Regisseur und Autor Paul Schrader, der kreative Kopf hinter „Taxi Driver“ scheint ein wenig altersmilde zu werden. Nach eigenen Aussagen soll „Master Gardener“ überaus provokativ sein, - das mag, ausgehend von der Grundidee auch so sein, doch die dazugehörige Umsetzung gipfelt in einigen Momenten eher peinlicher Natur.
Das Zeugenschutzprogramm für den ehemaligen Nazi Narvel (Joel Edgerton) scheint sprichwörtlich gefruchtet: Seit einigen Jahren ist er als leitender Gärtner bei der wohlhabenden Witwe Norma (Sigourney Weaver) angestellt und kümmert sich akribisch um die Pflanzen. Als Norma ihre dunkelhäutige Großnichte Maya (Quintessa Swindell) bei sich aufnimmt, um ihr eine Lehre als Botanikerin zu ermöglichen, wird Narvel unweigerlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert…
Was mancherorts fälschlicherweise als Thriller verkauft wird, entpuppt sich als Charakterdrama, welches in der ersten Phase häufig in den Großraum der Botanik eintaucht, zumal Narvel als Erzähler im Off fungiert, während er Tagebucheinträge tätigt und sich mit Philosophien beschäftigt, die klar als Metaphern durchgehen. Zwar erscheint der Vergleich von Lavendel und Salbei als direkte Nachbarn etwas weit hergeholt, doch es ist zum Teil beneidenswert, was im Klima jenes Südstaatenanwesens gedeiht, was hierzulande kaum über grün bleibende Stängel hinaus käme.
Schrader lässt sich Zeit, seine Hauptfigur zu etablieren. Er lässt ihn häufig durch die Park ähnliche Anlage latschen, während irgendwann diverse Tattoos auf dem Körper von seiner dunklen Vergangenheit zeugen. Flashbacks deuten hingegen lediglich an, sie formulieren jedoch nie aus, was sich genau in Narvels Zeit als Nazi zugetragen hat und auch er selbst neigt nicht gerade zum mitteilungsbedürftigen Mitmenschen. Als Kontrast hierzu kommt die etwa halb so alte Maya ins Spiel, die offenbar einige Probleme mit Drogen und dem dazugehörigen Dealer hat, was ebenso wenig ins Detail geht. Folgerichtig plätschert die Chose eine ganze Weile vor sich hin und man wartet auf anstehende Konflikte, die allerdings nur selten ausgetragen werden.
Die Erzählung wahrt zu lange eine Distanz zu den Figuren, die im Verlauf zu kaum nachvollziehbaren Handlungsweisen führt. Hin und wieder schimmert zwar eine leichte Melancholie durch, unterstützt von einem stimmungsvoll arrangierten Score, doch erst in der finalen Phase öffnen sich die Protagonisten. Doch anstatt den Stoff dramaturgisch zu steigern, entscheidet sich Schrader fürs Weichspülprogramm, was einmal mehr für Unverständnis sorgt.
Das ist angesichts der starken Darstellerleistungen eine merklich verpasste Chance. Während Edgerton seinen stoischen Botaniker mit reduzierter Mimik genau richtig ins Licht rückt, erhält Swindell nur wenige Einzelmomente, um ihre volle Bandbreite ausspielen zu können. Weaver holt noch relativ viel aus der Figur der verbitterten Alten heraus, während die Nebendarsteller kaum gefordert werden.
Hier wird zwar nicht der Bock, sondern der ehemalige Nazi zum Gärtner gemacht, doch was letztlich spannend, dramatisch oder gar mitreißend ablaufen könnte, dümpelt nahezu konfliktfrei und ohne inszenatorische Höhepunkte vor sich hin. Die exzellenten Mimen retten noch etwas, doch der klare Mangel an Substanz kristallisiert sich mit zunehmender Laufzeit überdeutlich heraus.
4 von 10