzen.
„Living“ ist ein zurückhaltendes Drama um einen Mann, der die Erkenntnis der Begrenztheit seiner Zeit dazu nutzt, etwas Leben nachzuholen. Das gestaltet sich dann nicht so einfach, will man die eingefahrene Existenz und ihre Strukturen aufbrechen und doch schafft es Bill Nighy, in Stille und Würde diesen inneren Kampf nach außen zu transportieren. Die Wirkung des Films geht auf seine Kappe und macht aus dem Remake einen sehenswerten Eintrag seiner Filmographie.