Review

iHaveCNit: Valeria Is Getting Married (2023) – Michal Vinik – W-Film
Deutscher Kinostart: 25.05.2023
gesehen am 17.05.2023 in OmU Spotlight-Sneak
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr

Manchmal werde auch ich in meiner gern besuchten Sneak-Reihe der Arthouse-Kinos Frankfurt von Filmen überrascht, die auch ich nicht auf dem Schirm habe und auch gerade weil es trotz eines Angebotes vieler Kinos und Leinwände in meinem doch recht gut mit Kinos ausgestatteten Raumes Rhein-Main doch noch dazu kommt, dass der ein oder andere Film in meiner Region nicht im regulären Programm veröffentlicht wird. Und das trifft auf die israelisch-ukrainische Produktion „Valeria Is Getting Married“ der Regisseurin Michal Vinik zu, den ich gestern Abend in der Sneak in der einzigen Vorstellung in meiner Region sehen und erleben konnte – und natürlich auch positiv überrascht war, warum dieser Film nicht auf meinem Radar gewesen ist.

Etwas angespannt sitzt die junge Ukrainerin Valeria in der Wohnung von ihrer Schwester Christina und deren Ehemann Michael kurz nach ihrer Anreise nach Israel. In Anwesenheit von Christina und Michael wird sie in Kürze Eitan kennenlernen, mit dem sie vorab nur kurz virtuellen Kontakt hatte. Christina wurde vor einiger Zeit über eine arrangierte Ehe an Michael vermittelt und nun soll für Valeria der gleiche Weg mit Eitan eingefädelt werden. Doch nach kurzer Zeit schließt sich Valeria im Bad ein und weigert sich sowohl rauszukommen als auch den Weg mit Eitan zu gehen, was nun für Spannungen zwischen allen Beteiligten führt.

Bis auf wenige Ausnahmen zu Beginn des Films spielt „Valeria Is Getting Married“ den Großteil seiner knappen 75 Minuten in einer Wohnung und auch um das Wohnhaus herum und wirkt hier wie ein kompaktes Kammerspiel, das sich auch bis auf wenige Ausnahmen auf ein Ensemble von 4 Charakteren fokussiert. Es ist beachtlich, welche Themen auf die kurze, kompakte und knappe Laufzeit von 75 Minuten Teil dieses Kammerspiels sind und welche Spannungsfelder sich hier daraus ergeben. Es treffen hier kulturell bedingte Geschlechterrollen und daraus ergebende Machtpositionen aufeinander mit unterschiedlichen Vorstellungen. Aus männlicher Perspektive bekommen wir hier ohne entsprechende Vorurteile und toxischer Männlichkeit zu sehen wie sich patriarchale Machtstrukturen aus dem männlichen Bedürfnis nach Liebe, auch wenn sie käuflich erworben wird, ergeben und dass es nur eine feine Linie zwischen Schutz und Sicherheit sowie einer „Gefangenschaft“ gibt. Ganz stark wird der Film dann vor allem im Zusammenspiel der zwei Schwestern Valeria und Christina, gespielt von Dasha Tvoronovich und Lena Fraifeld. Das Spannungsfeld, dass vor allem Christina umgibt ist die perfekte Projektionsfläche des Themas aus betroffener, weiblicher Sicht. Sie hat den Weg der arrangierten Ehe bereits hinter sich und führt ein relativ glückliches, sicheres Leben mit ihrem Mann Michael und ist sich dem Druck und der Verantwortung hinter dem bewusst, was ihrer Schwester bevorsteht und muss sich im Rahmen dieser kurzen, spannungsgeladenen Zeit dennoch mit den Schattenseiten arrangierter Ehen und ihrem Schicksal auseinandersetzen. Der Film nutzt hier inszenatorisch sehr einfache Mittel, symbolisch sowohl „Schutz“, „Sicherheit“, „Gefangenschaft“ als auch „Freiheit“ einzubinden und auch durch kleine Metaphern das Wesen beider Schwestern zu charakterisieren. Gerne hätte der Film auch länger sein können, damit er seinen Themen wesentlich mehr Raum zur Entfaltung gibt. Dennoch hat mir der filmische Ausflug nach Israel sehr gefallen.

„Valeria Is Getting Married“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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